# taz.de -- Irans neuer Oberster Führer: Chamenei ist tot, lang lebe Chamenei
       
       > Wer ist Mojtaba Chamenei, der neue starke Mann Irans? Der Sohn des
       > getöteten Ali Chamenei zieht schon seit Langem die Fäden im Hintergrund.
       
 (IMG) Bild: Pro-Regime-Kundgebung in Teheran am 9. März mit Bildern von Mojtaba Chamenei
       
       „Bataillon Habib“ erklärt alles. Um zu wissen, wer Irans neuer Mojtaba
       Chamenei ist, wie er denkt und was man von ihm zu erwarten hat, muss man
       sich mit dieser Gruppe der Revolutionsgarden beschäftigen.
       
       Bei der Revolution 1979 ist Mojtaba 9 Jahre alt. Sieben Jahre später ist
       sein Vater [1][Ali Chamenei] bereits Staatspräsident, Revolutionsführer
       Chomeini kämpft gegen seine Krebskrankheit und an der Grenze tobt der Krieg
       mit dem Irak.
       
       Der Vater vertraut seinem Lieblingssohn einer Gruppe der Revolutionsgarden
       an, die hauptsächlich aus Teheran stammen. Mojtaba verbringt einige Monate
       an der Front, lernt einige Gleichaltrige kenne, junge Linksislamisten, die
       vom Revolutionsexport träumen.
       
       Kurz nach dem Kriegsende stirbt Chomeini, Ali Chamenei wird unerwartet der
       mächtigste Mann Irans. Das ist die Stunde des „Bataillons Habib“. Diese
       kleine Gruppe der Wüstenkämpfer, die Mojtabas Mentoren waren, bekommen im
       „Haus des Führers“ wichtige Posten. Es ist kein Staat im Staat, es ist ein
       Staat über dem Staat, über den Institutionen.
       
       ## Der Sohn kontrolliert den Zugang zum Vater
       
       Der Zugang zum Führer wird zu einem wichtigen Machtinstrument: Wer Ali
       Chamenei wann und in welcher Angelegenheit trifft, ist ein gemachter Mann.
       Mojtaba steuert den Zugang zum Vater, koordiniert im Hintergrund fast alles
       und alle.
       
       So entsteht ein Schattennetzwerk von einem Dutzend Mullahs und Militärs,
       die im Geheimdienstmilieu, bei den Revolutionsgarden und den Paramilitärs
       das Sagen bekommen. Mojtaba steht im Mittelpunkt dieses Zirkels, der sich
       ausschließlich mit innerer Sicherheit und die Stärkung der regionalen
       „Achse des Widerstandes“ beschäftigt.
       
       37 Jahre lang wird dieses Netzwerk praktisch die Innen- und Außenpolitik
       Irans bestimmen, bis zum heutigen Krieg, einschließlich der Zukunft.
       
       ## „Er ist selbst der Herr“
       
       In all diesen Jahren ist Mojtaba nie aus dem Schatten getreten. Im August
       2005 erfährt die Öffentlichkeit zum ersten Mal, wie mächtig Mojtaba ist.
       Gerade ist eine Präsidentenwahl zu Ende gegangen, der Nobody Mahmud
       Ahmadinedschad wird als Sieger präsentiert. Für alle Beobachter steht fest,
       dass das nur durch einen massiven Wahlbetrug möglich war, zumal der Nobody
       veritable Konkurrenten hatte.
       
       Einer von ihnen war Mehdi Karrubi, der langjährige Parlamentspräsident und
       einer der engsten Vertrauten Chomeinis. „Man hat mir glaubwürdig berichtet,
       wie Ihr Herrensohn Mojtaba die Wahlurnen manipulierte“, schreibt Karrubi in
       einem offenen Brief an Ali Chamenei. Als Antwort bekommt er nun den kurzen
       Satz.: „Er ist selbst der Herr.“
       
       Vier Jahre später, als Ahmadinedschad für eine zweite Amtszeit kandidiert,
       tritt neben Karrubi auch Mir Hossein Mussawi an. Wieder kommt es zu einer
       massiven Wahlfälschung und zu landesweiten Protesten, die sogenannte „Grüne
       Bewegung“ erschüttert das System. Diesmal rufen die Demonstranten laut und
       für alle vernehmbar. „Mojtaba, stirb, du wirst die Führung nie sehen.“
       
       ## „Ich beende meinen Unterricht“
       
       Er ist kaum in der Öffentlichkeit aufgetreten, hat nie eine Ansprache
       gehalten. Vor drei Jahren tauchte von ihm eine kurze Audiodatei auf, in der
       er nur einen einzigen Satz ausspricht: „Ich beende einstweilen meinen
       Unterricht, das ist meine eigene Entscheidung.“ Mehr nicht. Selbst dieser
       Satz macht klar: Mojtaba wird seinen Vater nie völlig ersetzen können,
       einen sehr gewandten Prediger, der sich für einen Sprachmeister hielt.
       
       Unmittelbar nach dem [2][Tod Ali Chameneis am ersten Kriegstag] kam die
       Frage auf, ob Mojtaba ebenfalls bei den Angriffen getötet worden sei. Es
       dauerte vier Tage, bis die Medien berichteten, er sei am Leben. Zwei Tage
       später sagte der Abgeordnete Hamid Resaie, der dem „Bataillon Habib“
       nahesteht, der Nachrichtenagentur Tasnim: „Gottes Weg ist klar. Chamenei
       ist wieder jung.“ Da war es klar: Es wird auf Mojtaba hinauslaufen.
       
       9 Mar 2026
       
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