# taz.de -- Krieg Pakistan-Afghanistan: Vertreibung, „Geiseldiplomatie“ und Drohnen
> Bereits 14 Tage dauert der Krieg zwischen Pakistan und Afghanistan.
> Parallel dazu droht die US-Regierung den Taliban eine
> „Venezuela/Iran-Behandlung“ an.
(IMG) Bild: Ein Wohnhaus wurde getroffen – an einem Grenzübergang im Dorf Darya Khan Afridi in Landi Kotal, Pakistan, 5. 3.2026
Mit neuen Kämpfen ging der Krieg zwischen Pakistan und Afghanistan am
Mittwoch in seinen vierzehnten Tag. In vier Provinzen habe pakistanisches
Militär nach Taliban-Angaben afghanisches Territorium mit Mörsern
beschossen. Pakistan behauptet, es habe in der afghanischen Südostprovinz
Paktika ein Munitionsdepot vernichtet, dass von afghanischen Regimetruppen
und regierungsfeindlichen pakistanischen Taliban gemeinsam genutzt worden
sei.
Zudem seien an der Grenze zu den afghanischen Provinzen Kunar und Chost
Taliban-Grenzkontrollposten zerstört worden. Taliban-Sprecher erklärten,
bei dem Beschuss seien Wohnhäuser und „zivile Anlagen“ getroffen, drei
Zivilist*innen getötet und mehrere verletzt worden.
Zuvor hatten die UNO gemeldet, seit Ausbruch der Kämpfe seien bis zum 5.
März in Afghanistan [1][56 Zivilist*innen getötet und 129 weitere durch
pakistanisches Artilleriefeuer und Luftangriffe getötet worden]. 55 Prozent
davon seien Frauen und Kinder. „Aufgrund eingeschränkten Zugangs“ handele
es sich nur um vorläufige Zahlen. Durch die Kämpfe seien in Afghanistan
über 115.000 Menschen vertrieben worden, 3.000 weitere in Pakistan.
Darunter sind die Bewohner provisorischer Zeltsiedlungen, die nach einem
schweren Erdbeben in Kunar im August nahe der Grenze errichtet wurden.
Die UNO spricht von „sekundärer Vertreibung“. Ebenfalls wegen der Kämpfe
musste sie die [2][Nahrungsmittelhilfe für 160.000 Menschen] in den
umkämpften Gebieten unterbrechen.
## Zerstörung von Waffendepots in Afghanistan
Einige afghanische Kommentatoren vermuten, Pakistan betreibe mit seinem
Krieg auch [3][Trumps Anliegen, im Land zurückgelassene Waffen zu
zerstören]. Zu Monatsbeginn trafen seine Kampfjets Waffendepots [4][auf dem
früheren US-Stützpunkt Bagram]. Pakistan könnte so versuchen, seine
Beziehungen mit den USA wieder zu verbessern, um sich dringend benötige
Finanzspritzen für seine krisenbehaftete Wirtschaft zu sichern.
Premierminister Shahbaz Sharif [5][nominierte Donald Trump sogar für den
Friedensnobelpreis].
Gleichzeitig nahmen die USA Afghanistan in eine neu geschaffene Liste von
„Sponsoren unrechtmäßiger Inhaftierung“ auf. Iran landete darauf als erstes
Land, einen Tag vor dem dortigen Kriegsausbruch. Die Taliban entführten
weiterhin „Menschen, um Lösegeld zu erpressen oder politische
Zugeständnisse zu erzwingen“, erklärte Außenminister Marco Rubio am
Dienstag. [6][Washingtons UN-Botschafter Mike Waltz sprach von
„Geiseldiplomatie]“.
## USA droht Taliban mit venezolanischem Szenario
Trumps Sondergesandter für Geiselfragen, Adam Boehler, [7][drohte den
Taliban „die gleiche Behandlung wie Venezuela und Iran“] an, sollten sie
von ihnen festgehaltene US-Bürger nicht freilassen. In dem Fall des
US-afghanischen Doppelstaatlers Mahmood Habibi streiten sie aber überhaupt
ab, dessen Aufenthaltsort zu kennen. Boehler verhandelt darüber seit Langem
und besuchte auch Kabul. Im Vorjahr kamen nach und nach fünf Amerikaner
frei. Die Taliban verlangen im Gegenzug die Freilassung des letzten
Afghanen, der in Guantánamo festgehalten wird, Muhammad Rahim.
## Streit um koloniale Grenzziehung
Unterdessen enthüllte Taliban-Verteidigungsminister Mohammad Jakub,
Verhandlungen nach der letzten Runde des Grenzkrieges im Oktober seien
gescheitert, weil Pakistan die Anerkennung der von Afghanistan nie
akzeptierten [8][kolonialen Grenzziehung zwischen beiden Ländern
verlangte]. Andere Verhandlungsteilnehmer hatten einen weiteren Grund
durchsickern lassen: Sie wollten Pakistans schriftliche Garantie, dass es
keine US-Drohnenflüge von dort aus über Afghanistan mehr geben solle.
Pakistan habe abgelehnt, weil das ein Abkommen mit den USA über die Nutzung
seines Luftraumes verletzen würde.
## Drohnen über Afghanistan
Über Afghanistan werden immer wieder Drohnen gesichtet. Am 1. Januar
stürzte eine bei Kabul ab, die Analysten als MQ-9 Reaper der US Air Force
identifizierten. [9][Im vergangenen Oktober griffen nicht identifizierte
Flugobjekte ein Ziel in Kabul an], bei dem es sich einigen Medien zufolge
um einen Taliban-Kommandeur aus Pakistan gehandelt habe. Zu diesem
Luftschlag hat Pakistan sich nie bekannt.
11 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.facebook.com/UNAMA.News/photos/update-on-civilian-casualties-in-afghanistan-6-march-2026-further-to-its-stateme/1316295137211495/
(DIR) [2] https://www.wfp.org/news/wfp-warns-deepening-crisis-afghanistan-insecurity-flares-eastern-southern-and-western-border
(DIR) [3] /Erbeutete-US-Waffen/!6074081
(DIR) [4] /Konflikt-Pakistan-Afghanistan/!6158825
(DIR) [5] https://www.dawn.com/news/1945431
(DIR) [6] https://www.dawn.com/news/1945431
(DIR) [7] https://www.dawn.com/news/1945431
(DIR) [8] https://thekabultimes.com/full-text-of-interview-of-the-islamic-emirates-defense-minister-withtolo-news/
(DIR) [9] https://thekabultimes.com/full-text-of-interview-of-the-islamic-emirates-defense-minister-withtolo-news/
## AUTOREN
(DIR) Thomas Ruttig
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