# taz.de -- Tote nach Schusswechsel vor Kuba: Vereitelter Terrorangriff oder perfide Provokation?
> Kubanische Soldaten haben bewaffnete Männer auf einem in den USA
> gemeldeten Schnellboot getötet. Das dürfte die Krise zwischen den Ländern
> verschärfen.
(IMG) Bild: USA und Kuba – ein ambivalentes Verhältnis
Die offizielle Version des kubanischen Innenministeriums ist eindeutig: Vor
Cayo Falcones, einer vor der kubanischen Küste auf Höhe von Santa Clara
liegenden Insel, sei [1][ein Schnellboot mit insgesamt zehn bewaffneten
Männern in kubanische Hoheitsgewässer eingedrungen]. Als die Besatzung
eines kubanischen Patrouillenboots sie habe kontrollieren wollen, hätten
die Männer das Feuer auf die kubanischen Soldaten eröffnet. In dem
anschließenden Feuergefecht seien der Kommandant der kubanischen Patrouille
verletzt, vier der Insassen des Schnellbootes getötet und die restlichen
sechs gefangen genommen worden.
Laut dem offiziellen Nachrichtenportal „Cubadebate“ sind den kubanischen
Behörden bereits sieben der Männer bekannt. Alle zehn seien Kubaner mit
Wohnsitz in den USA. Mit dem in Florida gemeldeten Schnellboot hätten sie
die Insel mit Sturmgewehren, Zielfernrohren, schusssicheren Westen und
Molotow-Cocktails angesteuert.
Das konkrete Ziel dieses als „terroristische Infiltration“ bezeichneten
Vorfalls ist den kubanischen Behörden dem kubanischen Innenministerium
zufolge bisher unbekannt. Die Ermittlungen liefen, heißt es.
Aus den USA hieß es, dass es sich definitiv nicht um eine
US-Militäroperation handele. US-Außenminister Marco Rubio sagte: „So etwas
hat es lange nicht gegeben. Wir müssen die Informationen überprüfen und
reagieren dann angemessen.“ Rubio, Sohn von 1956 aus Kuba in die USA
ausgewanderten Eltern, befindet sich derzeit auf einer Wirtschaftskonferenz
in der Karibik. Er nannte den Vorfall „ungewöhnlich und sehr ernst“.
Andere republikanische Politiker wählten härtere Worte. Floridas
Generalstaatsanwalt James Uthmeier kündigte eine Untersuchung an und wählte
markige Worte: „Der kubanischen Regierung kann man nicht trauen, und wir
werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Kommunisten zur
Rechenschaft zu ziehen“, sagte der Republikaner. Sein Parteifreund, Carlos
Giménz, ein in Havanna geborener Abgeordneter aus Miami, sprach von einem
„Massaker“, Senator Rick Scott, der für dieses Jahr bereits mehrfach das
Ende des kubanischen Regimes angekündigt hatte, verlangte „volle
Rechenschaftspflicht“ für die Regierung in Havanna – nicht etwa für die
USA, wo das Boot gemeldet war.
## Einseitig, konfrontativ, eskalierend
Dass die bisher bekannten Fakten darauf hindeuten, ein Anschlag sei geplant
gewesen, ist alarmierend – sowohl für die kubanische Regierung als auch für
die US-amerikanische. Letztere hat zwar wiederholt betont, dass sie ein
Ende der autoritären Regierung in Havanna begrüßen würde, aber von
Waffengewalt absehe. „Abschneiden vom Ölimport“ lautete die Leitlinie der
US-Politik gegenüber Kuba seit dem 3. Januar. Doch die US-amerikanische
Strategie des „Aushungerns“ stieß auf Kritik: Die UN warf den USA
Menschenrechtsverletzungen vor. Ähnliche Kritik kam zudem sowohl aus Mexiko
als auch aus Russland.
Daraufhin kündigten die USA nun an, Venezuela aus humanitären Gründen
[2][Öllieferungen] nach Kuba zu erlauben, aber bisher ist unklar, zu
welchen Bedingungen. Unklar ist zudem, ob auch Mexiko Erdöl, und zwar
leichtes und für die Produktion von Benzin und Diesel viel besser
geeignetes, aus humanitären Gründen nach Kuba liefern darf. Das hatte die
mexikanische Präsidentin [3][Claudia Sheinbaum] wiederholt angeregt.
Ob die US-amerikanische Zusage mit dem Tod der vier Bootsinsassen hinfällig
wird, ist bisher nicht absehbar. Allerdings könnte hinter dem möglichen
gescheiterten Anschlag das Kalkül exilkubanischer Gruppen stecken, die USA
zu einem militärischen Eingreifen zu verleiten. Fakt ist, in der an
Spannungen so reichen kubanisch-US-amerikanischen Geschichte hat es
zahlreiche Anschläge exilkubanischer Gruppen auf der Insel gegeben – der
letzte liegt allerdings fast 30 Jahre zurück. Das Gros dieser Anschläge war
in den USA geplant worden, trainiert wurden die Terrorkommandos oft in
Florida. In den USA hatten die selbsternannten exilkubanischen
Befreiungskämpfer in aller Regel keine Strafverfolgung zu befürchten.
Der letzte größere Anschlag fand im Jahr 1997 statt. Damals detonierten in
mehreren kubanischen Hotels kleine Sprengsätze. Ein italienischer Tourist
starb. Das Ziel, dem aufkommenden kubanischen Tourismussektor zu schaden,
wurde damals nicht erreicht. Seitdem hat es keine Attacken mehr auf der
Insel gegeben.
Viele Kubaner:innen sind über den aktuellen Vorfall schockiert, so auch
Melvis Matas, Frauenrechtlerin aus Havanna: „Das Niveau der Aggression ist
schrecklich“, sagt die 50-Jährige.
Die Bischöfe Kubas haben zu Verhandlungen zwischen den USA und Kuba
aufgerufen und sich als Vermittler angeboten. Eine positive Initiative, die
überfällig ist, denn hochrangige Kontakte zwischen Washington und Havanna
scheint es derzeit nicht zu geben.
26 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
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