# taz.de -- Auf der Suche nach einem Frühlingssport: Ist Pingpong eigentlich sexy?
> Klassisch anziehend ist Tischtennis nicht wirklich. Für den Sport spricht
> aber seine gesellige Seite. Das ist auch flirttechnisch praktisch.
(IMG) Bild: Frühlingsgefühle an der Platte: Lässig und doch sportlich
Langsam traue ich mich zu sagen: Wir haben den Winter überstanden. Dieses
Jahr war hart. Aushaltbar war er für mich nur mit einer kurzzeitigen
Sportobsession: Ice Skaten. Ausgelöst von „Heated Rivalry“, dieser queeren
Eishockeyserie. Mein Saisonergebnis: eine halbe, wacklige Drehung auf
beiden Füßen schaffe ich jetzt auch. Mit den steigenden Temperaturen fällt
dieser Sport allerdings weg. Seltsamerweise sehe ich mich null Rollschuh
fahren, was ja eine naheliegende Alternative wäre. Stattdessen lieber einen
Sport, der zu den kollektiven Frühlingsgefühlen passt. Zum Glück nehmen mir
andere die Suche ab und kriechen schon wie bescheuert aus ihren Löchern mit
ihrem Equipment: Es ist Pingpong.
Und damit meine ich nicht das kompetitive Tischtennis, das Timothée
Chalamet in [1][„Marty Surpreme“] verkörpert– ein Film über ein männliches
Genie mit viel Rumgeschreie. Ich meine das lässige Tischtennis. Das
Bar-und-Getränk-in-der-Hand-Tischtennis. Rundlauf, Umlauf, Ringel oder wie
auch immer man es nennt, wenn Leute um die Platte hetzen.
Man muss auf Hinge keine dreimal swipen, bis jemand ein
Tischtennisschläger-Emoji in der Bio hat. Die ganz Entspannten posten sogar
Actionfotos mit Kelle. [2][Es ist der jedes Jahr aufs neue aufblühende
Frühlingshabitus] der urbanen Mittelschicht: Man zeigt, dass man draußen
ist und Sport macht. Aber Obacht, nicht zu viel, man will ja nicht
schwitzen.
Keine Frage: Tischtennis kann Spaß machen. Und es ist anstrengender, als
man von außen denkt. Trotzdem beschäftigte mich auf dem Weg zu meinem
ersten Match der Saison eine Frage, die eigentlich eindeutig geklärt sein
müsste: Ist Tischtennis sexy?
## Ein Sport mit viel logistischem Verantwortungsgefühl
Dagegen spricht einiges. Erstens: Man spielt meistens draußen auf
unwegsamem Gelände. Der Ball springt kreuz und quer, rollt unter Parkbänke
und verschwindet in Büschen. In der Folge muss man ihm komisch
hinterherrennen. Ich habe dafür allerdings einen sehr guten Trick
entwickelt: erst mal stehen bleiben und schauen. Das gibt einem Zeit – und
manchmal holt ihn dann die andere Person.
Zweitens: Man muss Schläger und Bälle besitzen. Und sie mit sich
herumtragen. Und sie nicht verleihen, weil sie dann weg sind. Und sie auch
nicht irgendwo liegen lassen, weil das auf dasselbe hinausläuft. Ein Sport,
der überraschend viel logistisches Verantwortungsgefühl verlangt – und na
ja, davon habe ich im Büroalltag schon genug.
Drittens – und das gilt leider für fast jeden Sport – gibt es immer Typen,
die sich aufspielen. Nichts ist unattraktiver als jemand, der schadenfroh
den Ball in die linke Ecke pfeffert und dabei so tut, als sei er Olympia
Gold.
## Sexy Infrastruktur und passende Exitstrategie beim Flirten
Aber es spricht auch was dafür. Zum Beispiel: Beim Tischtennis geht es
überhaupt nicht um protzige Muskeln. Die helfen nämlich erstaunlich wenig.
Der Sport belohnt eher Koordination, Timing und eine gewisse Gelassenheit –
Eigenschaften, die ohnehin attraktiver sind als jemand, der ständig davon
erzählt, [3][wie viel er schon im Gym pushen kann]. Außerdem ist
Tischtennis gesellig. Viele können mitmachen, besonders beim Rundlauf. Und
das ist auch flirttechnisch praktisch: Wenn sich im Gespräch herausstellt,
dass die Person doch nicht so toll ist, kann man sich einfach woanders
einreihen. Kaum ein Sport bietet so elegante Exitstrategien.
Sexy ist auch die Infrastruktur: Man kann es wirklich fast überall spielen.
Gut, manchmal muss man auf Spielplätzen erst ein paar Halbstarke von der
Platte vertreiben. Beweist dem Date dann aber ja auch Willensstärke.
Und dann sind da natürlich die kleinen Flirts an der Platte. Der zufällige
Blickkontakt nach einem guten Ballwechsel. Das gemeinsame Lachen, wenn der
Ball mal wieder absurd vom Metallrand springt. Der kurze Moment, in dem
zwei Menschen den Trick mit dem lässigen Stehenbleiben anwenden und dann
niemand den Ball holt. Vielleicht ist Tischtennis also nicht auf die
klassische Art sexy. Eher auf eine solidarische, leicht chaotische
Frühlingsweise. Das passt sowieso besser zu mir.
11 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclère
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