# taz.de -- Unterbringung von Wohnungslosen: Eine verlogene Diskussion
> In der Debatte über die Unterbringung von Wohnungslosen ziehen sich die
> Verantwortlichen zu leicht aus der Affäre. Die Missstände sind lange
> bekannt.
(IMG) Bild: Ein Feldbett in einer Notunterkunft
Wer die aktuelle Debatte um die Zustände in Wohnungslosenheimen verfolgt,
kann nur mit dem Kopf schütteln angesichts der Verlogenheit und scheinbaren
Hilflosigkeit von Politikern.
Eine [1][Recherche des Tagesspiegel] über die Geschäftemacherei mit den
Unterkünften hat sie aufgeschreckt. Private Heimbetreiber kassieren demnach
horrende Beträge von der öffentlichen Hand für mieseste, bisweilen
menschenunwürdige Unterbringung [2][wohnungsloser Menschen]. „Die Berichte
machen uns fassungslos“, sagte etwa der sozialpolitische Sprecher der
CDU-Fraktion, Björn Wohlert. Man brauche „mehr staatliche Kontrollen und
scharfe Sanktionen gegen private Vermietende“, erklärte die zuständige
Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD). Ach wirklich?
Das Verlogene an den Reaktionen: Die unhaltbaren Zustände sind lange
bekannt. Seit Jahren [3][gibt es Berichte über „Läusepensionen“], in denen
Menschen, nicht selten ganze Familien, über Jahre hausen müssen – und wofür
der Staat den Betreibern oft mehrere tausend Euro pro Monat bezahlt.
Verlogen sind die Aussagen auch, weil sie unterschlagen, dass das Problem
hausgemacht ist: Die Berliner Politik hat sich nach der Wende dafür
entschieden, die staatliche Unterbringung von Wohnungslosen in eigenen
Wohnheimen aufzugeben. Wie in vielen anderen Bereichen galt auch hier das
neoliberale Credo: Die Privatwirtschaft kann alles besser und vor allem
effizienter, sprich: billiger.
## Privatisierung war schon immer der falsche Weg
Dass dem nicht so ist, sehen wir nun schon seit Jahren in vielen Bereichen,
das [4][Wohnen ist einer davon]. Die Privatwirtschaft baut auch keine
günstigen Wohnungen, wenn sie teure verkauft bekommt. Man muss sie schon
durch Vorgaben dazu zwingen – oder eben durch landeseigene Gesellschaften
selber bauen.
Konsequent wäre es also, diesen falschen Weg der Privatisierung zu beenden,
den Bau und Betrieb von Wohnheimen wieder in staatliche Hand zu nehmen. Das
wäre natürlich ziemlich teuer – auch wenn es sich langfristig bestimmt
rentieren würde, wenn Berlin derzeit tatsächlich 365 Millionen Euro für
Wohnungslosenunterbringung ausgibt, wie der Tagesspiegel ausgerechnet hat.
Dennoch traut sich kein Politiker, eine echte Abkehr vom
„Sozialstaat-in-privaten-Händen“-System vorzuschlagen. Stattdessen gibt es
Halbgares: Die Sozialsenatorin fordert mehr Kontrollen und Sanktionen für
die Privaten und wirbt wieder [5][für ihre geplante Software]
„Gesamtstädtische Steuerung der Unterbringung“. Damit soll das Land einen
digitalen Überblick über alle belegbaren Betten in Berliner Wohnheimen
bekommen. Nur: Solange das Land keine Alternativen zu privaten Betreibern
hat, kann es sich nicht leisten, die „Läusepensionisten“ hinauszuwerfen.
Hilflos klingt auch der Vorschlag, den [6][SPD-Spitzenkandidat Steffen
Krach] gemacht hat: ein landeseigenes Sozialunternehmen für Unterbringung,
das mit den landeseigenen Wohnungsbauunternehmen mindestens 2.500 Wohnungen
„sichern“ und auch „beim Umbau von Büroflächen zu Wohnraum zusätzliche
Kapazitäten schaffen“ soll. Das ist bei mehreren zehntausend
untergebrachten Wohnungslosen ein überschaubares Tröpfchen auf den heißen
Stein.
24 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/diese-unterkunfte-sind-eine-goldgrube-das-millionen-geschaft-mit-der-wohnungslosigkeit-15276813.html
(DIR) [2] /Tag-der-Wohnungslosen-in-Berlin/!6105441
(DIR) [3] /Lost-im-Hostel/!5781236
(DIR) [4] /Schwerpunkt-Gentrifizierung-in-Berlin/!t5473161
(DIR) [5] /Unterbringung-von-Gefluechteten-in-Berlin/!6150460
(DIR) [6] /Steffen-Krach/!t6119341
## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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