# taz.de -- Antisemitischer Messerangriff in Berlin: 13 Jahre Haft für Attacke am Holocaust-Mahnmal
> Weil er ihn für einen Juden hielt, brachte Wassim Al M. einen spanischen
> Touristen in Berlin fast um. Für die Tat muss er jetzt lange ins
> Gefängnis.
(IMG) Bild: Antisemitismus als Motiv: Wassim Al M. am Donnerstag im Berliner Kriminalgericht Moabit
Das Berliner Kammergericht hat den 20-jährigen Wassim Al M. wegen
versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt, weil er nahe dem Berliner
Holocaustmahnmal auf einen spanischen Touristen eingestochen hat. Das
Gericht sah Antisemitismus als Motiv für die Tat, die sich im Februar 2025
ereignet hatte. Al M. wurde außerdem wegen schwerer Körperverletzung und
versuchter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig
gesprochen. Er habe sich im Auftrag der islamistischen Terrororganisation
IS gewähnt. Das Opfer wurde bei dem Angriff schwer verletzt und überlebte
nur knapp.
Mit Spannung war insbesondere erwartet worden, ob das Gericht ein Urteil
auf Grundlage des Erwachsenen– oder des deutlich milderen Jugendstrafrechts
sprechen würde. Möglich gewesen wäre je nach geistiger Reife beides, weil
[1][der Angeklagte] zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alt war und damit als
Heranwachsender galt. Das Gericht entschied sich nun für das
Erwachsenenstrafrecht, blieb aber deutlich hinter der Forderung der
Staatsanwaltschaft zurück. Diese hatte lebenslange Haft gefordert. Die
Verteidigung hatte sich für sieben Jahre Haft nach Jugendstrafrecht
ausgesprochen.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Al M., der in Leipzig wohnte, am
21. Februar 2025 mit dem festen Plan nach Berlin gekommen sei, Juden zu
töten. Für einen solchen habe er den spanischen Touristen Iker M. gehalten,
der sich mit Freund*innen das Mahnmal angeschaut habe. Im Stelenfeld
schlich sich Al M. von hinten an sein Opfer an und schnitt ihm die Kehle
auf. Er verletzte das Opfer noch einmal an der Hand, als dieses sich vor
weiteren Stichen zu schützen suchte. Al M. rief noch „Allahu akbar“, auf
Deutsch: „Gott ist groß“, und floh anschließend.
Das Opfer Iker M. schleppte sich schwer verletzt aus dem Areal des
Mahnmals, wo Passant*innen erste Hilfe leisteten und Wachmänner der
nahegelegenen amerikanischen Botschaft die Rettungskräfte riefen. Er wurde
in ein künstliches Koma versetzt und operiert. Bei [2][einer Aussage
während des Gerichtsprozesses] berichtete Iker M. von einer
posttraumatischen Belastungsstörung, Albträumen, großen Narben und davon,
bis heute nicht arbeiten zu können. „Man muss es als Wunder bezeichnen,
dass er den Schnitt überlebt hat“, sagte die Vorsitzende Richterin bei der
Urteilsverkündung am Donnerstag.
## 2023 aus Syrien nach Deutschland gekommen
Dem Täter Al M. gelang es nach der Tat zunächst, sich der Polizei zu
entziehen. Blutverschmiert stellte er sich nach mehreren Stunden Beamten in
der Nähe des Mahnmals. In seinem Rucksack fanden die Behörden unter anderem
die Tatwaffe, ein rund 20 Zentimeter langes Messer. Seitdem saß Al M. in
Untersuchungshaft.
Al M. war 2023 als Asylbewerber aus Syrien nach Deutschland gekommen, das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sprach ihm einen befristeten
Schutztitel zu. Kurz vor seiner Tat hatte Al M. versucht, Kontakt mit
Mitgliedern der Terrororganisation IS aufzunehmen und ein Video verschickt,
in dem er sich als Kämpfer andiente. Im Gerichtssaal hatte Al M. sich nicht
geäußert. Sein Anwalt hatte zwischenzeitlich nur mitgeteilt, sein Mandant
bedauere „was geschehen sei“.
Die Tat hatte im Februar eher wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhalten,
wohl auch weil zwei Tage später die Bundestagswahl stattfand. Sie reihte
sich ein in eine Kette von Gewalttaten mit Geflüchteten als Tätern oder
Tatverdächtigen.
5 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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