# taz.de -- Hydrofeminismus: „Durch das Wasser sind alle miteinander verbunden“
> Das Kollektiv Glitch AG sieht die Allgemeinheit beim Thema Wasser in der
> Verantwortung. Deshalb bringt es das Thema Hydrofeminismus auf die Bühne.
(IMG) Bild: Die Grenzen der Körper verschwimmen in der Performance: Das Glitch-Kollektiv meint den Titel „Liquid Bodies“ wörtlich
taz: Frau Emami Khansari, was hat Wasser mit Feminismus zu tun?
Raha Emami Khansari: Es gibt kein neues Wasser. Das ist ein banaler
Gedanke, aber irgendwie auch total mindblowing. Wasser findet im Kreislauf
statt, [1][dadurch gibt es kein neues, sondern nur gemeinsames Wasser].
Durch das Wasser sind alle Lebewesen auf diesem Planeten und auch die
Ökosysteme miteinander verbunden. Es gibt ein schönes Buch, „Am Himmel die
Flüsse“ von Elif Shafak, in dem beschrieben wird, wie der Regentropfen im
Haar eines assyrischen Königs um 600 vor Christus zur Schneeflocke wird,
die auf das Gesicht eines neugeborenen Babys in London im Jahr 1840 fällt.
Diese Verbundenheit übersetzt sich dann in der hydrofeministischen Theorie.
taz: Was bedeutet Hydrofeminismus?
Emami Khansari: Feminismus ist aus unserer Perspektive nie losgelöst von
anderen Aspekten. Im Hydrofeminismus wird diese Intersektionalität sehr
erklärbar gemacht. Wer hat Zugang zu Wasser, wer nicht? Wer leidet
darunter, dass Wasser nicht verfügbar ist? Dass Klimaveränderungen dazu
führen, dass Landschaften austrocknen? Das sind vor allem Länder aus dem
Globalen Süden. Hydrofeminismus ist eine Perspektive auf Feminismus, die
eben sowohl geopolitische, koloniale als auch ökologische Aspekte umfasst.
Und das aber auf eine Art und Weise, die einerseits sehr politisch konkret
genommen werden kann, aber andererseits einen poetischen oder
metaphorischen Zugang ermöglicht.
taz: Also quasi: Wasser ist keine Ressource, sondern ein Teil von mir, der
mich mit dem Rest aller Lebewesen und Ökosysteme verbindet. Das ist schon
sehr poetisch.
Emami Khansari: Und gleichzeitig eben auch ein Fakt. Es ist faktisch so,
dass jegliches Leben auf diesem Planeten nur durch Wasser vorstellbar ist,
[2][dass wir alle aus dem Wasser kommen]. Das ist, wie wenn man über den
Kosmos spricht und sagt: Wir sind alle aus Sternenstaub. Wir sind
eigentlich auch alle aus Sternenstaub! Das klingt sehr poetisch, aber es
ist eben auch Wissenschaft. Was macht man jetzt mit diesem Wissen? Nimmt
man das als reinen physikalischen Fakt oder nimmt man das als Aufgabe, sich
um dieses Wasser und um uns zu kümmern?
taz: Das ist auch das Überthema eurer Vorführung: Fürsorge.
Emami Khansari: Diese Performance ist der Auftakt einer Trilogie namens
„Open Water“, in der wir uns mit Wasser beschäftigen. Im ersten Teil liegt
der Fokus auf der Verbindung zwischen Wasser und Fürsorge. Was bedeutet
Fürsorge in den Kontext von Wasser? Warum hat das überhaupt was miteinander
zu tun?
taz: Und wie seid ihr ursprünglich auf Hydrofeminismus gekommen?
Emami Khansari: Wir arbeiten mittlerweile seit 10 Jahren als Kollektiv
zusammen. Über einen Artikel sind wir auf das Thema gestoßen. Wir haben
eine Rechercheförderung bekommen, weshalb wir [3][sehr breit zum Thema
Wasser recherchieren konnten]. Vorletztes Jahr haben wir dann eine Arbeit
zur Kolonialgeschichte des Meeres gemacht, dadurch wurde das Thema immer
politischer und der Bogen zu feministischen Aspekten kam sehr organisch.
Wasser kann eine Projektionsfläche für so viele Dinge sein, das Meer ist ja
auch ein großer Sehnsuchtsort.
taz: Daraus macht ihr eine Tanzperformance.
Emami Khansari: Wir machen eine Installation, Konzert, Tanzperformance,
Performance draus. Es treffen sich sehr, sehr viele Formate da drin. Unsere
zweite Arbeit soll dann ein Stück für Kinder sein, es wird um
Meeressäugetiere gehen. Wir wollen uns ihre familiären Strukturen angucken,
was man von Meeressäugern lernen könnte. Aber der hydrofeministische
Gedanke steckt auch da drinnen.
9 Mar 2026
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(DIR) Amanda Böhm
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