# taz.de -- Kurden in Iran gegen das Regime: Der Bündnisfall
> Ein Bündnis der wichtigsten kurdischen Parteien in Iran organisiert den
> Widerstand in der Opposition. Bekommen sie Waffen von den USA?
(IMG) Bild: Kampfbereit: iranisch-kurdische Kämpfer*innen bei einer Übung nahe Erbil, Irak, am 12. Februar
Organisieren sich kurdische Oppositionskräfte in Iran für einen Aufstand
gegen das Regime? Das berichteten am Mittwoch amerikanische Medien, allen
voran der Sender CNN, unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstkreise.
Demnach arbeite der US-Auslandsgeheimdienst CIA an der Bewaffnung
kurdischer Kräfte, um einen solchen Volksaufstand zu initiieren. Ob
tatsächlich bereits US-Waffen angekommen sind, ist allerdings unklar. Die
kurdischen Milizen sind zwar bereits rudimentär bewaffnet, von neuer
Technologie von den USA ist laut Soldatinnen und Soldaten vor Ort aber noch
nichts zu sehen.
Nach Berichten des Journalisten und Fotografen Afshin Ismaeli sollen
derzeit kurdische Wehrpflichtige im iranischen Militär kollektiv ihre
Posten verlassen und fliehen. Berichten zufolge sollen in Marivan, einer
iranischen Stadt an der Grenze zum Irak, Bodentruppen der Iranischen
Revolutionsgarden eingerückt sein und die Bewohner aufgefordert haben, die
Stadt zu verlassen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie dort Position
beziehen in Vorbereitung auf einen möglichen Bodenkonflikt.
Unter den Kurdinnen und Kurden herrscht derweil vorsichtige Hoffnung. Das
Wall Street Journal berichtet, dass der US-Präsident Donald Trump mit
Masoud Barzani und Bafel Talabani gesprochen habe. Beide sind
einflussreiche Politiker der Autonomen Region Kurdistan in Irak.
## Eine Allianz aus fünf Parteien
Zudem melden mehrere Quellen ein Gespräch Trumps mit Mustafa Hijri. Hijri
ist der Leiter der neuen Allianz der Kurden im Iran. Erst vor einer Woche
hatten sich im Westen des Irans fünf kurdische Parteien zu einer Allianz
zusammengeschlossen, um Grundlagen für demokratische Institutionen zu
schaffen und Verhandlungen mit einer zukünftigen Regierung vorzubereiten.
Das Bündnis fordert soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung der Geschlechter
und freie Wahlen. In ihrer Erklärung betont die Allianz, dass jede
Zusammenarbeit mit anderen Kräften auf der Anerkennung nationaler Rechte
und der Ablehnung jeglicher Diktatur basieren müsse. Ihr Ziel sei nicht die
unbedingte Abspaltung, sondern ein demokratischer, dezentraler Iran.
Wenn aber eine solche Zusammenarbeit mit einer zukünftigen iranischen
Regierung auf Augenhöhe nicht entsteht, wird wohl der Drang der Kurden nach
einer Unabhängigkeit von Rojhilat, den Kurdengebieten im Westen des Irans,
wachsen. Reza Pahlavi, Sohn des letzten, 1979 gestürzten Schahs, äußerte
sich in einer Videoansprache aus dem Exil deutlich ablehnend zu diesen
Autonomiebestrebungen der Kurden. Pahlavi beansprucht eine Führungsrolle
innerhalb der iranischen Oppositionsbewegung, die allerdings sehr
fragmentiert ist. Wie viel Rückhalt Pahlavi tatsächlich hat, ist nicht
klar.
## Der Widerstand organisiert sich
Noch sitzt das iranische Regime eh fest im Sattel, [1][trotz der Tötung des
Obersten Führers Ali Chamenei] bei einem US-Luftanschlag am Wochenende. Und
das Mullah-Regime versucht, seine Macht zu sichern. Dabei ist es auch
bereit, Oppositionelle zu töten – so, wie sie es seit Jahrzehnten getan
haben. Doch trotz aller Hinrichtungen und massiver Gewalt, speziell gegen
die kurdische Bevölkerung: Der Widerstand in der Opposition scheint sich zu
organisieren. Selbst [2][die Komala-Partei, eine der beiden großen
kurdischen Parteien im Iran,] hat sich am Mittwoch der neuen Allianz
angeschlossen. Damit ziehen erstmals alle relevanten kurdischen Parteien in
Iran an einem Strang. Dies ist ein historischer Schritt, und viele Kurden
hoffen nun auf eine demokratische Zukunft.
Die kurdischen Regionen in Iran sowie die Autonome Region Kurdistan im
Nachbarland Irak geraten derweil zunehmend ins Visier des iranischen
Regimes. Dieses Vorgehen ist nicht neu: Wenn das Regime in Bedrängnis ist,
geht es besonders hart gegen die Minderheiten im eigenen Land vor. Kurden
sind – auch außerhalb von Kriegszeiten – überproportional von politischer
Verfolgung und Inhaftierung betroffen. Auch die Zahl der Hinrichtungen ist
groß.
Bei Angriffen in der Autonomen Region Kurdistan greift das iranische Regime
nicht nur militärische Stellungen an. Auch die Öl- und Gasinfrastruktur
wird zum Ziel, oder sogar zivile Einrichtungen, insbesondere in Erbil.
Iranische Drohnen attackierten das Azadi-Camp in Erbil, wo Mitglieder der
kurdisch-iranischen Opposition der Kurdistan Democratic Party of Iran
(KDPI) sitzen. Auch pro-iranische, irakische Milizen beteiligen sich an den
Attacken, etwa auf Einrichtungen des US-Militärs sowie der lokalen
Streitkräfte Peschmerga.
## Verfolgung der Kurden hat eine lange Historie
Die Verfolgung der Kurden in Iran hat eine lange Historie: Schon während
der iranischen Monarchie waren kurdische Parteien verboten. Als aus ihr mit
der Revolution 1979 die Islamische Republik wurde, übernahm das Regime die
volle Kontrolle über die kurdischen Gebiete. Politische Aktivisten wurden
ins Exil geschickt. Die Möglichkeit, dass sie oder ihre Nachfahren nun
zurückzukehren, wäre historisch.
Iranische Staatsdiener warnen derweil die Kurden in Irak davor, dass
Kämpfer die Grenze zu Iran von der Region Kurdistan aus überqueren. Im
grenznahen Gebiet Koya befinden sich viele zivile und militärische Lager
der kurdischen Oppositionsparteien.
In Iran gibt es wiederum [3][umfassende israelische und US-amerikanische
Angriffe auf militärische Positionen der Islamischen Republik],
insbesondere im kurdisch geprägten Westen. In Ilam, Mahabad, Ravansar sowie
in weiteren Städten im Westiran wurden das Geheimdienst-Hauptquartier,
Polizeistationen und Stützpunkte der Islamischen Revolutionsgarden
vollständig zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Die Strategie könnte
sein, Fähigkeiten des iranischen Regimes zu schwächen und die Chancen für
einen Bodenaufstand zu erhöhen.
5 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Komalah
(DIR) [3] /Iran-Krieg/!6159505
## AUTOREN
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