# taz.de -- Trump und Südamerika: Rechte Blockbildung
       
       > Die USA versuchen, in Lateinamerika eine neue Allianz zu schmieden – als
       > Gegengewicht zu den Brics-Staaten. Milei ist einer ihrer Bündnispartner.
       
 (IMG) Bild: Donald Trump empfängt den Präsidenten Argentiniens, Javier Gerardo Milei, im Westflügel des Weißen Hauses am 14. Oktober 2025
       
       Der argentinische Präsident Milei ist der Brückenkopf Donald Trumps in
       Südamerika. Über Milei soll China zurückgedrängt und der Zugriff auf die
       natürlichen Ressourcen gesichert werden. Milei war schon immer ein
       bedingungsloser Anhänger des US-Präsidenten, doch seit Oktober vergangenen
       Jahres hängt er zudem am finanziellen Tropf der US-Regierung.
       
       Mit einem 20-Milliarden-Dollar-Swap (Tausch von Zahlungsverpflichtungen, d.
       Red.) hatte Donald Trump Milei vor dem finanziellen Absturz gerettet, aber
       in die finanzielle Abhängigkeit gezwungen. Würde Trump ihm diesen
       finanziellen Schutz entziehen, wäre Milei in ernsthaften Schwierigkeiten.
       Selbst seine Wahlerfolge, [1][die seine vermeintliche Stärke demonstrieren,
       ändern daran nichts].
       
       Derzeit arbeitet Milei an der Bildung eines noch namenlosen Blocks zehn
       rechtsgerichteter lateinamerikanischer Regierungen. Damit will der
       Rechtslibertäre seinen regionalen Führungsanspruch im rechten Lager
       unterstreichen und sich die Vorzugsbehandlung des US-Präsidenten sichern.
       Bislang gehören dazu unter anderem die Präsidenten von Bolivien, Paraguay,
       Peru, Ecuador und ab März auch Chile. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist
       die Donroe-Doktrin: Es handelt sich dabei um eine Kombination aus der
       Monroe-Doktrin, wonach die USA jede nichtamerikanische Einmischung in dem
       von ihnen als ihr Interessengebiet definierten Raum ablehnen, und deren
       Wiederbelebung durch Donald Trump.
       
       Anfang Dezember dann die offizielle Bestätigung: „Nach Jahren der
       Vernachlässigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wieder
       geltend machen und durchsetzen, um die Vorrangstellung Amerikas in der
       westlichen Hemisphäre wiederherzustellen und unser Heimatland und unseren
       Zugang zu wichtigen geografischen Gebieten in der gesamten Region zu
       schützen“, heißt es zu Beginn der „Nationalen Sicherheitsstrategie der
       Vereinigten Staaten von Amerika“. Das 33-seitige Papier ist auf der
       Webseite des Weißen Hauses eingestellt.
       
       Nostalgiker werden sich wehmütig an das Jahr 2009 erinnern, als zwölf
       Staats- und Regierungschef*innen der Union Südamerikanischer Nationen
       (Unasur) öffentlich [2][die damalige Sicherheitsstrategie der USA für die
       Region infrage stellten]. Seit Jahren gibt es keine Institution mehr, in
       der lateinamerikanische Regierungen zusammenkommen, um gemeinsame
       Positionen zu formulieren und zu verkünden.
       
       Die jüngste Militäraktion der USA in Venezuela könnte den rechten
       Blockbildungsprozess beschleunigen und sogar erweitern. Aktuell wirkt sie
       wie ein Vergrößerungsglas für die politische Fragmentierung Lateinamerikas.
       Eine gemeinsame Erklärung der 33 Celac-Staaten (Gemeinschaft
       lateinamerikanischer und karibischer Staaten) scheiterte ebenso wie eine
       gemeinsame Resolution zu Venezuela auf dem Mercosur-Gipfel im vergangenen
       Dezember.
       
