# taz.de -- Notstand in Kuba: Überlebensmodus sí, politische Reformen no
> Drastische Treibstoffsparmaßnahmen sollen seit Freitag das
> wirtschaftliche Überleben ermöglichen. Zugleich zeichnen sich
> Verhandlungen mit den USA ab.
(IMG) Bild: Warteschlange vor einer Tankstelle in Bacuranao bei Havanna am 30. Januar
Nun ist der Notstand in Kuba Realität. Die Regierung in Havanna hatte am
Freitag Maßnahmen bekanntgegeben, die helfen sollen die Insel auf
Sparflamme weiter am Laufen zu halten. Der öffentliche Nahverkehr wird
eingeschränkt, [1][die öffentliche Verwaltung arbeitet nur noch von Montag
bis Donnerstag], Bus- und Bahnfahrten sowie Fährfahrten werden rigoros
zusammengestrichen, Touristen in einige Hotels umgelegt und die
Universitäten lassen den Präsenzunterricht für 30 Tage ruhen. Es gelte „den
Kollaps mit kreativem Widerstand“ zu begegnen, heißt es in Havanna.
Wie das mittelfristig funktionieren soll, darüber wird in Havanna
gerätselt, aber auch im Ausland. Der kubanische Experte Jorge Piñón von der
Fakultät für Energie der Universität Texas prognostiziert für März den
Eintritt in die gravierende Phase der Energiekrise.
Die letzte Lieferung Treibstoff hat Kuba laut Präsident Miguel Díaz-Canel
im Dezember bezogen. Diesel, Kerosin und Benzin sind inselweit bereits
jetzt schon knapp und genau deshalb sondiert Mexiko mit den USA, ob die
befreundete lateinamerikanische Nation nicht doch helfen kann. Mexikos
Präsidentin Claudia Sheinbaum will keine erhöhten Zollsätze riskieren, mit
denen US-Präsident Donald Trump alle potenziellen Öllieferanten Kubas
gedroht hat.
Unterdessen laufen in Mexiko bereits Vorgespräche zwischen kubanischen
Offiziellen und US-amerikanischen. Mit von der Partie soll Alejandro Castro
Espín sein. Der Sohn von Ex-Präsident Raúl Castro war lange Jahre ein enger
Berater seines Vaters und ist ein Brigadegeneral im Innenministeriums. Er
gilt als Schlüsselfigur und als Kenner der USA, über die er ein Buch mit
dem Titel „Empire des Terrors“ geschrieben hat.
## Parteifunktionäre definieren schon rote Linien
In Kuba kursieren bereits Aussagen ranghoher Parteifunktionäre, die
definieren, was nicht verhandelbar sei. Dazu gehören [2][politische
Gefangene], heißt es. Das bestätigt auch Manuel Cuesta Morúa von der
sozialdemokratischen Partei Arco Progresista, die in Kuba illegal ist. „Die
Freilassung der politischen Gefangenen ist aber eine Kernforderung der
Zivilgesellschaft. Hier in Havanna kursiert eine Petition, die eine
Generalamnestie für alle politischen Gefangenen einfordert – beim
Parlament, der Asamblea popular.“
Rund 1.500 teilweise prominente Kubaner und Kubanerinnen haben
unterschrieben, rund 60 Prozent von Ihnen von der Insel, der Rest aus dem
Exil. Am 4. Februar wurde die Petition von der bekannten Akedemikerin Jenny
Pantoja und Yenisey Mercedes Taboada, der Mutter eines Demonstranten vom
11. Juli 2021, übergeben.
Auch Yunior Garía Aguilar, Dramaturg im spanischen Asyl, hat die Petition
unterschrieben. „Es ist wichtig, dass die Zivilgesellschaft in Kuba sich
wieder bemerkbar macht. Sie muss in den Verhandlungen mit den USA gehört
werden“, verlangt der Kulturschaffende, der im November 2021 zum „Marsch
für die politische Zukunft“ aufgerufen hatte und kriminalisiert wurde. Er
ist wie viele andere kritische Geister im Exil, aber es gibt sie auch auf
der Insel. Dort hat sich das Theaterprojekt El Ciervo Encantado („Der
verzauberte Hirsch“) von der offiziellen Kulturpolitik losgesagt und ist
aus dem Rat der Nationalen Kultur ausgetreten.
Beispiele dafür, dass sich auf der Insel etwas tut. Dort, so schätzt,
Manuel Cuesta Morúa, sind 90 Prozent der Menschen für eine schnelle
politische Lösung. „Ein Dahinsiechen, ein Durchhalten wie es offiziell
heißt, will hier niemand. Das kennen wir doch alles schon zur Genüge aus
den letzten Jahren“, so der 64-jährige Historiker gegenüber der taz. Er
plädiert für eine echte Öffnung und ein plurales Parteiensystem. Doch erst
einmal heißt es mit den Notmaßnahmen zu überleben.
8 Feb 2026
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