# taz.de -- US-Debatten zum Irankrieg: Wie Donald Trump sich selbst ins Abseits bombt
> Was wollen die USA mit Iran und warum? Der US-Präsident verheddert sich
> immer mehr im Widerspruch zwischen seinen eigenen außenpolitischen
> Zielen.
(IMG) Bild: US-Vizepräsident J.D. Vance und „Kriegsminister“ Pete Hegseth salutieren einem toten US-Soldaten, Delaware am 8. März
Es gehört zu den goldenen Regeln der US-Politik, dass das Land sich hinter
seinen Präsidenten stellt, wenn die USA in den Krieg ziehen. Das stimmte im
Zweiten Weltkrieg, das traf anfangs für Vietnam zu, erst recht 2001 für
Afghanistan und sogar 2003 für Irak.
An dieser Geschichte gemessen, ist Trumps Irankrieg die unpopulärste
US-Militäraktion, seit es Meinungsforschung gibt. Die große Mehrheit der
US-Amerikaner hielt das Bombardement von Teheran vom ersten Tag an für
einen Fehler. Mehr als 60 Prozent waren dagegen. 77 Prozent der
Republikaner standen zwar hinter Trump, doch auch innerhalb seiner Partei
gibt es Risse.
Mit dem [1][Schließen der Straße von Hormus] und explodierenden
Benzinpreisen, mit enormen Kosten von etwa einer Milliarde Dollar pro Tag
und mit der Machtübernahme des Sohnes von Ayatollah Chamenei wird es für
Trump immer schwieriger, sein Engagement plausibel zu machen.
Am Montag behauptete der US-Präsident, der Krieg nähere sich seinem Ende,
obwohl alle Nachrichten das Gegenteil nahelegen. Zudem hatte sein
Verteidigungsminister Pete Hegseth in seiner Feuerrede am Tag zuvor Iran
ein endloses Höllenfeuer versprochen und gesagt, dies sei „erst der
Anfang“.
## Planlos in den Krieg hineingestolpert
Es war nur das jüngste Kapitel des [2][Kommunikations-Chaos] seit dem
ersten Angriff am 28. Februar. Da hatte Trump von Vergeltung für Jahrzehnte
„schlechten Betragens“ durch Iran gesprochen, von der Befreiung des
iranischen Volkes und von der Ausschaltung der nuklearen Gefahr, die von
Iran ausgehe – von der er zuvor behauptet hatte, er hätte sie bereits im
letzten Krieg im Juni 2025 beseitigt.
Dann hatte Hegseth gesagt, dies sei keine Operation mit dem Ziel eines
Regimewechsels, prahlte aber gleichzeitig, man habe das Regime bereits
ausgetauscht. Von der Nachfolge des Ayatollah Ali Chamenei durch dessen
Sohn wusste er da noch nicht. Schließlich sprach Außenminister Rubio davon,
dass man der iranischen Reaktion auf einen bevorstehenden israelischen
Angriff vorgreifen wollte.
Keine 24 Stunden später sagte Trump, die Attacke sei alleine seine
Entscheidung gewesen und habe nichts mit Israel zu tun. Bevor Trump am
Montag sagte, der Krieg sei praktisch vorbei, hatte er am Freitag getönt,
dass der Konflikt erst mit einer [3][bedingungslosen Kapitulation] Irans zu
Ende sei.
Mittlerweile dämmert es allen außer den verblendetsten Trump-Anhängern,
dass der Präsident planlos in das iranische Abenteuer gestolpert ist.
Offene Kritik aus den eigenen Reihen ist, bislang zumindest, noch rar. Im
Repräsentantenhaus stimmten nur zwei republikanische Abgeordnete für eine
[4][Resolution, welche die verfassungsgemäße Zustimmung des Kongresses zu
einem Krieg forderte]. Und in seinem Kabinett machten
anti-interventionistische Stimmen wie J.D. Vance und Marco Rubio eine
Kehrtwende, nachdem die ersten Bomben gefallen waren.