       In dem Papier zur Sicherheitsstrategie wird China als Haupteindringling in
       das US-Interessengebiet klar benannt. „Chinas staatlich geführte und
       staatlich unterstützte Unternehmen zeichnen sich durch den Aufbau
       physischer und digitaler Infrastrukturen aus, und China hat etwa 1,3
       Billionen Dollar seiner Handelsüberschüsse in Kredite an seine
       Handelspartner umgewandelt“, heißt es in dem Papier. Tatsächlich ist China
       inzwischen in jedem lateinamerikanischen Land wirtschaftlich und finanziell
       eher mehr als weniger präsent.
       
       Selbst der argentinische Präsident Milei hatte wiederholt seine
       Zusammenarbeit mit Peking bekräftigt. „Ich werde die Handelsbeziehungen zu
       China nicht abbrechen. Tatsächlich unterhalten auch die Vereinigten Staaten
       Handelsbeziehungen zu China“, erklärte er am 7. Januar. Auch dafür hat das
       US-Dokument eine Definition parat. „Allerdings sind viele Regierungen nicht
       ideologisch mit ausländischen Mächten verbunden, sondern fühlen sich aus
       anderen Gründen, darunter niedrige Kosten und weniger regulatorische
       Hürden, zu Geschäften mit ihnen hingezogen“, heißt dazu in dem
       Strategiepapier.
       
       ## Strafen für Brasilien
       
       Milei ist nicht nur der Brückenkopf, um die ausländische Macht China
       zurückzudrängen, sondern auch, um die regionale Hegemonialmacht Brasilien
       einzuhegen. Brasilien ist mit Abstand das wirtschaftliche und politische
       Schwergewicht Lateinamerikas. Trump bedauerte offen, dass sein
       brasilianischer Freund Jair Bolsonaro im Gefängnis sitzt und nicht im
       Präsidentenpalast. Stattdessen regiert der Linkspolitiker Lula da Silva,
       den Trump mitverantwortlich für die Verurteilung Bolsonaros macht, weshalb
       er Brasilien mit besonders hohen Strafzöllen belegte.
       
       Brasiliens Präsident Lula hatte relativ gemäßigt auf die US-Militäraktion
       in Venezuela reagiert. Er erwähnte namentlich weder Trump noch den
       gefangengenommenen Nicolás Maduro und beschränkte sich darauf, die
       Anwendung von Gewalt zu verurteilen, wie er es auch getan hatte, als Maduro
       dem Nachbarland Guyana wegen eines Gebietsstreits mit einem Angriff gedroht
       hatte. Und Lula war es auch, der Maduros Teilnahme an dem Brics-Gipfel in
       Rio de Janeiro im vergangenen Juli ablehnte.
       
       Zu den Brics-Staaten gehören neben den Namensgebern Brasilien, Russland,
       Indien, China und Südafrika seit 2023 auch Ägypten, Äthiopien, Indonesien,
       Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist der
       wichtigste Zusammenschluss wirtschaftlich starker Staaten im sogenannten
       Globalen Süden. Für Donald Trump ist dieser Zusammenschluss ein offenes
       Einfallstor in die US-amerikanische Interessensphäre, das nicht leicht zu
       schließen sein wird.
       
       „Einige ausländische Einflüsse werden angesichts der politischen Allianzen
       zwischen bestimmten lateinamerikanischen Regierungen und bestimmten
       ausländischen Akteuren schwer rückgängig zu machen sein“, heißt dazu im
       Strategiepapier. Und mit überraschender Offenheit heißt es weiter: „Amerika
       und seine Verbündeten haben noch keinen gemeinsamen Plan für den
       sogenannten ‚Globalen Süden‘ formuliert, geschweige denn umgesetzt. Aber
       zusammen verfügen sie über enorme Ressourcen.“ Milei und sein rechter Block
       sind Teil eines Plans, der derzeit in Südamerika Gestalt annimmt.
       
       7 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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