# taz.de -- Hamburger Horror-Theater auf Festival: Mit Lovecraft nach London
       
       > Das kleine Hamburger Miskatonic Theater schien wie vom Pech verfolgt. Nun
       > gastierte es beim London Lovecraft Festival in der britischen Hauptstadt.
       
 (IMG) Bild: Von Harburg in die Welt: „Pickman's Supermodel“ ist nun auch in London gegeben worden
       
       Mit dem Schrecken haben sie schon so ihre Erfahrung, die Macher*innen
       des Hamburger Miskatonic Theaters: Das (den Verantwortlichen zufolge)
       weltweit einzige ausschließlich dem Horror gewidmete Haus wurde bereits
       Opfer eines Einbruchs, da war es noch gar nicht eröffnet. Und kaum lief der
       Laden, benannt nach einer wiederkehrenden fiktiven Ortsmarke aus dem Werk
       des US-amerikanischen Autors H. P. Lovecraft, [1][brannte er aus].
       
       Vor dem Miskatonic hatten Nisan Arikan und Lars Henriks schon im kleineren
       eigenen antikyno-Theater aber auch Film- und Rollenspielabende
       veranstaltet. Seit einigen Jahren inszenieren sie auch auf der örtlichen
       Freilichtbühne, wenn der Bezirk Hamburg-Harburg (beziehungsweise das
       dortige Stadtmarketing) den [2][„Sommer im Park“] ausruft.
       
       Das eigene Theater sollte dann im Sommer 2024 das doppelte Engagement
       verstetigen helfen: für den erst mal abseitig scheinenden Stoff, aber auch
       für den Bezirk. Denn Harburg, bis 1937 eine selbstständige, eine große
       preußische Stadt, mag [3][Heino Jaeger] Heimat gewesen sein und später
       dessen Adepten [4][Heinz Strunk] hervorgebracht haben. Er dürfte aber
       trotzdem kaum mit kulturellem Reichtum verbunden sein in den Köpfen der
       Hamburger:innen.
       
       Kaum lief also der Horrorladen halbwegs, brannte er aus, vermutlich war
       Brandstiftung im Spiel. Requisiten und Technik gingen in Rauch auf, ebenso
       das eigene [5][Tonstudio]. Unbenutzbar war auch die gemeinsame Wohnung
       Arikans und Henriks’ (und ihrer Tochter) weiter oben im selben Haus. Fortan
       heimatlos, erhielt der Theatergrusel mal kurz, dann auch mal länger Asyl
       auf mehreren kleinen Hamburger Bühnen.
       
       ## Englische Fassung von „Pickman’s Supermodel“
       
       Was vor knapp einem Jahr auch abgesagt werden musste, war „unsere über
       Monate geplante und bereits bezahlte Gastspiel-Reise nach London“, so die
       Betreiber*innen – „die einzige gute Sache, die in dem ganzen verdickten
       Scheißjahr passiert war“. Immerhin: Am vergangenen Wochenende nun war das
       Miskatonic doch noch in der Stadt des Rippers zu Gast, beim sechsten London
       Lovecraft Festival spielte man eine englische Fassung der eigenen
       Lovecraft-Pastiche „Pickman’s Supermodel“ („eine Auseinandersetzung mit
       Ästhetik, voyeuristischer Ausbeutung und der Sinnlosigkeit privater
       Kunsthochschulen“).
       
       [6][Im weiteren Festivalprogramm] finden sich etwa eine Oper, fußend auf
       Lovecrafts „Dunwich Horror“, ein musikalisch begleiteter „Story Slam“, aber
       auch „Menschenopfer, rituelle Dämonenbeschwörung und Anbetung unserer
       feinen Herren“ wurden angekündigt. Dazu passen die unbekümmerten, ja:
       respektlosen Hamburg-Harburger Bearbeitungen des großen Menschenfeindes
       bestens. Sie würden gerne auch nächstes Jahr dort auftreten, schreiben
       Arikan und Henriks, gerne mit etwas Förderung und dann auch Budget für, zum
       Beispiel, eine Unterkunft.
       
       Außerdem hätten sie zuletzt im Ausweichquartier im Hamburger
       Schanzenviertel ein Stück gespielt, das sich ziemlich gut dort umsetzen
       ließe und „auf einem Buch basiert, das in London eine sehr große Fanbase
       hat … Mal schauen, was Universal von der Idee hält“: Tatsächlich hatte im
       vergangenen Jahr Grady Hendrix den beiden vom [7][Miskatonic] das Recht
       eingeräumt, seinen Bestseller „My Best Friend’s Exorcism“ zu adaptieren –
       damals weltexklusiv.
       
       24 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Theaterbrand-in-Hamburg-Harburg/!6075716
 (DIR) [2] https://sommer-im-park-harburg.de/
 (DIR) [3] /Erinnerung-an-ein-merkwuerdiges-Genie/!5870085
 (DIR) [4] /Roman-Zauberberg-2-von-Heinz-Strunk/!6056799
 (DIR) [5] https://www.ardaudiothek.de/sendung/korridore-mystery-horror-serie/urn:ard:show:4568010dc2bd52c4/
 (DIR) [6] https://londonlovecraft.com/
 (DIR) [7] https://miskatonictheater.com/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexander Diehl
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Theater
 (DIR) Horror
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Festival
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Literatur
 (DIR) Britische Literatur
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Spazieren auf Autorinnen-Spuren: Wer Männer kennt, schreibt Horror
       
       Mary Shelley höchstselbst, die Mutter der fantastischen Literatur, führt
       durch einen Hamburger Park. Zu hören gibt es schaurige Texte nur von
       Frauen.
       
 (DIR) Lovecraft theatral in Hamburg-Harburg: Vom Kopf auf die Tentakel gestellt
       
       Schatten über Hamburg-Harburg: Einer der bekanntesten Texte des
       Grusel-Autors H.P. Lovecraft kommt auf eine Kleinstbühne – mit viel Mut zum
       Albernen.
       
 (DIR) Vergessener Horrorautor Arthur Machen: Schrecken vor ruhiger Landschaft
       
       Vielen gilt er als Vater der modernen Horrorgeschichte, hierzulande jedoch
       blieb er Geheimtipp. Eine Werkausgabe zu Arthur Machen soll das ändern.