# taz.de -- Kindertheater von Saša Stanišić: Der Wolf kommt nur nachts
> Raphael Moussa Hillebrand inszeniert Saša Stanišićs preisgekrönten
> Jugendroman „Wolf“. Zu sehen ist das Stück im Berliner Theater an der
> Parkaue.
(IMG) Bild: Der namensgebende Wolf guckt unheimlich-glitzernd und kommt nur nachts vorbei
Kemi hat keinen Bock auf die Natur, aufs Ferienlager und überhaupt auf
wenig, außer auf Bücher und Gespräche über den Finanzmarkt – bevorzugt mit
Erwachsenen. Marco und seine Freunde, die Zwillinge, haben auch nicht so
richtig Bock auf irgendwas außer angeben und stänkern. Am liebsten wird
Jörg gestänkert, der wiederum hat Bock auf wandern und allein sein und null
Bock auf Stress.
Die fünf sind in einer Klasse, ein paar mehr Mitschüler und Randfiguren
gibt es auch, eine bulgarische Sportlehrerin, eine Mutter, zwei Teamer im
Ferienlager, einen tollen, riesigen, zeitweise ordentlich kotzenden Koch
mit Irokesenhaarschnitt – und einen unheimlichen, glitzernd-guckenden Wolf.
Aber der kommt nur nachts.
Nach ihm ist [1][Saša Stanišićs] neues Theaterstück für Kinder ab zehn
Jahren benannt, [2][„Wolf“, das am Dienstag in Berlin am Theater an der
Parkaue] in einer Inszenierung von Raphael Moussa Hillebrand Premiere
feierte. Es handelt von Gruppendynamiken, von Macht, von desinteressierten
Pädagogen, alleinerziehenden Eltern und von Mobbing. Wobei, vielleicht
handelt es eher vom stummen Mitläufer sein: „Wenn du etwas beobachtest, das
nicht okay ist – traust du dich, etwas zu sagen?“ heißt es schon gleich zu
Beginn.
## Homo homini lupus
Das Identifikationspotential dürfte hoch sein beim jungen Publikum.
Offensichtlich gespannte Konzentration und so mancher zustimmende
Zwischenruf bestätigen den Verdacht. Statt seinem Ensemble feste Rollen zu
geben, lässt Hillebrand seine Figuren rotieren. Kemi hat Kopfhörer, Jörg
einen Rucksack, die nervige Teamerin eine nervige Sonnenbrille. Alle sind
Opfer und Täter, ignorant und engagiert. Immer wieder wird getauscht,
manchmal, wenn dem geärgerten Jörg sein Gepäck als wörtliches Symbol des
sozialen Pakets, das er tragen muss, abgenommen wird, mutet das fast
solidarisch an: Niemand soll zu lange leiden.
Viel steckt inhaltlich in dem Stück, für dessen Romanvorlage Stanišić 2024
mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde und sich durch eine genaue
Beobachtung der kindlichen Lebensrealität, bei gleichzeitig komplexen
Betrachtung multidimensionaler Probleme der frühen Jugend auszeichnet.
Während das junge Publikum gespannt die Abenteuer, sozialen Spannungen und
Wolfsalbträume im Ferienlager verfolgt, wandern die erwachsenen Gedanken
zum [3][Wesen der Wölfe] und der Menschen. Das Ende, welches sich im Tanz
auflöst, kommt erfreulicherweise ohne kleinbürgerliche Moralitäten aus.
Offen bleibt eigentlich nur eine Frage: Warum nur heißt der 10-jährige
Außenseiter im Jahr 2026 zu allem Elend auch noch Jörg? Musste das wirklich
sein?
25 Feb 2026
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(DIR) [2] https://www.parkaue.de/spielplan/stuecke/wolf/
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## AUTOREN
(DIR) Hilka Dirks
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