# taz.de -- Polizeipräsidentin bei Israel-Verein: From the river to the sea – mit dem Segen der Polizei
> Berlins Polizeipräsidentin sprach als Ehrengast bei einem christlichen
> Verein. Der spricht Palästina das Existenzrecht ab und fördert
> Siedlungsbau.
(IMG) Bild: Auch mal bei christlichen Fundis Haltung zeigen: Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel (Archivbild)
Wer auf Berlins Straßen auch nur ein Versatzstück der propalästinensischen
Parole „From the River to the Sea, Palestine will be free“ ruft, muss
[1][mit Festnahme, Anzeige und Strafverfahren rechnen]. Wenn aber ein
stramm christlicher Verein mit umgekehrter Stoßrichtung verlautbart, dass
„Gott in der Bibel das Land Kanaan ‚vom Fluss bis zum Meer‘ exklusiv und
unabänderlich dem jüdischen Volk zuspricht“, ist das für die Berliner
Polizei offenbar kein Problem.
Im Gegenteil: Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel hat sogar
als Ehrengast am „Israeltag Berlin-Brandenburg 2026“ des Vereins „Christen
an der Seite Israels“ teilgenommen – ebenjener Organisation, die das
Existenzrecht von Palästinenser*innen in Israel und Palästina
[2][infrage stellt].
Wie der Verein [3][in den sozialen Netzwerken schreibt], kamen bei der
Veranstaltung am 21. Februar in der evangelisch-methodistischen Kreuzkirche
im Berliner Ortsteil Lankwitz „über 400 Israelfreunde und -interessierte
aus verschiedensten Gemeinden und Hintergründen“ zusammen, „um ihren Gott
zu feiern und ihrer Verbundenheit mit dem jüdischen Volk Ausdruck zu
verleihen“. Dabei habe man „inbrünstig gesungen und hoffnungsvoll gebetet –
insbesondere für unsere Berliner Polizei“.
Auf dem Programm standen demnach „bewegende Berichte mutiger Leiter aus der
Hauptstadt“ – etwa von Barbara Slowik Meisel, die „als Polizeipräsidentin
Berlins aus dem polizeilichen Alltag seit dem 7. Oktober 2023“ berichtet
habe. Neben Slowik Meisel waren die Aktivistin Karoline Preisler sowie der
Bild-Reporter Iman Sefati zu Gast. Abgerundet wurde das Event dann noch mit
„tiefgehenden biblischen Impulsen zu Gottes Plänen mit Israel“.
„Christen an der Seite Israels“ hat sich 1998 gegründet. Der Verein mit
Sitz in Herrenberg in Baden-Württemberg organisiert [4][Gruppenreisen aus
Deutschland nach Israel], veranstaltet eine „Israel-Akademie“, betreibt
eine eigene Jugendorganisation und sammelt Spenden. Die Gelder gehen etwa
an eine israelische Anti-Abtreibungs-Organisation, an Jüd*innen, die nach
Israel auswandern wollen („Die Bibel prophezeit ihre Rückkehr nach Israel
[…] Jetzt ist die Zeit für uns Christen, mitzuhelfen das jüdische Volk nach
Hause zu bringen!“) und an das Projekt „Israel im Krieg“.
Besonders brisant: Wie [5][Recherchen des Zenith-Magazins] zeigen,
unterstützte „Christen an der Seite Israels“ in der Vergangenheit auch das
Spendenprojekt „Judäa und Samaria“ der Organisation „Christian Friends of
Israeli Communities Heartland“ (Christliche Freunde der israelischen
Gemeinden im Kernland).
## Initiative fördert illegalen Siedlungsbau
Die Initiative fördert Aktivitäten in [6][illegalen israelischen
Siedlungen] im völkerrechtswidrig besetzten Westjordanland, darunter den
Bau von Spielplätzen und Bibliotheken sowie die Errichtung einer
Wasserversorgung. Die Zuwendungen werden zudem für „Sicherheitsausrüstung“
eingesetzt, angeblich etwa Zäune und Überwachungskameras. Das sei nötig,
[7][behauptet die Organisation], weil es der israelischen Armee oft an
Ressourcen mangele, um den vollständigen „Schutz“ jeder Gemeinde zu
gewährleisten.
Es waren mutmaßlich diese Verstrickungen, die im vergangenen Jahr den
Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, [8][Felix Klein], dazu
veranlassten, die Schirmherrschaft für eine Veranstaltung von „Christen an
der Seite Israels“ wieder abzusagen. Für Berlins Polizeipräsidentin Barbara
Slowik Meisel stellen die Ansichten und Aktivitäten der Organisation aber
kein Problem dar?
Auf taz-Nachfrage erklärte ein Polizeisprecher dazu, die Polizei Berlin sei
zur politischen Neutralität verpflichtet. „Maßgeblich für die Teilnahme an
Veranstaltungen oder einer Zusammenarbeit ist, dass diese im Rahmen der
geltenden Rechtsordnung stattfinden.“ Slowik Meisel sei vom Verein
offiziell als Behördenleiterin zu einer Podiumsdiskussion eingeladen
worden. „Die Bezeichnung Ehrengast wurde in diesem Zusammenhang als
Ausdruck der Höflichkeit und Wertschätzung des Einladenden verstanden.“
Der Vortrag und die anschließende Podiumsdiskussion hätten dem Zweck
gedient, die polizeiliche Arbeit vor dem Hintergrund des Nahostkonfliktes
zu erläutern und zu diskutieren, so der Sprecher weiter. „Die politischen
Positionen des Veranstalters wurden durch die Polizeipräsidentin nicht
kommentiert oder bewertet.“
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es,
die Polizeipräsidentin sei auf der Veranstaltung in Uniform erschienen.
Tatsächlich war sie nach Angaben der Veranstalter in Zivilkleidung
anwesend. Wir haben die entsprechende Passage präzisiert.
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Parole-From-the-River-to-the-Sea/!6102016
(DIR) [2] https://csi-aktuell.de/artikel/fragen-zur-zweistaatenloesung/
(DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DVJmHuADZrw/?img_index=6
(DIR) [4] /Lobbyorganisation-Elnet/!6130001
(DIR) [5] https://magazin.zenith.me/de/politik/der-antisemitismusbeauftragte-der-bundesregierung-und-der-israel-summit-2025
(DIR) [6] /Siedlungsbau-im-Westjordanland/!6043087
(DIR) [7] https://cfoic.com/emergency-and-security/
(DIR) [8] /Felix-Klein/!t5682760
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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