# taz.de -- „Made in Europe“-Vorgaben: Zu halbherzig
> Sehr entschlossen wirkt die Entscheidung der EU-Kommission nicht gerade.
> Statt allgemeiner EU-Präferenz sind nach Branchen gestaffelte Quoten
> geplant.
(IMG) Bild: Industriepolitik im Sinne Europas durchzusetzen, ist fast unmöglich, denn die Deutschen stehen mal wieder auf der Bremse
Erst hat die EU-Kommission ihren Vorschlag immer wieder verschoben. Dann
wurde er nach und nach verwässert. Nun könnte er sogar das erklärte Ziel
verfehlen, Europas Aufholjagd in der Industriepolitik zu beschleunigen und
die wirtschaftliche Unabhängigkeit der EU zu fördern. Die Rede ist vom
„Industrial Accelerator Act“, den die EU-Kommission nach quälendem
deutsch-französischen Gezerre in Brüssel vorgestellt hat. Einer breiteren
Öffentlichkeit ist er unter der griffigen Formel [1][„][2][Buy European“
oder „Made in Europe“] bekannt geworden.
Die Grundidee ist ebenso simpel wie einleuchtend: Wenn EU-Staaten das Geld
der Steuerzahler für öffentliche Beschaffung in die Hand nehmen, dann soll
es in erster Linie europäischen Unternehmen und Produkten zugutekommen –
[3][und nicht amerikanischen] oder chinesischen. Frankreichs Staatschef
Emmanuel Macron hat für diese Idee bei einem EU-Sondergipfel im Februar
geworben.
Mehr als 1.100 europäische Konzernbosse und Firmenchefs haben einen
entsprechenden Aufruf des ebenfalls französischen [4][Industriekommissars
Stéphane Séjourné] unterschrieben. Doch was Séjourné nun in Brüssel
vorgestellt hat, hat wenig mit den ursprünglichen Plänen gemein. Aus „Buy
European“ ist „Maybe European“ geworden: Vielleicht sollten wir in Europa
einkaufen, vielleicht auch nicht. Das neue EU-Gesetz ist voller Vorbehalte
und Ausnahmen.
Statt eine allgemeine EU-Präferenz einzuführen, soll es nach Branchen
gestaffelte Quoten geben, um einen Mindestanteil europäischer Bauteile zu
sichern. [5][Gefördert werden der Bausektor, die Elektroautos und grüne
„Netto-Null“-Technologien], nicht aber Halbleiter und KI. Großbritannien,
Kanada und Japan dürfen mit großzügigen Ausnahmen rechnen, die USA
womöglich auch.
Séjourné hat offenbar Druck aus Washington bekommen, aber auch aus Berlin.
Friedrich Merz stand von vornherein auf der Bremse. Für ihn sind offene
Exportmärkte und „Made in Germany“ wichtiger als „Made in Europe“. Deshalb
heißt es jetzt nur noch „Maybe“ – vielleicht.
4 Mar 2026
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