# taz.de -- Angeblich linksextreme Buchläden: SPD und Grüne lassen Gegenwehr vermissen
> In Bremen verteidigen SPD und Grüne den Buchladen, den der
> Kulturstaatsminister des Linksextremismus für verdächtig hält. Leider nur
> halbherzig.
(IMG) Bild: Bremer Buchladen „Golden Shop“, der vom Kulturstaatsminister gecancelt wurde: Von SPD und Grünen kam kein Widerspruch
Wilde Zeiten: Der Kulturstaatsminister des Bundes, Wolfram Weimer
(parteilos), [1][erklärt den „Golden Shop“, einen kleinen linken Buchladen
in Bremen, zum Verfassungsfeind] und streicht ihn von der Preisträgerliste
des Deutschen Buchhandlungspreises, auf die eine unabhängige Jury [2][das
Geschäft] gesetzt hatte. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung am
Mittwoch.
Weimer verteidigte seine Entscheidung am Donnerstag auf X: „Wenn
verfassungsschutzrelevante Informationen vorliegen, kann es keine Preise
des Bundes mit Steuergeld geben.“ Am selben Tag kündigte die Anwältin der
Ladeninhaberin eine Klage gegen Weimer an, gemeinsam mit den Anwälten von
zwei Buchläden in Berlin und Göttingen. Auch sie wurden von der Liste
gestrichen und verlieren damit zugesagte Preisgelder.
Beängstigend ist nicht der Kulturkampf von rechten Politiker:innen. Sondern
die fehlende Gegenwehr derer, gegen die sich das richtet: Alle, die andere
Werte als Konservative und Nazis haben und damit „links“ von ihnen stehen.
Das lässt sich in Bremen derzeit beobachten. Seit einem Monat [3][greifen
Medien] sowie die Opposition aus CDU und FDP die angeblich von
„Linksextremisten“ unterwanderte rot-grün-rote Koalition an. [4][Nahezu
täglich graben sie „Enthüllungen“] über vorgebliche Verfassungsfeinde aus.
Man wünscht sich diesen Rechercheeifer auch über Rechtsextreme, aber dafür
braucht es mehr als Google-Kenntnisse.
Und anstatt endlich der CDU-Erzählung etwas entgegenzusetzen, nur die
totale Überwachung garantiere die Freiheit, bleiben SPD und Grüne in Bremen
in der Defensive. So brauchten die Koalitionäre einen ganzen Tag, um auf
Weimers Entscheidung zu reagieren, und nur die Fraktion der Linken
bezeichnete sie korrekt als einen Angriff auf die Kunst- und
Meinungsfreiheit, wie es ihn in Deutschland lange nicht mehr gegeben hat.
Die SPD-Fraktion äußerte sich gar nicht, das überließ sie wie so oft ihrem
Bürgermeister, Andreas Bovenschulte. Und der: druckste herum. Genau wie die
Bremer Grünen, die erst um 20 Uhr eine Pressemitteilung verschickten. So
lange hatten sie gebraucht, um sich auf ein Statement zu einigen. Immerhin
durfte die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Kai Wargalla, fordern,
„die Grundlage für diese Entscheidung transparent offenzulegen“, während
Andreas Bovenschulte nur erwähnt, dass es keine Transparenz gab. Das
„irritiere“ ihn. Als ginge es um Gefühle – und nicht Gesetze.
## Einfallstor für inquisitorische Suggestivfragen
Damit lassen sowohl Bovenschulte als auch die Grünen genau den
Interpretationsspielraum offen, den Freund:innen des autoritären
Durchregierens brauchen, um die eigenen Entscheidungen zu legitimieren.
Denn die Statements kritisieren nicht den Vorgang als solchen – sondern
bloß seine Umstände.
So schaffen sie ein Einfallstor für inquisitorische Suggestivfragen. Motto:
„Vielleicht ist ja doch etwas dran an der Verfassungsfeindlichkeit des
Buchladens und seiner Inhaberin? Verbreitet sie mehr als Comics und
politische Literatur? Wer trifft sich dort nach Ladenschluss? Würde sich
der Verfassungsschutz sonst mit ihr beschäftigen, wenn man ihr gar nichts
anhängen könnte? Na?“ Der Verfassungsschutz muss womöglich seine
Erkenntnisse über die drei Buchläden herausrücken – so es welche gibt. Die
Anwält:innen der Buchläden hatten am Donnerstag angekündigt, zusätzlich
zu der Klage gegen den Kulturstaatsminister Verfahren anzustrengen, die
Auskunft über die Grundlage seiner Entscheidung erzwingen sollen.
Der Grund für die nur sachte vorgetragene Kritik von SPD und Grünen: Sie
verteidigen seit einem Monat die Arbeit des Bremer Verfassungsschutzes, in
dem verzweifelten Versuch, wie die Bremer CDU staatstragende
Rechtschaffenheit zu simulieren. Los ging es mit der Enttarnung eines
Vertrauensmanns, der acht Jahre linke Gruppen für den Verfassungsschutz
bespitzelt haben soll. Dabei soll er enge freundschaftliche und sexuelle
Beziehungen gepflegt haben. Das wäre rechtswidrig. Rechtswidrig wäre auch,
dass der Verfassungsschutz ihn trotz seiner psychischen Instabilität
einsetzte.
