# taz.de -- Polnischer Roman von Dorota Masłowska: Bitte ekeln Sie sich nicht
> In "Im Paradies" geht es um Existenzen, die sich entzweien, vereinen und
> auf sich selbst verweisen. Masłowska entfaltet in eine reigenartige
> Erzählung.
(IMG) Bild: Die Autorin entsendet ihre Figuren in eine surreal-sprachliche Vorhölle
Warum Olaf Kühl ausgerechnet den Zwischentitel „Im Paradies“ für die
deutsche Übersetzung der reigenartigen Erzählung [1][Dorota Masłowskas]
auswählte, wird wohl sein Geheimnis bleiben, erschien der in seiner
Erzählstruktur doch eher zerstückelte Roman 2024 in Polen unter dem Titel
„Magiczna rana“ – „Magische Wunde“.
Eine ungleich passendere Überschrift für diese surreal-sprachliche
Vorhölle, in die die Musikerin und das Enfant Terrible [2][der polnischen
Literaturszene] Masłowskas ihre Figuren entsendet.
Während jugendliche Stiefsöhne sich im Klo runterspülen, Mütter sterben,
Hotels einstürzen, Affären enden, Einkaufszentren und
Real-Estate-Investments sich auf ehemaligen KZ-Grundstücken in die Höhe
recken und minderjährige Cousinen gebumst werden, entsteht zwischen den
grausamen, genauen und weitgefächerten Worten der Autorin ein Sog, dem zu
entkommen ähnlich unausweichlich unmöglich ist, wie den eingerissenen
Fingernagel mit den Zähnen ganz abzuziehen, auch wenn Blut und sengender
Schmerz schon lange vorher antizipierbar sind.
Alles ist krass und alles ist abgestumpft, das ergibt schnell Sätze wie auf
einem miesen Drogentrip. Doller geht nicht, der Mensch erträgt nur ein
gewisses Maß an Eiter, Krieg und Sperma. Und so stolpert man über
Geschichten über gebückte Existenzen, die sich entzweien, vereinen und auf
sich selbst verweisen. Am Ende bleibt ein metallischer Geschmack im Mund
und ein leicht entzündetes Hirn, doch „bitte ekeln Sie sich nicht, das ist
eine magische Wunde. Sie wächst niemals zu, sie verheilt nicht. Das in ihr
gebrannte Leid erneuert sich in einem fort, […]“
20 Mar 2026
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