# taz.de -- US-Truppenaufmarsch in Nahost: Kriegsstimmung vor dem „Friedensrat“
> Die USA ziehen Militär vor der Küste Israels zusammen, ein Schlag gegen
> Iran scheint möglich. Derweil trifft sich Trumps „Friedensrat“ zu Gaza.
(IMG) Bild: Da ist guter „Friedensrat“ teuer: US-Präsident Trump spricht während der ersten Sitzung seines Gremiums am Donnerstag in Washington
An einer Hochhausfassade neben dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv
sind die Spuren eines Raketeneinschlags während des zwölftägigen Kriegs
zwischen Israel und dem Iran im Juni noch deutlich zu sehen. Nun droht die
nächste Auseinandersetzung, diesmal womöglich durch einen Erstschlag der
USA. Diese haben in den vergangenen Tagen ihre Luftwaffe-Kapazitäten in der
Region so sehr verstärkt wie seit dem Einmarsch im Irak 2003 nicht mehr.
Herbeigeredet wird ein neuer Krieg in Nahost bereits seit Wochen. Mit
Drohungen und weitreichenden Forderungen an Teheran baute US-Präsident
Donald Trump zuletzt Druck auf, [1][um das iranische Regime in den
laufenden Verhandlungen zu Zugeständnissen zu bewegen]. In Kürze soll vor
der Küste Israels der Flugzeugträger „USS Gerald Ford“ eintreffen, der
zweite neben der „USS Abraham Lincoln“ im arabischen Meer. Hinzu kommt die
Verlegung Dutzender Kampfjets, Tankflugzeuge und Luftabwehrsysteme in die
Region. Damit dürften Washington die Mittel für einen umfassenden Angriff
zur Verfügung stehen. Eine Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts
wurde laut Medienberichten von Donnerstag auf Sonntag vorverlegt.
„Ich bin erschöpft von den ständigen Drohungen“, sagt der 35-jährige Itamar
vor einem Supermarkt nahe der Kirya, dem Sitz des israelischen
Generalstabs. „Sie sagen seit Wochen, dass der Angriff bevorsteht, und dann
passiert nichts.“ Freunde hätten seit Jahresbeginn mehrfach die Stadt
verlassen, um bei Verwandten auf dem Land unterzukommen. Während des
Krieges im Juni waren mehrere Raketen in Tel Aviv eingeschlagen, laut
Rettungsdiensten starben 28 Menschen. Im Iran wurden damals laut Aktivisten
bei israelischen und US-Angriffen mehr als 1.000 Menschen getötet.
Die israelische Öffentlichkeit ist gespalten: Eine knappe Mehrheit der
jüdischen Israelis unterstützt eine Beteiligung an einem US-Angriff auf den
Iran von Beginn an, ergab [2][eine Umfrage des Israel Democracy Institute.]
44 Prozent wollen das nur für den Fall eines iranischen Angriffs auf
Israel. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich mehrfach
gegen eine Verhandlungslösung ausgesprochen.
Die zweite Runde indirekter Gespräche zwischen den USA und dem Iran endeten
am Dienstag laut dem iranischen Außenministerium [3][mit „einer Einigung
auf Leitprinzipien“]. US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt sagte, es
gebe viele Argumente für einen Angriff. Diplomatie sei aber „immer die
erste Wahl“.
## Trump will ein Abkommen
Für Trump scheint ein Abkommen im Vordergrund zu stehen, welches das
iranische Atomprogramm einschränkt, aber auch die iranische
Raketenproduktion beendet sowie das Netzwerk aus mit Teheran verbündeten
Milizen in der Region schwächt. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu
teilt diese Ziele, jedoch nicht die Mittel. Er fordert seit Jahren eine
militärische Zerstörung des iranischen Atomprogramms, [4][was im Juni nur
zum Teil gelungen war.]
„Trump hat sich selbst in eine Ecke manövriert“, sagt der israelische
Historiker Meir Litvak von der Universität Tel Aviv. Er könne nach seinen
wiederholten Drohungen gegen das Regime im Januar, als die Mullahs hart
gegen Proteste der Bevölkerung im eigenen Land vorgegangen waren, ohne
Zugeständnisse aus Teheran kaum zurückrudern.
Acht Monate nach dem ersten Angriff auf die iranischen Atomanlagen sind die
Ziele eines Militärschlags diesmal jedoch wesentlich unklarer. Für den
US-Präsidenten, der mit dem Versprechen angetreten war, die USA aus
künftigen Kriegen herauszuhalten, wäre es zudem mindestens der siebte
US-Angriff auf ein anderes Land binnen eines Jahres.
Während Trump mit Blick auf Iran einen weiteren Krieg erwägt, trat in
Washington am Donnerstag erstmals der von ihm ins Leben gerufene
„Friedensrat“ zusammen. Unter den Teilnehmern waren Vertreter zahlreicher
Länder in Nahost, darunter Israel, Saudi-Arabien, Jordanien, aus der Türkei
und Katar. Viele europäische Staaten lehnen eine Beteiligung an dem
ursprünglich für einen Friedensprozess im Gazastreifen gegründeten Gremium
ab. Kritiker fürchten, die Organisation, die Trump umfassende Kompetenzen
einräumt, könnte [5][als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen auftreten.]
## 8.000 Soldaten aus Indonesien
Die Hürden für einen Frieden in Gaza sind weiter hoch: Die israelische
Armee besetzt mehr als die Hälfte des Gebietes. Die radikalislamische Hamas
kontrolliert weite Teile des restlichen Küstenstreifens, in dem die meisten
der rund zwei Millionen Bewohner in Zelten leben. 15 Mitglieder eines
palästinensischen Technokratenkomitees können bisher nicht einreisen.
[6][Nikolaj Mladenow], der den Friedensrat als Hoher Repräsentant in Gaza
vertreten soll, ist bisher kaum in Erscheinung getreten. Ein kleiner
Fortschritt: Indonesien hat für eine internationale Stabilisierungstruppe
bis zu 8.000 Soldaten in Aussicht gestellt.
Doch die Waffenruhe ist bereits heute brüchig. Israel hat seit ihrem Beginn
im Oktober mehr als 570 Palästinenser in Gaza getötet. Mehrfach haben
bewaffnete Hamas-Kämpfer laut der israelischen Armee Soldaten angegriffen.
Der schwierige Friedensprozess könnten zudem scheitern, wenn es bei der
Entwaffnung der Hamas keine Fortschritte gibt. Die Gruppe lehnt es ab, ihre
Waffen abzugeben. Netanjahus Kabinettssekretär Yossi Fuchs sagte jüngst,
Israel wolle andernfalls nach Ablauf einer 60-tägigen Frist den Krieg im
Gazastreifen fortsetzen.
19 Feb 2026
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