# taz.de -- Rückreise für gestrandete Urlauber: Mit dem richtigen Veranstalter sind Sie nie am falschen Ort
       
       > 30.000 Touristen sitzen in der Golfregion fest. Denn Veranstalter und
       > Länder haben – Business as usual – nicht rechtzeitig die Signale
       > gedeutet.
       
 (IMG) Bild: Das stand so nicht im Reiseprospekt: Im Himmel über Dubai fliegt am 1. März 2026 eine iranische Rakete
       
       Terror, Tsunami, Hurrikans und Bürgerkriege muss die krisenerprobte
       Tourismusbranche immer wieder meistern. Und immer wieder hat sich gezeigt:
       Das Gedächtnis der Reisenden ist so kurz wie der mediale Aufschrei. Auch
       [1][die 30.000 gestrandeten Urlauber in der Golfregion] werden eine bald
       vergessene Ausnahmesituation im touristischen Big Business sein.
       
       Ohnehin sind die Urlauber, die bei einem Veranstalter gebucht haben, auf
       der „sicheren Seite“. Für sie ist gesorgt, sie haben Unterkunft,
       Ansprechpartner vor Ort und die Aussicht, dass die anfallenden Kosten zum
       Teil vom Veranstalter oder – wie aktuell im Fall Dubai – von der Regierung
       übernommen werden. Auch wenn sie ungewollt feststecken, was auch das
       luxuriöse Hotelzimmer zum Teilzeitknast verkommen lässt, können sie sicher
       sein, der Reiseveranstalter muss sich um sie und ihre Rückreise kümmern.
       
       Anders sieht das für die vielen Individualreisenden aus, die nun
       möglicherweise im Drehkreuz Dubai gestrandet sind. Sie werden mit den
       Airlines um Kompensationen für die finanziellen Verluste durch
       Übernachtungen und andere Kosten vor Ort kämpfen müssen. Wenn es überhaupt
       eine Kompensation nach dem Reiserecht gibt. Denn bei außergewöhnlichen,
       nicht verschuldeten Umständen wie Krieg gibt es keine festen rechtlichen
       Regeln.
       
       Unterstützend greift nun die Bundesregierung ein: Sie bereitet die
       Entsendung von Flugzeugen in den Nahen Osten vor, um von dort Touristen
       nach Hause zu holen. „Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen“,
       sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul in Berlin. Die Maschinen sollen
       nach Muskat im Oman und in die saudi-arabische Hauptstadt Riad geschickt
       werden. Dort seien die Lufträume noch geöffnet. Krisenunterstützungsteams
       des Auswärtigen Amtes wurden nach Muskat, Doha und Dubai geschickt.
       
       Die Politik springt ein, wo Business as usal von Veranstaltern und Ländern
       nicht rechtzeitig die Signale gedeutet haben. Ja, eine konkrete
       Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wurde erst am 28. Februar ausgesprochen.
       Doch die vorherigen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für die
       Golfregion wurde nicht weiter ernst genommen.
       
       [2][Seit Dienstag findet nun die Internationale Tourismusbörse in Berlin
       (ITB) statt]. Nur Israel hat wegen der aktuellen geopolitischen Spannungen
       im Nahen Osten, insbesondere dem Konflikt zwischen Israel, den USA und Iran
       seine Teilnahme abgesagt. Offensichtlich wusste man dort mehr. Die
       Golfstaaten jedenfalls sind, mit Ausnahme von Iran selbst, in ihrer ganzen
       Pracht auf der ITB vertreten, auch wenn einige ihrer Vertreter wegen
       geschlossenem Luftraum nicht anreisen konnten. Emirates, Oman Air sowie
       Delegationen aus Dubai, Abu Dhabi und Bahrain präsentieren sich mit
       Werbetafeln und laufende Videos von Traumstränden und Luxusressorts.
       Menschen entspannen, lachen, genießen ihren Urlaub.
       
       Krieg schadet dem Geschäft, Reisewarnungen auch. Wenn das Auswärtige Amt
       für ein ganzes Land eine Reisewarnung herausgibt, ist das für die
       juristische Beurteilung beim Reiserücktritt ein wichtiges Indiz. In der
       Regel stornieren die Veranstalter Reisen bei einer Reisewarnung von sich
       aus. Was für Urlauber, die nun die Golfregion gebucht haben, entscheidend
       für die Rückerstattung ist. Reisewarnungen bedeuten für Veranstalter aber
       auch Rückzahlungspflichten, oft Umsatzausfälle in Millionenhöhe. Da sie
       zudem eine touristische Region stigmatisieren, zögert man in der Politik,
       Reisewarnungen auszusprechen.
       
       Thorsten Schäfer, der Sprecher des Deutschen Reiseverbands, geht im Rahmen
       der ITB nicht auf den Vorwurf ein, die Branche hätte viel früher auf die
       Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für die Golfregion reagieren
       müssen. Dagegen setzt er die Freiheit des Reisens. Und die Überlegenheit
       der Pauschalreise: Für die Urlauber sei auch in der Krise gesorgt mit
       Unterkunft, Betreuung und Rücktransport. Ganz nach dem Motto: Mit dem
       richtigen Veranstalter sind Sie nie am falschen Ort.
       
       3 Mar 2026
       
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