# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Der ganze eigene Stil
> Das Duo Ruut spielt Zither. Die Galerie Hošek Contemporary kommt aus dem
> Winterschlaf zurück. Und das Quartett YĪN YĪN schielt Richtung
> Südostasien.
(IMG) Bild: Das Duo Ruut schöpft unter anderem aus den musikalischen Traditionen Finnlands und des Baltikums
Zwei Frauen teilen sich ein Instrument – eine Zither. Was als Prämisse
schräg und zudem zwangsläufig minimalistisch anmutet, entwickelt
bemerkenswerte Avantpop-Qualitäten.
Ann-Lisett Rebane und Katariina Kivi vom Duo Ruut aus Estland stehen sich
an der Kannel – so heißt diese Kastenzither aus dem baltisch-finnischen
Raum – gegenüber und zupfen nicht nur an den Seiten, sondern nutzen den
Korpus als Perkussionsinstrument. Sie singen dazu harmonisch mit ihren
ätherischen Stimmen, was einen fast chorartigen Effekt hat.
Dabei schöpfen sie nicht nur aus den Traditionen Finnlands und des
Baltikums – etwa in Gestalt von Runengesängen, die oft fast mantraartig
wirken. Sie lassen sich auch von ganz anderen Kulturen inspirieren.
Unlängst erschien ihr zweites Album „Ilmateade“, was soviel bedeutet wie
„Der Wetterbericht“. Dessen Bedeutung sollte man ja im Hinblick auf die
Alltagsplanung bekanntermaßen nicht unterschätzen. ([1][Kuppelhalle im
Silent Green], 28.2., 20 Uhr)
## Irgendwo zwischen Zirkus und Avantgarde
Die Galerie Hošek Contemporary kommt mit einer schönen
Sonntagabend-Veranstaltung zurück aus dem Winterschlaf. Das „Berlin
Improvisers Orchestra“ wird eine experimentelle Soundinstallation
präsentieren, die irgendwo zwischen Zirkus, Big Band und
Avantgarde-Ensemble zu verorten ist – was sicher ein fulminanter Spaß wird.
([2][Auf dem MS Heimatland am Märkischen Ufer], 1.3., 19 Uhr)
Wo wir schon bei herzerwärmenden Shows sind: Die Niederlande, insbesondere
Amsterdam, sind offenbar ein Hotspot für eklektischen Global-Pop mit
Tanzflächen-Tauglichkeit geworden. Die populären „Altın Gün“ etwa greifen
türkische Traditionen auf, „Nusantara Beat“ mischen ihrem groovenden Mix
eine Prise Gamelan und andere indonesische Zutaten bei – und auch das
Quartett YĪN YĪN schielt Richtung Südostasien.
Außerdem fügten sie dem Sound ihres gerade erschienen vierten Album „Yatta“
Funk und eine gehörige Dosis spacige Italodisco-Einflüsse hinzu. So in etwa
mag man sich die Filmmusik zu einem thailändischen Spaghettiwestern
vorstellen. In derart trüben Zeiten kann klangliche Buntheit ja nur ein
Gewinn sein. ([3][Gretchen], 2.3., 20 Uhr)
Wenn sich der Glaube an Fortschritt und Vernunft als Illusion zu erweisen
scheint (so dürfte es ja gerade vielen gehen): Was macht das mit dem
Wunsch, sich zu widersetzen, ja Widerstand zu leisten – wo die Vernunft es
doch einfach gebietet?
Von dieser Crux handelt die zweiteilige performative Collage „Roses
Rising“, die halb Konzert, halb Ballet und zudem von der Protestkultur der
1970er Jahre inspiriert ist. „The Movement“ heißt der erste Teil der
Performance, die mit detailreichen Bühnenbildern und Kostümen aufwartet –
und ist am ersten März-Wochenende im Lichthof des Gropius Bau zu erleben;
der zweite Teil „The Dinner“ dann Mitte April im HAU. Der ganze eigene Stil
der Regisseurin Leila Hekmat verbindet Komödie und musikalisches Tableau
vivant. ([4][Gropius Bau], 6.+7.3., 20 Uhr)
27 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://tickets.listencollective.com/produkte/90264-tickets-duo-ruut-silent-green-kuppelhalle-berlin-am-28-02-2026
(DIR) [2] https://www.facebook.com/events/25844479425191747
(DIR) [3] https://www.gretchen-club.de/detail.php?id=3075
(DIR) [4] https://tickets.kbb.eu/kbb.webshop/webticket/bestseatselect?eventId=16032
## AUTOREN
(DIR) Stephanie Grimm
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