# taz.de -- Desolate Lage in Kuba: Wie lange wird es heute Strom geben?
       
       > US-Kriegsschiffe kreuzen vor Kubas Küste, während die Versorgungskrise
       > auf der Insel prekärer wird. Die UN warnen vor einer humanitären
       > Katastrophe.
       
 (IMG) Bild: Warten ist für die Menschen in Kuba Alltag geworden
       
       Iván García ist immer öfter zu Fuß unterwegs in Havanna. Der Korrespondent
       des Diario Las Amerícas aus Miami bekommt immer öfter kein Taxi. „Die
       Inflation wird angeheizt von Treibstoffmangel, der Liter Benzin auf dem
       Schwarzmarkt kostet mehr als 1.000 Peso“, berichtet der Kubaner. Das sind
       umgerechnet ziemlich genau zwei Euro. Nur hat der Preis nichts mit dem
       kubanischen Durchschnittslohn von 4.000 kubanischen Peso zu tun.
       
       Für den erhält der oder die Kundin derzeit in Havanna eine Stiege mit 30
       Eiern und eine Flasche Speiseöl, so García. „Wer keine Devisen von
       Verwandten aus dem Ausland erhält, hat keine Chance, ausreichend
       Lebensmittel zu ergattern“, sagt García. Um Lebensmittel und Energie zum
       Kochen in Form von Holzkohle, einer Gasflasche oder Kerosin dreht sich
       derzeit fast alles in Havanna. Und um die bange Frage: Wie viele Stunden
       Strom wird es heute geben?
       
       12, manchmal 15, selten mehr Stunden ohne Strom müssen mittlerweile auch
       die Hauptstädter erdulden. Noch vor vier, fünf Monaten waren sie eher
       selten von den [1][Stromabschaltungen betroffen.] Das ist vorbei.
       Mittlerweile ist Strom inselweit knapp und die Folgen sind gravierend,
       warnt das Büro des UN-Menschenrechtsbeauftragten Volker Türk. Ohne Strom
       sei in vielen Regionen der Insel die Wasserversorgung unmöglich, weil die
       Pumpen nicht arbeiten, auch Intensivstationen und Notaufnahmen der
       Krankenhäuser seien gefährdet.
       
       „Die Produktion, Lieferung und Lagerung von Impfstoffen, Blutprodukten und
       anderen temperaturempfindlichen medizinischen Gütern ist gefährdet“, so
       eine Sprecherin am Freitag. Sie warnte vor einer humanitären Katastrophe
       auf der Insel, die von den USA blockiert werden. „Politische Ziele
       rechtfertigten keine Maßnahmen, die gegen die Menschenrechte verstoßen“,
       hieß es aus dem UN-Büro.
       
       ## US-Zölle zeigen Wirkung
       
       Doch genau das tun die USA, die potenziellen Öllieferanten Kubas wie Mexiko
       mit Zöllen drohen, falls sie Erdöl, dringend benötigte Treibstoffe wie
       Diesel, Benzin und Kerosin an die Insel liefern. US-Kriegsschiffe, die vor
       den kubanischen Hoheitsgewässern kreuzen, gehören genauso wie
       Spionageflugzeuge, die bereits zweimal über der Insel gesichtet wurden, zur
       Drohkulisse der USA.
       
       Unterdessen verschärfte sich in Havanna die Situation durch einen Großbrand
       in einer der Raffinerien des Landes. Zwar konnte das Feuer in der
       Raffinerie Ñico López relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden, aber
       Informationen über die Schäden sind bisher nicht bekannt. Sicher ist
       jedoch, dass der Brand die Treibstoffreserven weiter reduziert hat. Wie
       lange diese reichen, ist unklar.
       
       Bisher haben nur zwei Länder, Mexiko und Russland, signalisiert, dass sie
       bereit wären, Erdöl aus humanitären Gründen zu liefern. [2][Mexiko will
       dafür aber keine Zölle auf den bilateralen Handel mit den USA riskieren]
       und verhandelt mit den USA. Russland hat hingegen signalisiert, dass es
       keine Störungen im Verhältnis mit den USA riskieren will. Unterdessen haben
       Deutschland und weitere EU-Staaten sich erneut für ein Ende des seit 1962
       bestehenden US-Wirtschaftsembargos gegen das Land ausgesprochen.
       
       Immerhin kamen humanitäre Hilfslieferungen aus Chile in den letzten Tagen
       in Havanna an und im Laufe des März soll eine Flotte mit dem Namen „Unser
       Amerika“ durch die Karibik nach Kuba segeln, um Lebensmittel und
       Medikamente auf die Insel zu bringen.
       
       Die Organisatoren der Flotilla „Nuestra América“ kommen aus dem Spektrum
       von Gewerkschaften, sozialen Organisationen und
       Menschenrechtsorganisationen. Sie orientieren sich am Beispiel der
       Sumud-Flotilla, die im vergangenen Jahr versuchte, die israelische
       Seeblockade zu durchbrechen, und wollen für Aufmerksamkeit sorgen. Das ist
       nur ein erster Schritt, aber zu wenig aus kubanischer Perspektive. In
       Havanna wurde gerade das berühmte und für Ende Februar geplante
       Zigarrenfestival abgesagt. Einen Alternativtermin gibt es bisher nicht.
       
       16 Feb 2026
       
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