## Anfang von Trumps politischem Ende?
Außerhalb der Machtzirkel von Washington war die Kritik aus der rechten
Ecke deutlich prononcierter. Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker
Carlson, der sich als Präsidentschaftskandidat für 2028 in Stellung bringt,
nannte die Angriffe „ekelhaft und böse.“ Trumps Intervention sei ein
direkter Weg in einen Atomkrieg. Schon im Juni vergangenen Jahres hatte
Carlson die US-Bombenangriffe auf die Atomanlagen in Natanz [5][scharf
kritisiert]. Für Putins Krieg gegen die Ukraine hat Carlson deutlich mehr
Verständnis.
Zahlreiche republikanische Kongressabgeordnete sagten dem Portal Politico
anonym, dass für sie die Iran-Intervention zu weit gehe. Curt Mills,
Chefredakteur des Magazins [6][The American Conservative], ist sich sicher,
dass der Iran-Krieg der [7][Anfang vom politischen Ende Trumps] ist. Tucker
Carlsons Vorpreschen sei nur die erste Breitseite.
Seit 2016 wiederholt Trump unermüdlich, dass er die USA auf keinen Fall
mehr in einen „Endlos-Krieg“ verwickeln werde. Die neue [8][Nationale
Sicherheitsstrategie] seiner Regierung betont, dass die USA sich
militärisch nur noch engagieren, wenn US-Interessen unmittelbar betroffen
sind. Die sind in Iran jedoch nicht erkennbar, die Kosten sind dem Wähler
nicht mehr vermittelbar. Wie die Trump-Abtrünnige [9][Marjorie Taylor
Green] es ausdrückte: Iran ist ein Verrat an „America First“.
Warum Trump sich trotzdem hat in den Konflikt hineinziehen lassen, liegt
laut Mills alleine an „seiner Persönlichkeit.“ Den immer noch zahlreichen
„Hawks“ – traditionelle Konservative, die eine interventionistische
Außenpolitik befürworten – könne er einfach nicht Nein sagen.
## Kampf innerhalb des Maga-Lagers
Und natürlich könne Trump auch Benjamin Netanjahu nicht Nein sagen. Mills
beschreibt den Grad des Einflusses des israelischen Regierungschefs in den
USA als „ekelhaft“. Jede PolitikerIn oder Person des öffentlichen Lebens,
die sich offen gegen Israel stelle, müsse wegen der Macht israelischer
Lobbygruppen um ihre Karriere fürchten. Trump habe bei seinen Wahlkämpfen
von eben diesen Gruppen enorme Spenden angenommen.
Schon die Nationale Sicherheitsstrategie nennt die Sicherheit Israels und
die Verhinderung einer Atommacht Iran als explizite Ausnahmen von „America
First“. Sollte sich Trump an diesem Widerspruch aufreiben, würde er, so
Mills, im Vergleich zu Rechten wie Carlson oder auch Vance als
unentschlossene, moderate Übergangsfigur dastehen. Was man daran gesehen
habe, dass er sich dem Protest gegen die [10][ICE-Aktionen in Minnesota]
gebeugt habe. Kritiker haben dafür den Begriff „Taco“ geprägt – „Trump
always chickens out“.
Ob die härtere Maga-Fraktion sich durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.
Zunächst einmal dürfte die abstürzende Popularität Trumps sich in den
Zwischenwahlen im November für die Demokraten positiv auswirken. In
neuesten Umfragen stehen die Chancen der Oppositionspartei auf eine
Kongressmehrheit sechs Prozent besser als die der Republikaner.
Um zu sehen, in welche Richtung der innerrepublikanische Kampf tendiert,
wird eine republikanische Vorwahl in Kentucky im Mai besonders
aufschlussreich. Hier tritt der Abgeordnete Thomas Massie wieder an, der
Trumps Irankrieg scharf kritisiert. Der republikanisch-jüdische „Victory
Fund“ beschimpfte ihn deshalb bereits als Linksradikalen und Freund der
Mullahs. Trump unterstützt einen Gegenkandidaten, und das war jahrelang
sein effektivstes Machtinstrument, um Kritik im Keim zu ersticken. Wie
diese Vorwahl ausgeht, wird zeigen, ob das noch funktioniert.
10 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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