# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Gib mir mehr von der atonalen Musik
> Weil Lieder Brücken sein sollen, sollte man einen Song von Merle Hazard
> hören. Und die Herausforderung der Neuen Musik, Synthie-Pop und Jazz
> dazu.
(IMG) Bild: 2026 sollte zu seinem Hunderststen doch auch sein Jahr sein: Morton Feldman
Vor Kurzem wurde mir ein Lied zugespielt, das jetzt weder schreiend aktuell
ist noch einen besonderen Berlin-Bezug hat, und trotzdem will ich das hier
weiterspielen. Weil es halt so umwerfend ist, eine echte kontextuelle
Herausforderung. Und das ganz charmant gemacht.
Es ist einfach ein hübsch groovender Country-Song, das die musikalische
Seite, und im Text geht es dann um die Harte-Brocken-Musik, um
Zwölftonreihen und dass dieser melodische Schmus von Chopin und Konsorten
doch passé sei und dass man unbedingt mehr von der atonalen Musik haben
möchte, Schönberg, Strawinsky, Alban Berg … er ist einfach herrlich, dieser
Song, „(Gimme Some of That) Ol’ Atonal Music“ von Merle Hazard aus dem Jahr
2019, den Horizont erweiternd und von einer ganz luziden Schönheit, wenn
zum Beispiel die [1][Banjo-Virtuosin Alison Brown mitten im Lied] ein Solo
hineinkantet, das an schroffer Schrägheit keine Wünsche offen lässt. Also,
reinhören. Weiterreichen!
So ein Lied kann jedenfalls wirklich eine Brücke sein, man muss sich halt
nur mal rübertrauen. Egal, auf welcher musikalischen Seite man gerade
steht.
Ein guter Versuch ist da am Samstag die Musik von Morton Feldman, dem
amerikanischen Komponisten, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte
feiern können. Im Radialsystem ist mit dem Ensemble KNM Berlin in großer
Besetzung dessen Spätwerk „For Samuel Beckett“ zu hören, also bestimmt
keine begütigende Wiegenliedmusik, sondern schon deutlich mehr diese
liebenswerten „wirren Hops“, von denen Merle Hazard singt, eine
Materialsammlung an Spannungen, ja, doch, gimme some of that ol' atonal
music. Damit die Ohren was zu knabbern haben ([2][Radialsystem], 21.2., 20
Uhr).
Andere Spannungen, dunkel und irgendwie doch auch gemütlich: Mihály Víg mag
man aus den Filmen von Béla Tarr kennen, für die er die Musik schrieb und
in denen er auch zu sehen war. Mit der Band Balaton, die eine bis zurück in
die 80er Jahre reichende Geschichte im musikalischen Underground Budapests
hat, kommt er am Sonntag ins Silent Green mit einer psychedelisch
schrammelnden Musik, bei der man sich gern die schwarzen
Velvet-Underground-Sonnenbrillen dazu denken darf, die im Underground ja
mal heilige Pflicht waren. ([3][Silent Green], 22. 2., 20 Uhr)
Wer jetzt bei der Stichwortreihe „Funk, Master Plan, Ritual, kollektive
Improvisation, Space-Age-Jazz, Fela Kuti, Vision, Tanzboden“ wenigsten drei
bis vier davon ankreuzen mag, ist dann bestimmt auch beim Konzert von Sonic
Interventions am Montag im HAU1 gut aufgehoben, wo das vielköpfige und
multinationale „Underground-Jazz-Kollektiv“ aus Berlin, das 2025 mit dem
Deutschen Jazzpreis als „Newcomer des Jahres“ ausgezeichnet wurde, spielt
([4][HAU1, 23. 2., 19:30 Uhr]).
Und dass Bella Wakame, [5][das Duo des Notwist-Trommlers Andi Haberl mit
dem Synthesizer-Mann Florian Zimmer], manchmal so poppig wie dunnemal
„Popcorn“, der erste Sythesizer-Welthit, klingen, gefällt mir natürlich
gut. Aber die beiden stellen sich schon auch der elektronischen Gegenwart,
am Mittwoch im [6][Donau115] (25. 2., Einlass 19.30 Uhr).
20 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=gzodB0Sp6ZI
(DIR) [2] https://www.radialsystem.de/de/veranstaltungen/morton-feldman-for-samuel-beckett/
(DIR) [3] https://www.silent-green.net/programm/detail/vig-mihaly-balaton?tx_news_pi1%5Bday%5D=22&tx_news_pi1%5Bmonth%5D=2&tx_news_pi1%5Byear%5D=2026&cHash=30697edceacb670451364198d11c22de
(DIR) [4] https://www.hebbel-am-ufer.de/programm/pdetail/sonic-interventions-sera-kalo-konzert
(DIR) [5] https://bellawakame.bandcamp.com/album/bella-wakame
(DIR) [6] https://www.songkick.com/concerts/42919313-bella-wakame-at-donau115?utm_source=1471&utm_medium=partner
## AUTOREN
(DIR) Thomas Mauch
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