# taz.de -- Globale Folgen des Iran-Krieges: Jenseits der Bomben
> Welche Auswirkungen hat der Iran-Krieg auf den Globalen Süden? Und wie
> entwickeln sich die Öl- und Gaspreise in Deutschland?
(IMG) Bild: Bangladesch bezieht 95 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten, hier eine Tankstelle in Dhaka
Endlich kann Daniel Katureebe mit seinem Auto an die Zapfsäule heranfahren.
An den Tankstellen in Ugandas Hauptstadt Kampala herrscht derzeit reger
Verkehr, denn alle befürchten, dass aufgrund des Kriegs im Nahen Osten bald
der Sprit auf dem Weltmarkt knapp wird.
Die junge Tankwartin wünscht einen guten Morgen: „Bitte volltanken“, sagt
Katureebe zu ihr und blickt auf seine Anzeige in der Konsole. Sein Tank ist
eigentlich noch drei Viertel voll. „Ich gehe jeden Morgen auf dem Weg zur
Arbeit noch mal tanken“, sagt er. „Man weiß ja nie, wann die Preise ins
Unermessliche steigen.“
Seit Beginn des [1][Kriegs gegen Iran] und der Schließung der
Schifffahrtspassage durch die Straße von Hormus warnen Wirtschaftsexperten
in Ugandas Medien vor einem enormen Preisanstieg. Peter Ochieng,
Wirtschaftsanalyst und Marketingchef der regionalen Tankstellenkette Rubis,
sagt: „Die Lage ist chaotisch. Wenn die Unterbrechung der Transportwege so
weitergeht, können die Transportkosten von Mombasa und Daressalam nach
Uganda um bis zu 50 Prozent ansteigen.“
Anderen Ländern im Globalen Süden geht es ganz ähnlich. Schließlich fallen
wegen der Blockade der Straße von Hormus durch Iran derzeit rund 20 Prozent
des globalen Angebots an Erdöl und Flüssiggas aus.
## Die Preise entwickeln sich sehr dynamisch
Um Sprit zu sparen, wies die Regierung in Thailand ihre Beschäftigten an,
im Homeoffice zu arbeiten. In Vietnam gab es vergleichbare Maßnahmen, auf
den Philippinen befahl die Regierung in vielen Behörden eine Viertagewoche,
und Indien pumpte in einer Notmaßnahme 5.000 Tonnen Diesel nach
Bangladesch, weil der Treibstoff dort schon knapp wurde. Bangladesch
bezieht 95 Prozent seines Erdöl- und 70 Prozent seines Erdgasbedarfs aus
dem Nahen Osten.
Während sich im Globalen Süden eine Versorgungskrise anbahnt, sind
Ökonom*innen bezüglich der Folgen des Iran-Kriegs auf die deutsche
Wirtschaft noch relativ gelassen. Ihnen zufolge wird der damit bedingte
Ölpreisschock den Aufschwung in diesem Jahr dämpfen, aber nicht gefährden.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet etwa, dass die
gestiegenen Energiepreise das Wirtschaftswachstum um 0,1 bis 0,2
Prozentpunkte senken. Unter der Annahme, dass es zu keiner weiteren
Eskalation kommt und die Energiepreise bald wieder sinken, erwartet das DIW
nun, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um 1,0 Prozent wächst. Das
Ifo-Institut in München sieht es ähnlich: Es senkte seine Prognose für
dieses Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent.
Ein hoher Ölpreis ist laut Ifo-Institut schlecht für die globale
Wirtschaft, weil er wie eine zusätzliche Steuer wirkt. Energie, Transport
und viele Güter werden teurer. Für die Unternehmen bedeutet das höhere
Produktionskosten und für die Menschen steigende Lebenshaltungskosten. Die
spüren sie bisher vornehmlich an der Zapfsäule. Statt um die 1,70 Euro
kostete ein Liter Diesel diese Woche zum Teil deutlich über 2 Euro. Dabei
steht der Verdacht im Raum, dass die Mineralölkonzerne die Chance nutzen,
sich auf Kosten der Autofahrenden zu bereichern. Tankstellen sollen deshalb
künftig nur noch einmal am Tag ihre Preise erhöhen dürfen, verspricht die
Bundesregierung.
