# taz.de -- Reformer Pilates: Ganz schön konservativ eigentlich
> Auf der Suche nach neuen Sporterfahrungen landet unsere Autorin diesmal
> auf einer Art Folterbank. Nicht nur deshalb muss sie sich furchtbar
> aufregen.
(IMG) Bild: Strumpf des Anstoßes: Ohne Stoppersocken kein Reformer Pilates
Ich liege auf einer schwarzen Trainingsbank und bin auf 180. Ich bewege
meine Beine in kreisend, drücke mich mit der Bank von vorne nach hinten und
in mir kocht alles. Wenn es nicht so leise wäre in diesem verdammt leeren
Studio, dann würde ich gerne schreien oder mich mindestens laut aufregen.
Schlimmer wird es, wenn ich an die [1][CDU-blauen] Antirutschsocken an
meinen Füßen denke.
Zehn Minuten vorher bin ich noch durch einen Berliner
Bildungsbürger*innenkiez gehastet. Währenddessen denke ich an Shirin
David. [2][Die hat wenigstens noch einen Iced Matcha Latte], wenn sie zu
spät zum Pilates kommt. Ich hatte mich immerhin, so dachte ich zumindest,
gut vorbereitet für die Sportart, die gleich kommt. Ich will Reformer
Pilates ausprobieren, ein Ganzkörpertraining, das mit Geräten, sogenannten
Reformern, die aussehen wie eine Mischung aus Massageliege und
Folterinstrument, unterstützt wird.
Ich verspreche mir: Entspannte bis anstrengende Übungen zu EDM und am Ende
vielleicht etwas Muskelkater. Ich bekomme: einen Wutanfall. Dass ich wütend
werde, passiert selten. Aber ich kann es nicht ausstehen, wenn ich das
Gefühl habe, dass eine Regel nicht den Umständen angepasst werden kann.
Hier kommen jetzt wieder besagte Stoppersocken ins Spiel. Das stand nämlich
schon auf der Website, dass man die für die Benutzung der Geräte brauchen
würde. Ich hatte keine, aber aus Zeiten meiner aktiven Turnkarriere noch
Gummischläppchen, die ich mitgebracht habe. Nein, sagt ein
[3][Jacob-Elordi]-Verschnitt am Empfang. „Aus Sicherheitsgründen.“
„Aber warum, die Schlappen haben besseren Grip als Rutschsocken“, sage ich
ihm und halte sie ihm vor’s Gesicht. „Ich weiß, wie Ballettschläppchen
aussehen. Das geht nicht“, sagt er ernst. Wegen der Hygiene. „Das ist
seltsam“, entgegne ich, weil ich die Diskussion schon jetzt so albern finde
und mir auch alle Argumente ausgehen.
## Teure Qual
Der Türsteher Elordi verschwendet keinen einzigen Gedanken daran, ob meine
Turnschlappen nicht vielleicht doch in Ordnung sind. „Für 13 Euro kannst du
hier Stoppersocken kaufen“, sagt er. „Farbe darfst du dir auswählen.“ Ich
habe somit für 45 Minuten Kurs fast 30 Euro ausgegeben, was wirklich absurd
und lächerlich ist.
Wegen der Diskussion verpasse ich noch dazu die ersten 5 Minuten und habe
keine Ahnung, wie man das Trainingsgerät verwendet. Die Trainerin –
seltsamerweise mit Headseat, obwohl wir nur eine Handvoll Personen sind,
schickt sich auch nicht an, mir irgendwas zu erklären. Na ja, auch das
stand ja schließlich auf der Website: Der Kurs beginnt pünktlich.
Also lege ich mich irgendwie auf dieses Gerät drauf, das eine auf Schienen
verschiebbare Bank mit Federn in verschiedenen Stärken, Stäbe und Schlingen
für Hände oder Füße hat. Die meiste Zeit des Kurses verbringen wir auf dem
Rücken liegend auf dem Gerät und ich starre an die Decke. Warum heißt
dieses Gerät eigentlich Reformer, frage ich mich?
Hier scheinen ja die Regeln relativ festgefahren zu sein. Während wir die
Position wechseln und nun mit unseren Füßen die Bank nach vorne und hinten
schieben, rutschen meine Zehen in den Rutschsocken nach vorne und nach
hinten. Warum bin ich nicht boxen gegangen?
Leider konnte ich deshalb nicht genießen, wie geschmeidig und zielgenau die
Übungen auf dem Gerät durchzuführen sind. Immerhin hatte ich am nächsten
Tag Muskelkater. Das kann aber auch von der Empörung kommen.
21 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Outfits-zur-Fussball-WM/!6167715
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=Bsn3wZQ-2_4
(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Jacob_Elordi
## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclère
## TAGS
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
(DIR) Fitness
(DIR) Gesundheitsvorsorge
(DIR) Freizeit
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Unterwassererkundungen am Korallenriff: Keine Termine und leicht einen Abschnorcheln
Unterwegs in der Südsee beschließt unsere Autorin zu schnorcheln. Und
erlebt statt eines passiven Sports Meditation und komplette Auslastung
zugleich.
(DIR) Auf der Suche nach einem Frühlingssport: Ist Pingpong eigentlich sexy?
Klassisch anziehend ist Tischtennis nicht wirklich. Für den Sport spricht
aber seine gesellige Seite. Das ist auch flirttechnisch praktisch.
(DIR) Naturtalent in einem Wurfsport: Nonchalant am Äxte werfen
Welch Überraschung! Ohne es zu wissen, bin ich vermutlich schon viele Jahre
Axt-Werf-Profi. Ein Sport, der binnen kürzester Zeit süchtig macht.