# taz.de -- Tourismusmesse ITB: Die drei Top-Klimakiller im Urlaub
> Die Reisebranche trifft sich zu ihrer jährlichen Messe in Berlin. Um ihre
> Klimawirkung kümmert sie sich dabei laut Experten nicht genug.
(IMG) Bild: Mit VR-Brille am Stand der Vereinigten Arabischen Emirate: Hat dieser ITB-Besucher die Klimabilanz seiner Branche fest im Blick?
Ohne eine Prise Nachhaltigkeit geht es nicht: Als „natürlichste Art zu
reisen“ bewirbt die [1][Internationale Tourismus-Börse Berlin] (ITB)
Abenteuer- und Sportreisen. Die jährliche Messe der Tourismusbranche in der
deutschen Hauptstadt hat am Dienstag begonnen. Auf einer Tour über das
Gelände konnten sich die Fachbesucher*innen etwa auch darüber
informieren, wie sich touristische Ziele weltweit auf die Folgen des
Klimawandels einstellen.
Ist die Reisebranche ökologisch auf der Höhe der Zeit? [2][Obwohl]
Nachhaltigkeit im dreitägigen Programm der Messe hier und da auftaucht,
sieht der Verkehrsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung das klimafreundliche Reisen auf der ITB nicht ausreichend
repräsentiert.
Knie findet: Deutschland müsse bei dem Thema Vorbild sein. Urlaub und
Reisen seien weiterhin sehr schädlich für das Klima. In der Bundesrepublik
sei der Verkehr immerhin für ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich,
etwa die Hälfte davon entfalle auf das Reisen.
Die Klimawirkung eines Urlaubs hänge wiederum stark von der Art der Reise
ab, erklärt Jakob Graichen, Energie- und Klimaforscher am Öko-Institut.
Klar: Ein Langstreckenflug mit Übernachtung in einem großen Hotel
verursacht mehr Treibhausgas als eine Fahrradtour mit Zeltnächten. Den
größten Unterschied mache, ob geflogen werde oder nicht, so Graichen.
„Urlaub ist höchst individuell, weshalb auch die Klimawirkung höchst
individuell ist.“
## Die größten Klimakiller beim Urlaub
„Fliegen ist mit ganz großem Abstand Klimakiller Nummer eins“, betont auch
Andreas Knie. Das Fliegen verursacht immense CO2-Emissionen durch die
Verbrennung des Flugkraftstoffs Kerosin und etwa auch die Kondensstreifen.
Trotzdem sei Deutschland derzeit wieder bei 85 Prozent des Flugverkehrs der
Vor-Corona-Zeit angelangt, erklärt der Verkehrsforscher. Geschäftsflüge
gingen zwar deutlich zurück – die Anzahl der Flüge im Tourismusbereich sei
jedoch um über 100 Prozent gestiegen. Hinzu komme, dass nur 10 Prozent der
Deutschen regelmäßig fliegen, sagt Knie weiter – die hohe Klimawirkung der
Flugreisen geht also auf das Konto eines kleinen, verhältnismäßig reichen
Teils der Bevölkerung.
Die Lösung: Flüge müssten zurückgeschraubt werden. „Jeder vermiedene Flug
ist gut für das Klima“, sagt auch Jakob Graichen.
Weit entfernte Reiseziele sind jedoch nur in Ausnahmen ohne Flugzeug
erreichbar, klimafreundliche Langstreckenreisen seien schwierig, sagt
Graichen. Das Umweltbundesamt rät daher, Reiseorte zu hinterfragen – auch
in Europa gebe es schöne Ziele, Bus und Bahn seien hier die
klimafreundlichere Alternative.
## Klimakiller Nummer zwei: Kreuzfahrtschiffe
Auf Platz zwei der klimaschädlichsten Reisemittel stehen Kreuzfahrtschiffe.
In der EU müssen Schiffe ab einer gewissen Größe ihre Emissionen an die
Behörden melden – seit 2024 neben CO2 auch Methan und Lachgas. Je nach
Reederei würden sich die Treibhausgasintensitäten jedoch erheblich
unterscheiden, erklärt Raija Koch, Verkehrsreferentin beim Naturschutzbund
Nabu. Für eine siebentägige Kreuzfahrt im Mittelmeer zum Beispiel lägen die
CO2-Emissionen pro Passagier*in und Kreuzfahrt zwischen 400 und 2.000
Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalenten, je nach Effizienz der Schiffe.