Noch sind die Konjunkturexpert*innen relativ optimistisch, dass sich
die Auswirkungen des Preisschocks auf die Kaufkraft der Konsument*innen
und damit auf die Konjunktur in Grenzen halten. Das DIW schätzt, dass die
Inflation wegen des Iran-Kriegs dieses Jahr um 0,4 Prozentpunkte steigen
und bei 2,3 Prozent liegen wird. Auch Silke Tober vom Institut für
Makroökonomie und Konjunkturforschung sagt: „Die Rohöl- und Gaspreise
dürften sich noch 2026 vollständig zurückbilden. Zwar wird die Inflation
vorübergehend über 2 Prozent steigen, im kommenden Jahr aufgrund von
Basiseffekten jedoch deutlich darunter liegen.“
## Größte Freigabe ever
Dass die Ökonom*innen hierzulande so gelassen sind, liegt daran, dass
Deutschland längst nicht so abhängig ist vom Erdöl aus dem Nahen Osten wie
vom [2][russischen Erdgas vor dem Angriff auf die Ukraine]. Gerade einmal
6,1 Prozent der Ölimporte stammen aus der Region. Das meiste Erdöl kommt
aus Norwegen (16,6 Prozent), den Vereinigten Staaten (16,4 Prozent) und
Libyen (13,8 Prozent). Versorgungsengpässe wie während der letzten
Energiepreiskrise sind also nicht zu befürchten.
Doch wissen auch die Expert*innen, dass hinter ihren Vorhersagen derzeit
große Fragezeichen stehen. DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik
sagt: [3][„Die Preise entwickeln sich derzeit recht dynamisch.“] Es gebe
bei den Energiepreisen momentan viele Auf- und Abbewegungen, und es könne
sein, dass die Energiepreise länger hoch blieben.
In ihrer eigentlichen Prognose geht sie aber davon aus, dass sich die Lage
bald wieder entspannt und die Spritpreise fallen. Ist das nicht der Fall,
würde auch in Deutschland die Inflation stärker steigen. Dann droht eine
Halbierung des Wachstums.
Um die Lage zu entspannen, werden die 32 Mitgliedstaaten der
Internationalen Energieagentur (IEA) 400 Millionen Barrel ihrer
strategischen [4][Erdölreserven freigeben]. Davon liefert Deutschland 19,5
Millionen Barrel, die USA 172 Millionen. Es ist die größte Freigabe in der
Geschichte der internationalen Institution. Zum Vergleich: In normalen
Zeiten passieren täglich rund 20 Millionen Barrel die Straße von Hormus.
## Uganda arbeitet an alternativen Bezugsquellen
Ugandas staatliche Ölgesellschaft Unoc versicherte derweil, dass deren
Lieferkette „nicht von einer einzigen Region abhängt“. Man arbeite derzeit
an „alternativen Bezugsquellen und Transportrouten“, sagt Unoc-Sprecher
Tony Otoa.
Doch das Vertrauen der Ugander*innen ist gering. „Vorsorge ist besser“,
betont Autofahrer Daniel Katureebe an der Tankstelle in Kampala. Auch einen
zweiten Gaszylinder für seinen Herd zu Hause hat er sich vor wenigen Tagen
angeschafft. Da in Uganda regelmäßig der Strom ausfällt, bevorzugt die
Mittelklasse, in ihren Küchen auf einem Gasherd zu kochen. Einen
Gaszylinder nachzufüllen kostete bislang 100.000 Schilling, umgerechnet
rund 24 Euro. In den vergangenen Tagen stieg der Preis bereits auf 105.000
Schilling. Die arme Bevölkerung kann sich das nicht leisten und kocht
deswegen mit Holzkohle.
Die Teuerungen wecken Erinnerungen an die Zeiten der Coronapandemie. Damals
sind die Spritpreise in Uganda enorm angestiegen – und seitdem nicht mehr
sonderlich gefallen. Und anders als in Deutschland hat die Regierung in
Uganda wenig Mittel, um der Bevölkerung bei den Spritpreisen zu helfen.
13 Mar 2026
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