# taz.de -- Schwere Kämpfe in Pakistan: Aufständische Separatisten greifen in Belutschistan an
       
       > Die Regierung Pakistans will die schwersten Angriffe seit Jahren
       > erfolgreich zurückgeschlagen haben. Verantwortlich sei – wie üblich –
       > Indien.
       
 (IMG) Bild: Bei Angriffen mutmaßlicher separatistischer Rebellen auf eine Polizeitstation in Quetta wurden am 1. Februar Fahrzeuge zerstört
       
       Bei Kämpfen mit Aufständischen in der pakistanischen Südwestprovinz
       Belutschistan sind nach Regierungsangaben seit Freitag 210 Menschen getötet
       worden. Separatistische Rebellen hatten in der an Iran und Afghanistan
       grenzenden Provinz in mehr als zehn verschiedenen Orten staatliche
       Einrichtungen und Posten der Sicherheitskräfte mit Schusswaffen und
       Selbstmordattentaten angegriffen. Dabei wurden auch 30 Gefängnisinsassen
       befreit.
       
       Am Wochenende bekannte sich die Befreiungsarmee Belutschistan (BLA) zu den
       Angriffen unter anderem in der Provinzhauptstadt Quetta sowie der
       Hafenstadt Gwadar nahe der iranischen Grenze. Gwadar ist Endpunkt des
       [1][China-Pakistan Wirtschaftskorridors (CPEC)], verbindet das Arabische
       Meer mit der chinesischen Provinz Xinjiang und ist für die Volksrepublik
       von großer strategischer Bedeutung.
       
       Nach Regierungsangaben wurden insgesamt 177 Terroristen getötet, zudem
       starben 18 Zivilisten, einschließlich Kindern, sowie 15 Sicherheitskräfte.
       Laut AFP nannte ein hochrangiger Armeevertreter in Islamabad die Angriffe
       „koordiniert, aber schlecht ausgeführt“. Deshalb seien sie auch
       „gescheitert“.
       
       Die Zeitung [2][The Express Tribune] meldet mit Verweis auf
       Regierungsangeben, dass in der Nacht zu Montag die letzten 22 der
       verbliebenen Angreifer getötet wurden. Aus Regierungskreisen hatte es zuvor
       geheißen, das Militär habe schon vorab von den Angriffen erfahren und sich
       deshalb vorbereiten können.
       
       ## Rebellen wollen 200 Regierungskräfte getötet haben
       
       Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif machte wie schon in früheren
       ähnlichen Fällen den benachbarten Erzfeind Indien für die Angriffe
       verantwortlich, legte aber keinerlei Beweise vor. Die Regierung in Delhi
       wies die Vorwürfe umgehend zurück. Pakistan wolle nur von „eigenen internen
       Versäumnissen“ ablenken.
       
       Die BLA, in deren Rängen auch Frauen kämpfen, erklärte laut der Webseite
       des [3][indischen Fernsehsenders NDTV], sie habe ihrerseits 200
       Sicherheitskräfte getötet und selbst 18 Verluste erlitten. Die jeweiligen
       Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Ein von den
       Rebellen entführter Lokalpolitiker wurde nach deren Angaben wieder
       freigelassen. Die Regierung wirft den Rebellen vor, Geiseln als menschliche
       Schutzschilde eingesetzt zu haben.
       
       Die BLA wurde im Jahr 2000 gegründet und begann 2004 den bewaffneten Kampf
       mit dem Ziel der Unabhängigkeit der Region. In den USA und anderen
       westlichen Ländern ist sie als Terrororganisation gelistet. Die
       Sicherheitsbehörden schätzen die BLA als größte separatistische
       Rebellengruppe Belutschistans mit bis zu 3.000 Kämpfern ein. Pakistans
       Sicherheitskräfte gehen in Belutschistan brutal gegen Nationalisten vor.
       [4][Das Verschwindenlassen und das Töten auch friedlicher Aktivisten sind
       verbreitet.]
       
       Belutschistan ist etwa so groß wie Deutschland und Pakistans größte, aber
       auch ärmste Provinz. Sie ist mit 12,5 Millionen Einwohnern vergleichsweise
       dünn besiedelt und zugleich sehr rohstoffreich. Einige lokale Politiker und
       Führer der Belutschen-Stämme beschuldigen Staat und Armee, der Volksgruppe
       die ihnen zustehenden Anteile an heimischen Bodenschätzen vorzuenthalten.
       
       ## Umstrittenes chinesisches Großprojekt
       
       Die Einrichtung des Wirtschaftskorridors CPEC ist ein Ansatz der Regierung
       zur Befriedung und Entwicklung Belutschistans wie des ganzen Landes. Das
       chinesische Megaprojekt im Umfang von 62 Milliarden US-Dollar begann 2013
       und ist Teil von Pekings neuer Seidenstraßeninitiative. CPEC besteht aus
       einem Netz von Schnellstraßen, Eisenbahnlinien sowie Industriezonen,
       Kraftwerken, Dämmen und Glasfaserkabeltrassen. Bereits mehrfach waren
       Arbeiter und Ingenieure aus China oder chinesische Einrichtungen das Ziel
       separatistischer Angriffe.
       
       Pakistans Regierung schickt seitdem noch mehr Soldaten und Paramilitärs
       nach Belutschistan. Im März 2025 hatte die BLA einen Zug gestoppt und rund
       450 Passagiere als Geiseln genommen. Bei ihrer Befreiung wurden nach
       Armeeangaben 58 Menschen getötet, darunter 21 Zivilisten.
       
       2 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Der-China-Pakistan-Economic-Corridor/!5825589
 (DIR) [2] https://tribune.com.pk/story/2590371/security-forces-kill-22-more-terrorists-in-balochistan-as-three-day-toll-hits-177
 (DIR) [3] https://www.ndtv.com/world-news/women-fidayeens-ied-attacks-how-baloch-rebels-killed-200-pakistan-personnel-10928976
 (DIR) [4] /Proteste-in-pakistanischer-Provinz/!5823402
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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