# taz.de -- Senat startet Bundesratsinitiative: Sozialverwaltung soll entlastet werden
> Berlin drängt mit anderen Ländern auf mehr Tempo in den
> Sozialverwaltungen. Das soll auch bei der Suche nach Unterkünften für
> Wohnungslose helfen.
(IMG) Bild: Eine Software soll es richten: Flüchtlingsunterkunft in Lichtenberg
Wenn eine Verwaltung weniger Zeit für Bürokratie aufwenden muss, hat sie
mehr Zeit, Bürgerinnen und Bürger zu ihren Anliegen zu beraten. In diese
Richtung zu steuern, drängt offenbar vor allem bei Sozialverwaltungen: Ein
bundesweit gültiges Gesetz soll für ihre Entlastung sorgen. Berlins
[1][schwarz-roter Senat] hat am Dienstag beschlossen, es mit anderen
Bundesländern im Bundesrat auf den Weg zu bringen.
Was trocken und formal klingt, hat für Sozial-Staatssekretär Aziz Bozkurt
große Bedeutung. Denn: „Wenn eine Stadt nicht funktioniert, dann wirft das
Fragen auf, die Zufriedenheit verändert sich“, sagte der SPD-Politiker am
Dienstag nach der Senatssitzung. Zentrale Punkte des Gesetzentwurfs sind
Digitalisierung und Automatisierung und vereinfachte Verfahren für die
Antragsteller.
Als Beispiel griff Bozkurt die Suche nach einem [2][Unterkunftsplatz für
Wohnungslose] heraus. Statt wie bislang Tabellen auf Papier
abzutelefonieren, soll die Platzsuche künftig per Knopfdruck möglich sein.
Das gebe den Mitarbeitern mehr Zeit zur Beratung. Ein Effekt soll auch
sein, dass nicht mehrere Bezirke und das Land um Plätze in privaten
Unterkünften konkurrieren und die Preise nach oben treiben.
Zwar bleibe die Zahl der verfügbaren Plätze die gleiche, auch wenn alles in
einer Hand auf Landesebene gebündelt sei, räumte Bozkurt ein. Aber es
verringert aus seiner Sicht dennoch die Abhängigkeit von Vermietern. Laut
Bozkurt wird das allerdings nicht reichen. „Wir müssen selbst Räume
schaffen“, sagte er und verwies auf leer stehende Büroflächen. Auch wenn
sich nur zehn Prozent davon nutzen ließen, würde das aus seiner Sicht die
Situation deutlich verändern.
## Auch leere Büroflächen nutzen
Die Grünen hatten jüngst bei ihrem Parteitag davon gesprochen, dass sich
der von [3][ihnen errechnete Büroleerstand] von 1,7 Millionen auf 2,2
Millionen Quadratmeter erhöht habe. Sie drängten darauf, die Flächen in
Wohnungen umzuwandeln.
Nach Medienberichten über unwürdige Zustände in privat betriebenen
Unterkünften für Wohnungslose hatte sich SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach
dafür ausgesprochen, [4][mindestens 2.500 Wohnungen für Obdachlose zu
sichern und dabei auch Büroflächen zu nutzen]. Dafür soll zukünftig das
Landesamt für Flüchtlinge zuständig sein. Es soll laut Staatssekretär
Bozkurt dann Landesamt für Flüchtlinge und Unterbringung heißen. [5][Kritik
an der Auswahl der Unterkunftsbetreiber] gibt es schon länger.
Zudem soll die Abschaffung von sogenannten Widerspruchsbeiräten die
Verfahren in Angelegenheiten der Sozialhilfe beschleunigen. Die Beiräte
haben laut Bozkurt zum einen nur in einer geringen Zahl von Fällen
weiterhelfen können, zum anderen die Verfahren verlängert, weil der
jeweilige Fall sowieso anschließend von Gerichten geklärt wurde.
Bei der Bundesratsinitiative sieht Bozkurt Einstimmigkeit in der
Länderkammer. Denn es gehe dabei nicht um eine politische Ausrichtung wie
der Kürzung oder Ausbau von Sozialleistungen, sondern um schnellere
Abläufe. Der Staatssekretär geht davon aus, dass die Initiative noch im
März Thema im Bundesrat sein könnte.
24 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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