# taz.de -- US-Eingriffe in Kuba: Das erdrosselte Land
> Kuba ist ein Paradebeispiel für die Strangulierung durch den mächtigen
> Nachbarn. Die Insel hat den USA zu oft und zu lange Paroli geboten.
(IMG) Bild: Wieder mal Stromausfall in Kuba: Um Essen zu kochen, muss diese Frau ein Feuer anzünden
Donroe-Doktrin hat das Boulevardblatt New York Post die außenpolitische
Agenda von US-Präsident Donald Trump treffend betitelt und damit den
Geschmack des selbstverliebten US-Präsidenten getroffen. Der sonnt sich
gern im Licht des fünften Präsidenten der USA, James Monroe, der am 2.
Dezember 1823 mit der Monroe-Doktrin die zukünftige Außenpolitik der USA
skizzierte: „Amerika den Amerikanern“. Die Europäer waren damals ein
zentraler Adressat. Sie sollten sich nicht weiter einmischen in
amerikanische Angelegenheiten, so die Message an die alte Welt von Seiten
der USA, die damals ihren Führungsanspruch in der Region klipp und klar
definierten. In der gesamten Hemisphäre und vor allem in ihrem Hinterhof –
Zentralamerika und die Karibik – sollte in der Logik der US-Außenpolitik ab
1823 nur eine Macht den Ton angeben: die USA.
Das gilt heute wieder, und drei Ereignisse belegen die Renaissance der
Doktrin unter veränderten Vorzeichen: die Einmischung in den Wahlkampf von
Honduras. Trump sprach Ende des vergangenen Jahres nicht nur eine
Wahlempfehlung für den [1][konservativen Kandidaten Nasry Asfura aus,
sondern billigte de facto auch die Wahlmanipulation], die es zugunsten von
Asfura gegeben hat. Folgerichtig ist Asfura ein Präsident von Trumps
Gnaden. Auch die völkerrechtswidrige Militäraktion in Venezuela zu Beginn
mit der Entführung des damaligen Staatspräsidenten Nicolás Maduro passt in
die Logik der Monroe-Doktrin. Ein seit Jahrzehnten ungeliebtes Regime wird
beseitigt und die Interimsregierung de facto unter die Kontrolle der USA
gestellt. Wie das geht? Durch die Kontrolle der Erdölexporte, deren Verkauf
über US-Konten abgewickelt wird. Folgerichtig haben die USA die Macht,
Venezuela zu untersagen, Kuba mit Erdöl wie in den vergangenen 20 Jahren zu
beliefern – Trump hat diese Macht genutzt. Die US-Politik werde, so Marco
Rubio, US-Außenminister und Sohn kubanischer Einwanderer, zur Not auch mit
Waffengewalt durchgesetzt.
Das passt in die Logik der Monroe-Doktrin, in der sich Kuba von Beginn an
im US-amerikanischen Visier befand. Der damalige US-Außenminister Quincy
Adams prägte den Satz vom reifen Apfel, der im Schoß der USA landen müsse.
Kuba stand bereits 1823 auf der Liste der Regionen, die zukünftig zu den
USA gehören sollten. Die Spanier als damalige Kolonialmacht würden die
strategisch so wichtige Insel früher oder später abtreten müssen. Bereits
1898, nach den Unabhängigkeitskriegen der Mambises gegen die Spanier, kamen
die USA nicht auf die Idee, die ausgezehrten Unabhängigkeitskämpfer zu
fragen, wie sie ihre eigene Zukunft gestalten wollten. In bester
imperialistischer Manier wurde Kuba übernommen, mit Guantánamo Bay ein
US-Militärstützpunkt installiert, der bis heute Symbolcharakter hat. Mit
dem Platt Amendment wurde ein Instrument geschaffen, um militärisch
intervenieren zu können, wenn es aus US-Perspektiven nicht lief. Das kam
öfter vor.
Kuba war kaum mehr als Protektorat unter US-amerikanischer Regie, und heute
drängt sich die Frage auf, ob Donald Trump und Marco Rubio eine ähnliche
Zukunft für die Insel vor der eigenen Haustür im Sinn haben. Die
[2][Strangulierungspolitik der USA], die den Regime Change im Visier haben
und dafür bereit sind, die Menschenrechte der kubanischen Bevölkerung zu
verletzen, lässt nur wenig Zweifel. Potenzielle Energielieferanten wie
Mexiko, Jamaika, Russland, vielleicht auch Brasilien oder Trinidad &
Tobago, werden offen oder diskret mit Zöllen unter Druck gesetzt. Mexikos
mutig und geschickt agierende Präsidentin Claudia Sheinbaum hat das
öffentlich gemacht, engagiert sich in diplomatischen Verhandlungen um
dringend benötigtes Erdöl, eventuell auch Diesel, Benzin und Kerosin –
[3][ohne das in Kuba bald nichts mehr geht.] Russland hingegen scheint die
US-Politik des „Teile und Herrsche“ zu scheuen. Offiziell heißt es, man
wolle helfen, inoffiziell scheint der Kreml eine weitere Verschlechterung
der ohnehin nicht guten Beziehungen mit Washington nicht riskieren zu
wollen.
## Im Sozialismus konnte Kuba immer auf Russland zählen
Das ist bitter für Havanna, das vor dem Mauerfall seit 1960 immer auf Hilfe
aus Moskau zählen konnte. Kein Wunder, denn schließlich war Kuba mehr als
zwanzig Jahre lange der Juniorpartner der Sowjetunion im Trikont.
Stellvertreterkriege in Äthiopien und Angola, militärische Expeditionen in
Kongo und Bolivien, medizinische Missionen rund um den Globus. Kuba war
über Dekaden ein politisches Symbol, eines das die
Unabhängigkeitsbewegungen rund um den Globus förderte und für ein anderes
Gesellschaftsmodell in der US-Hemisphäre eintrat. Die sich einst als
sozialistisch definierende Insel auf der einen Seite der Straße von Florida
war seit der kubanischen Revolution und dem Rauswurf des US-Kapitals
1959/60 ein Stachel im US-amerikanischen Selbstverständnis.
Kuba war der Beweis, dass es möglich war, der Monroe-Doktrin und dem
Führungsanspruch in der amerikanischen Hemisphäre zu widerstehen, und ein
anderes, wenn auch komplett gescheitertes Gesellschaftsmodell zu
etablieren. Das hatte mehrere Dekaden Symbolkraft und genau deshalb muss
dieses Symbol in der Logik von Trump und Rubio getilgt werden. Für Rubio,
der in der exilkubanischen Gemeinde gut vernetzt ist und als Vater der
Verschärfung der US-Sanktionen in den vergangenen Jahren gilt, ist die
kubanische Revolution ein „Unfall der Geschichte“.
Den will Rubio gemeinsam mit Trump korrigieren, und dabei setzen die beiden
auf eine Strategie der Strangulierung – und die verletzt die Grundrechte
von mehr als acht Millionen Kubaner:innen auf der Insel. Der Zugang zu
medizinischer Versorgung ist kaum mehr gewährleistet, die
Lebensmittelversorgung prekär, Hunger weit verbreitet. Absehbar ist, dass
sich all dies rasch verschärfen wird. Vom „Deal“ mit den kubanischen
Verantwortlichen, von einer Verhandlungslösung ist seit Tagen keine Rede
mehr. Auch fragt kaum jemand, was die kubanische Zivilgesellschaft will.
Aber die ist seit der Definition der Monroe-Doktrin sowieso noch nie
gefragt worden. Auch das hat Kontinuität.
1 Mar 2026
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