# taz.de -- Wirtschaft in Iran: Profit vor Prophet
> Revolutionsgarden und religiöse Stiftungen dominieren die Wirtschaft
> Irans. Ihre Netzwerke bleiben auch im Krieg stabil.
(IMG) Bild: Ex-Präsident Rohani 2017 bei der Eröffnung eines Hafens, den Khatam al-Anbia gebaut hat. Der Konzern gehört den Revoultionsgarden
Wer vor einigen Jahren Irans reichsten Privatmann besuchte, sah Ali Akbar
Rafsandschani mit einem Loch im Socken im Wohnzimmer seines Bruders.
Rafsandschani war Irans Präsident in den Jahren des Wiederaufbaus nach dem
verheerenden Krieg mit dem Nachbarn Irak. Später wurde er mit riesigen
Pistazienplantagen und seiner privaten Fluggesellschaft Mahan Air reich.
Doch noch vor seinem Tod 2017 sollen die Revolutionsgarden sich der Mahan
Air bemächtigt haben. Die Fluglinie wurde 2024 wegen der Lieferungen
iranischer Waffen nach Russland unter EU-Sanktionen gestellt.
Die Revolutionsgarden sind ein [1][Machtfaktor in Iran.] Sie sind nicht nur
eine Parallelarmee mit mindestens 190.000 Bewaffneten und den
Al-Qods-Auslandseinheiten. Auch mindestens ein Viertel des iranischen
Finanzsektors und ein Drittel der persischen Industrie stehen unter ihrer
Kontrolle.
Wer auf dem nach dem islamischen Revolutionsführer Imam Ruhollah Chomeini
benannten Flughafen Teherans landet, ist gleich in den Fängen der
Revolutionsgarden. Noch [2][1979 nach dem Sieg der Kleriker] über den
geflohenen Schah wurde diese persische Prätorianergarde zum Schutz der
Islamischen Republik direkt dem Revolutions- und Religionsführer als
Parallelarmee unterstellt.
„Siegel des Propheten“ (Khatam al-Anbia) heißt der größte Mischkonzern des
Landes, der alle bedeutenden Infrastrukturprojekte in Beton gießt,
Ölbohrungen in den Persischen Golf drillt, Raffinerien betreibt oder Tunnel
bohrt. Erst wurde die Baufirma von den Revolutionsgarden übernommen, für
die sie Kasernen baute. Dann erweiterte das Unternehmen seinen Einfluss auf
Irans wichtigste Wirtschaftszweige aus: [3][Öl, Gas, Petrochemie].
## Privatschatulle Chameneis
Iran war bis zur Machtübernahme der Kleriker offiziell eine
Privatwirtschaft, aber vielerorts vom Schah durch Holdings und Stiftungen
beherrscht. Das nach der Islamischen Revolution eingeführte System der
„Herrschaft der islamischen Gelehrten“ (Velayat-e Faqih) sah die Übernahme
des Vermögens der Pahlavi-Familie durch die vom Revolutionsführer geleitete
„Stiftung der Unterdrückten und Behinderten“ (Bonyad-e Mostazafan) vor.
Nach dem Tod Chomeinis 1989 und der Machtübernahme durch Ali Chamenei
bekamen vor allem religiöse Stiftungen, sogenannte Bonyads, immer mehr
Kontrolle. Nach und nach wurden sie aber „privatisiert“, vor allem die
Stiftung „Hauptquartier für die Ausführung der Anordnungen des Imams“
(Setad Ejraiye Farmane Hazrate Emam). Reich geworden durch
Immobiliengeschäfte, wurden die Erlöse in immer mehr Bereiche investiert.
Die Stiftung wurde mit einem Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar
zur Privatschatulle Chameneis, der kürzlich durch einen
israelisch-amerikanischen Militärschlag getötet wurde. Sie investiert in
fast allen Sektoren der iranischen Industrie: im Finanzsektor, bei
Ölkonzernen, Telekommunikation, Pharma, Landwirtschaft und natürlich der
Immobilienwirtschaft. Im Korruptionsindex von Transparency International
liegt Iran auf Platz 153 von 181 Ländern.
## Kampf um Einfluss
Vor weniger als einem Jahr wurde ein wesentlicher Anteil des wichtigsten
Chemiekonzerns, der Persian Gulf Petrochemical Industries, an die Stiftung
„Hüterin des goldenen Schreins von Maschad“ (Astan-e Qods-e Razavi)
verkauft. Einer der wenigen Fälle, bei dem die Revolutionsgarden nicht zum
Zuge kamen. Denn schon lange vor dem Angriff der USA und Israels auf
iranische Einrichtungen, tobte ein brutaler Kampf um Macht und Einfluss auf
die iranische Wirtschaft – Profit vor Prophet.
Es bestehe kein Zweifel, dass die Revolutionsgarden und religiösen
Stiftungen „seit Ende der 2000er Jahre die dominierenden Wirtschaftsakteure
in Iran sind“, sagt Kayhan Valadbaygi, iranischer Politikwissenschaftler
und Experte für die politische Ökonomie Irans und des Nahen Ostens. Im
Machtkampf zwischen den Revolutionsgarden und den religiösen Stiftungen um
die Vorherrschaft sollen die Garden wegen ihres Schmuggels und der
Sanktionsumgehung zuletzt die Nase vorn gehabt haben. Zusammen sollen beide
Gruppen 80 Prozent des iranischen Bruttoinlandsprodukts beherrschen.
Die Militärschläge Israels und der USA bringen auch Irans Wirtschaftsgefüge
durcheinander. Der niederländische Thinktank Clingendael Institute kommt
zum Schluss, dass „die Rivalität zwischen verschiedenen Elitefraktionen und
die Notwendigkeit, die eigene wirtschaftliche Basis zu schützen,
beeinflusst, wie und wo Iran zurückschlägt“.
Vanda Felbab-Brown von der US-Denkfabrik Brookings kommt zu folgender
Einschätzung: „Selbst wenn die USA und Israel weiterhin
Führungspersönlichkeiten ausschalten, werden die Revolutionsgarden und ihre
wirtschaftlichen Netzwerke nicht einfach verschwinden.“ Ihre tief
verwurzelte Kontrolle über die iranische Wirtschaft und die
Sicherheitsapparate sorgten dafür, dass sie auch in Krisenzeiten
handlungsfähig blieben, „und ihre Reaktionen sind immer auch ein Signal an
interne Konkurrenten“.
4 Mar 2026
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