Aufgeklärt wird das nicht: [5][Für SPD und Grüne war es ein größerer
Skandal], dass laut einem Spiegel-Bericht bei der Enttarnung durch
Mitglieder der bespitzelten Gruppen ein Rechtsanwalt dabei war, der als
Richter am Landesverfassungsgericht tätig war. Sie drängten ihn aus dem Amt
und attackierten damit die rechtsstaatlichen Prinzipien der Gewaltenteilung
und der anwaltlichen Unabhängigkeit.
Dann plauderte laut dem Regionalmagazin „buten und binnen“ ein:e
Teilnehmer:in der parlamentarischen Kontrollkommission aus, der
Verfassungsschutz habe dort gesagt, ein Mitarbeiter der Linken-Fraktion sei
Mitglied der Interventionistischen Linken (IL). Diese war das Hauptziel der
Bespitzelung. Die Kommissionsmitglieder sind zur Verschwiegenheit
verpflichtet, Verstöße dagegen eine Straftat.
## SPD und Grüne schweigen
SPD und Grüne schwiegen auch dazu. Dafür kündigte Bremens Innensenatorin
Eva Högl (SPD) „juristische Schritte“ gegen diejenigen an, die den
Verfassungsschutz bezichtigt hatten, Informationen an den Spiegel
weitergegeben zu haben.
Schade, dass nur die Vertreter:innen ihrer Jugendorganisationen am
Sonntag auf einer Kundgebung auf dem Bremer Marktplatz waren. Dort sollten
„Grundrechte gegen Geheimdienst und Rechtsruck“ verteidigt werden,
aufgerufen hatten Jusos, Grüne Jugend, Gewerkschaften und linke Gruppen wie
die IL.
Denn dort hätten sich SPD- und Grünen-Politiker:innen vom ehemaligen
Linken-Parteivorsitzenden Christoph Spehr den Mechanismus hinter der
aktuellen Linken-Hatz erklären lassen können. „Alle wollen sich
reinwaschen, indem sie andere beschuldigen und sich voneinander
distanzieren“, sagte er in seiner Rede. So werde der Kreis derjenigen, die
als „extrem“ gelten, immer größer, bis nur noch wenige in der vermeintlich
rechtschaffenen Mitte übrig bleiben.
Er veranschaulichte dies mit der Kommunistenjagd in den USA ab 1938. Der
unamerikanischen Aktivitäten verdächtig war laut der [6][New York Times]
damals unter anderem: die Washington Bookshop Association.
5 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Deutscher-Buchhandlungspreis/!6159761
(DIR) [2] /Buchlaeden-von-Buchpreis-ausgeschlossen/!6159819
(DIR) [3] https://www.weser-kurier.de/bremen/politik/bremer-senat-rote-hilfe-gehoert-zum-linksextremistischen-spektrum-doc84qd30e47tla177ekgv
(DIR) [4] https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/rote-hilfe-kulturressort-foerderung-100.html
(DIR) [5] /Bremer-V-Mann-Skandal/!6155058
(DIR) [6] https://www.nytimes.com/1947/12/05/archives/groups-called-disloyal.html?smid=em-share
## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
## TAGS
(DIR) Bremer V-Mann-Skandal
(DIR) Wolfram Weimer
(DIR) Bremen
(DIR) R2G Bremen
(DIR) Andreas Bovenschulte
(DIR) Buchhandel
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Meinungsfreiheit
(DIR) Verfassungsschutz
(DIR) Kulturkampf
(DIR) Buchhandel
(DIR) Bremen
(DIR) Bremen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Bremens SPD gegen Wolfram Weimer: Eine späte Erkenntnis
Der Bremer SPD-Fraktionsvorsitzende Mustafa Güngör findet,
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sollte zurücktreten. Das kommt
reichlich spät.
(DIR) Ausschluss vom Buchhandlungspreis: Danke, Weimer!
Der Bremer Golden Shop wurde vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen. Zwei
Tage in einem Buchladen, der sich wehrt – und dafür viel Solidarität
erfährt.
(DIR) Gecancelte Buchhandlungen wehren sich: Weimers Buchladen-Boomerang
Die drei vom Kulturstaatsminister abgeräumten Buchhandlungen haben Anwälte
eingeschaltet. Sie klagen gegen ihren Ausschluss vom Buchhandelspreis.
(DIR) Buchläden von Buchpreis ausgeschlossen: Von Bremen geliebt, vom Kulturstaatsminister gecancelt
Der „Golden Shop“ in Bremen ist eine Institution. Den Buchhandlungspreis
bekommt er wegen Extremismusgefahr nicht. Das sorgt vor Ort für Irritation.
(DIR) Bremer V-Mann-Affäre: Der Rechtsstaat schlägt zurück
Wer gab Geheiminformationen des Verfassungsschutzes weiter? Und hat der
V-Mann-Einsatz gegen Recht verstoßen? Gericht und Staatsanwaltschaft
prüfen.