# taz.de -- CDU-Parteitag in Baden-Württemberg: CDU geht entschlossen gegen Lifestyle-Teilzeit vor
       
       > Die Wahl von Parteichef Friedrich Merz, Reformstreit und Merkel-Faktor
       > bestimmen den CDU-Parteitag – mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen.
       
 (IMG) Bild: Fähnchenfreunde in Baden-Württemberg
       
       Getreu seinem Credo „Wir müssen mehr arbeiten“ geht Friedrich Merz beim
       Bundesparteitag am Freitag und Samstag rigoros gegen [1][die
       Teilzeit-Mentalität in den eigenen Reihen vor.] Auf Entscheidung des
       Parteivorsitzenden sei der Ausschank von alkoholischen Getränken am
       Freitagabend auszulassen, heißt es in einem Schreiben der Parteizentrale an
       die Aussteller, über das zuerst der Tagesspiegel berichtete.
       
       Das Ziel hinter der Direktive: Merz will verhindern, dass Delegierte
       scharenweise den Saal verlassen, um ihr Feierabendbier oder -weinchen zu
       schlürfen, während drinnen noch über Anträge diskutiert und abgestimmt
       wird.
       
       Das Antragsbuch umfasst immerhin 444 Seiten – zwei Tage dürften kaum
       reichen, um alles abzuarbeiten. Zumal die 1.001 Delegierten am Freitag den
       gesamten Bundesvorstand neu wählen, einschließlich des Vorsitzenden. Merz
       braucht ein starkes Ergebnis, das ihm den Rücken stärkt. Spätestens seit
       der verpatzten Kanzlerwahl am 6. Mai, als er im ersten Wahlgang durchfiel,
       ist sichtbar, dass Teile von Partei und Fraktion mit ihm und seiner
       Regierung fremdeln. Bei seiner Wiederwahl vor zwei Jahren kam er auf knapp
       90 Prozent – Enthaltungen nicht eingerechnet.
       
       Würde Merz mit deutlich unter 90 Prozent gewählt, wäre das aber auch für
       die CDU kein gutes Signal. Zumal der Parteitag in Stuttgart stattfindet und
       eigentlich Rückenwind für die Landtagswahl in zwei Wochen geben soll. Doch
       die Bundespartei erweckte in den vergangenen Wochen eher den Eindruck eines
       kopflosen Hühnerhaufens.
       
       Nicht abgestimmte Sozialreform-Vorschläge, die nach dem Motto „Je härter,
       desto besser“ an die Medien gespielt wurden, prägten die Berichterstattung:
       unbezahlte Krankentage, die Abschaffung der „Lifestyle-Teilzeit“ und der
       Vorstoß des CDU-Wirtschaftsrats, Zahnbehandlungen privat zahlen zu lassen.
       Der Wirtschaftsrat ist keine CDU-Gliederung und nicht antragsberechtigt;
       den Teilzeit-Vorschlag hat die Antragskommission inzwischen abgeschwächt.
       
       ## Merkel dürfte Merz die Show stehlen
       
       Dennoch dürfte das Thema [2][Sozialreformen] auf dem Parteitag größeren
       Raum einnehmen, hatte die CDU doch im Bundestagswahlkampf konsequente
       Reformen und Milliardeneinsparungen versprochen. Mit dem Antrag „Reformjahr
       2026“ will die Junge Union die Vorschläge bündeln. Gefordert werden ein
       höheres Renteneintrittsalter, eine Entkopplung der Renten von den Löhnen,
       mehr private Vorsorge und Karenztage bei Krankmeldungen.
       
       [3][Ein weiteres heiß diskutiertes Thema könnten schärfere Regeln für
       soziale Medien] und die Einführung einer Altersbegrenzung sein. Der
       Landesverband Schleswig-Holstein fordert, TikTok, Insta und Co. für unter
       16-Jährige zu verbieten. Auch Merz äußerte im Podcast „Machtwechsel“
       Sympathien für entsprechende Vorschläge.
       
       Der Leitantrag des Parteivorstands zum Wohnen zielt auf mehr Wohnraum und
       die Förderung von Eigentum – vor allem durch Bürokratieabbau. Die
       Mietpreisbremse soll nach 2029 auslaufen und durch „ein Instrument mit
       einer besseren sozialen Steuerungswirkung“ ersetzt werden. Der
       Arbeitnehmerflügel fordert indes, die Rechte von Mieter:innen zu
       stärken, und will Bußgelder prüfen, falls die Mietpreisbremse verletzt
       wird. Die Antragskommission empfiehlt, diesen Änderungsantrag abzulehnen.
       
       Ein Gast wird sich wahrscheinlich nicht zu Wort melden: Ex-Parteichefin und
       Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt erstmals seit sieben Jahren wieder zum
       Parteitag und wird Merz wohl einen Teil der Show stehlen. Wenn der
       Parteitag am Samstagnachmittag zu Ende geht, braucht Merz vermutlich auch
       erst mal ein Bier.
       
       20 Feb 2026
       
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