„Schon durch eine einzelne Reise mit einer Länge von einer Woche kann somit
das gesamte mögliche Jahresbudget an CO2-Emissionen für eine Person
überschritten werden“, betont Koch. Die Kreuzfahrt-Branche prognostiziert
sogar einen Anstieg an Passagier*innen. Laut dem [3][internationalen
Kreuzfahrtverband CLIA] waren es 2024 knapp 35 Millionen – 2028 werden rund
42 Millionen erwartet.
Koch betont, dass die Kreuzfahrtschiffe nicht nur das Klima, sondern auch
den Rest der Umwelt belasten. Viele Schiffe würden noch immer mit
schädlichem, aber kostengünstigem Schweröl fahren. Schwefeloxide,
Stickoxide und Feinstaub aus den Verbrennungsmotoren würden die Luft
verschmutzen und Gewässer versauern. Das gefährde auch die menschliche
Gesundheit – besonders bei Küstenbewohner*innen.
Ein weiterer Klimakiller im Tourismus: der Skiurlaub. Für WWF Deutschland
steht fest: „Wirklich umweltfreundliches Skifahren gibt es nicht.“ Der Bau
und Betrieb von Skigebieten schade Natur und Umwelt. Große Waldgebiete
müssten gerodet und planiert werden.
## Skitourist*innen leiden unter Klimakrise – und befeuern sie
„Für Skigebiete und die dazugehörige Infrastruktur sind gigantische Flächen
notwendig“, erklärt Martina von Münchhausen, Tourismus-Expertin beim WWF
Deutschland. Lebensräume der dort beheimateten Tiere würden zerstört. Die
Folge: Das Risiko für Lawinen, Erdrutsche und Überschwemmungen würde
steigen.
Bereits jetzt hat der Klimawandel zur Folge, dass nicht genügend Schnee für
die Pisten da ist. Skiurlauber*innen „leiden“ also selbst unter der
Krise, die sie befeuern, sagt von Münchhausen. In den vergangenen 100
Jahren ist die Durchschnittstemperatur in den Alpen laut WWF um 2 Grad
gestiegen. Deshalb müssten immer mehr Skipisten künstlich beschneit werden
– das frisst wiederum immer Wasser, Energie und Geld.
Hauptproblem aber sei die An- und Abreise der Skitourist*innen. Fast alle
würden mit dem Auto in die Skigebiete kommen, erklärt die
Tourismus-Expertin. Die Alpen würden geradezu von „Autolawinen“ überrollt.
Von etwa 50 Millionen Besucher*innen kämen nur 5 Prozent mit der Bahn.
## Irankrieg überschattet Tourismus
Luftfahrtunternehmen, Kreuzfahrtanbieter und Unternehmen aus dem
Skitourismus sind prominent auf der ITB vertreten. Die Messe wird
allerdings ohnehin auch von geopolitische Fragen überschattet, die etliche
ihrer Teilnehmer*innen betreffen: Vor dem Hintergrund des Angriffs der
USA und Israels auf Iran steht die ITB laut eigener Aussage in engem
Austausch mit ihren internationalen Partner*innen und Aussteller*innen.
Tourist*innen spüren derweil die Auswirkungen des Kriegsgeschehens.
Kreuzfahrtschiffe des deutschen Unternehmens TUI Cruises sitzen in den
Häfen der Region fest. Es gelte noch zu klären, ob und wann Rückflüge
möglich seien, heißt es auf deren Website. Rund 30.000 deutsche
Tourist*innen seien aktuell gestrandet, meldete der Deutsche
Reiseverband am Sonntag – entweder in der Golfregion oder an Orten, von wo
aus Flüge über dortige Flughäfen führen. Erfasst sind dabei nur die
Pauschalreisenden. Wie viele Personen betroffen sind, die individuell
gebucht haben, ist unbekannt.
Viele Flüge sind seit Samstag gecancelt worden. Am Dienstagmorgen ist das
erste Flugzeug der emiratischen Airline Emirates von Dubai nach Frankfurt
am Main gestartet. Die Vereinigten Arabischen Emirate bieten Sonderflüge
für die gestrandeten Passagier*innen an.
Eine Vorhersage darüber, welche Folgen der Krieg in den nächsten Monaten
auf den internationalen Tourismus haben werde, könne zum jetzigen Zeitpunkt
jedoch noch nicht getroffen werden, erklärte Albin Loidl, Präsident des
Deutschen Reiseverbands, im Vorfeld der Messe am Montag.
3 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /ITB/!t5018565
(DIR) [2] /ITB-Berlin-Wovon-reden-wir-wenn-wir-von-Tourismuskritik-sprechen/!6141304
(DIR) [3] https://cruising.org/resources/state-cruise-industry-report-2025
## AUTOREN
(DIR) Philipp Embach
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