# taz.de -- Buch über Musks Mind Control-Fetisch: Elon Musk will unsere Souveränitat
       
       > Im Sachbuch „Muskismus“ warnen Quinn Slobodian und Ben Tarnoff vor Elon
       > Musks Bestreben, unser aller Bewusstsein zu kontrollieren. Es kommt zur
       > richtigen Zeit.
       
 (IMG) Bild: Arbeit seit vielen Jahren an seinem Werk der Kontrolle: Elon Musk als Büste vor der Raketenbasis Boca Chica, Texas
       
       So wie der „Fordismus“ das zwanzigste Jahrhundert bestimmte, könnte der
       „Muskismus“ über das einundzwanzigste herrschen. Das ist die beunruhigende
       These des neuen Buches von Quinn Slobodian und Ben Tarnoff. Darin
       analysieren sie eine Ära des Kapitalismus, in der auch der letzte
       Gegenspieler des freien Marktes endlich privatisiert ist: die staatliche
       Souveränität.
       
       Ein „Ratgeber für die Ratlosen“ will das Buch sein – und wie jeder gute
       Ratgeber zeigt es, dass wir die Antwort auf unsere Fragen bei uns selbst
       suchen müssen. Gegen die allgemeine Entrüstung bestehen Slobodian und
       Tarnoff darauf, dass der „Muskismus“ aus genau der bürgerlichen Welt
       entstanden ist, die sich jetzt über ihn empört. So wird die technokratische
       Utopie, in der sich politische Probleme in wissenschaftliche auflösen,
       vielen Leserinnen genauso vertraut sein wie die allgemeine Zuversicht in
       den freien Markt.
       
       Im ersten Teil schildern die Autoren Musks Aufstieg aus den Weißenvierteln
       des südafrikanischen Apartheitsregimes über die Anfänge des Internets und
       die Massenproduktion von Satelliten bis hin zum Tesla-Konzern. Mitunter
       scheint es, als hätten sich diese großen Veränderungen der letzten
       Jahrzehnte nur durch technischen Fortschritt und Unternehmerkraft
       durchgesetzt. Gegen diese Erzählung führen die Autoren immer wieder an, wie
       das Silicon Valley und insbesondere Musks eigene Unternehmungen vom Staat
       ermöglicht und gelenkt wurden. Es waren eben keine privaten Entrepreneure,
       die den „Muskismus“ vorantrieben, sondern genau die demokratisch
       legitimierten Institutionen, die er jetzt untergräbt. Im ersten Teil des
       Buches wird die zunehmende Privatisierung als eine Geschichte der
       Selbstabschaffung des Staates erzählt.
       
       Der zweite Teil ist dem Cyborg gewidmet. Seit seiner Kindheit träume Musk
       von der Verschmelzung des Menschen mit der Maschine. Daraus erklären die
       Autoren auch den Rechtsruck und die Transfeindlichkeit des Milliardärs:
       Musk ängstige, dass durch Hormone und Operationen die Grenzen zwischen dem
       „Natürlichen“ und dem „Artifiziellen“ auf eine Weise eingerissen werden,
       die Herrschaft untergräbt. Er fürchtet sich – so die originelle These – vor
       seinem eigenen Traum.
       
       ## „Neuralink“ soll politische Gesinnung ablesen können
       
       Damit dieser sich nicht in einen Albtraum verwandelt, arbeitet Musk seit
       einigen Jahren an neuen Formen der Kontrolle. 2016 gründete er „Neuralink“,
       das an Gehirnimplantaten forscht, die es ermöglichen könnten, politische
       Gesinnung oder sexuelle Vorlieben von unseren Neuronen abzulesen.
       
       Dabei geht Musk davon aus, dass unser „mind“ – das man wohl besser mit dem
       hegelianischen Geist als mit Bewusstsein übersetzt hätte – bereits
       vollständig vernetzt ist. Es bräuchte gar keine Gehirnimplantate. Das
       Internet und [1][die sozialen Medien] formten längst nicht nur unsere
       Meinungen, sondern unsere gesamte Erfahrung: was wir lieben, woran wir
       glauben, worüber wir lachen.
       
       Musks größte Furcht sei, dass das so entstandene Netzwerk sich „infizieren“
       könnte. Daher setzt er alles daran, den „woke mind virus“ auszumerzen.
       Dabei ginge es ihm nicht um die vielbeschworene individuelle Freiheit,
       sondern um eine [2][Hegemonie im Geist]. So drohen wir im „Muskismus“ nach
       der Souveränität des Staates zuletzt noch die Souveränität über uns selbst
       zu verlieren. Wer das Buch zuschlägt, muss sich fragen, ob wir sie kampflos
       aufgeben wollen.
       
       15 Mar 2026
       
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