# taz.de -- Berlinale antwortet auf Gaza-Vorwürfe: Der Bandbreite an Perspektiven gerecht werden
> Mehrere Filmstars warfen der Berlinale vor, sich nicht ausreichend zum
> Gazakrieg zu positionieren. Die Festivalchefin Tricia Tuttle weist das
> zurück.
(IMG) Bild: Festivalleiterin Tricia Tuttle vor einer Filmvorführung bei der 76. Berlinale
dpa/taz | Die Berlinale hat auf einen [1][offenen Brief] von
Filmschaffenden reagiert und den Vorwurf zurückgewiesen, kritische Stimmen
zum Krieg im Gazastreifen zu zensieren. Es stimme nicht, dass sie
Filmemacher „zum Schweigen gebracht“ oder „eingeschüchtert“ hätten, sagte
Festivalchefin Tricia Tuttle der Deutschen Presse-Agentur.
Das Branchenblatt Variety hatte zuvor einen Text veröffentlicht, in dem
rund 80 Filmschaffende der Berlinale eine mangelnde Positionierung im
Gazakrieg vorwerfen. Unterzeichnet wurde der Brief etwa von Schauspielerin
Tilda Swinton („The Room Next Door“) und Schauspieler Javier Bardem („F1“).
Der Brief habe sie überrascht und es sei „unglaublich hart“ gewesen, ihn zu
lesen, sagte Tuttle. Einige der Unterzeichner kenne sie und sie habe sich
gewünscht, dass sie sie zuerst kontaktiert hätten, um über einige
Behauptungen zu sprechen.
Dazu gehört auch Schauspielerin Swinton, die 2025 den [2][Goldenen
Ehrenbären] der Berlinale erhalten hatte. „Wie bei den anderen Leuten war
ich enttäuscht, dass wir vor der Unterzeichnung des Briefes nicht
miteinander sprechen konnten. Ich werde auf jeden Fall ein Gespräch darüber
führen.“
## Position von Tuttle
In dem Brief erklären Künstlerinnen und Künstler etwa, sie seien entsetzt
über das „institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den
Palästinensern“. Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu
begehen. Das ist auch die Position der Bundesregierung.
Zur Frage, wie ihre Position sei, sagte Tuttle, sie sei zutiefst betroffen
über den Verlust von Menschenleben in der Zivilbevölkerung. „Ich fordere
Israel nachdrücklich auf, sich an das Völkerrecht zu halten. Ich bin auch
der Meinung, dass die Regierungen und Partner Israels dafür sorgen müssen,
dass sie sich an das Völkerrecht halten, um das Leben der Zivilbevölkerung
zu schützen.“ Aber dies sei eine komplexe Angelegenheit. „Es ist keine
Angelegenheit, deren Komplexität und Sensibilität man in einem kurzen
Statement vermitteln kann.“
„Wir wissen, dass die Darstellung von Menschen als ‚propalästinensisch‘
oder ‚proisraelisch‘ die komplexe Bandbreite an Perspektiven verengt und
den Diskussionen, die wir über eines der schwierigsten und
polarisierendsten Themen unserer Zeit führen müssen, nicht gerecht wird“,
sagte Tuttle. „Ich halte es für sehr gefährlich, wenn das Festival Stellung
bezieht, weil es damit Raum nimmt und Menschen signalisiert, dass sie nicht
zu dieser Diskussion eingeladen sind und ihre Meinung nicht äußern dürfen.“
## Position von Wim Wenders
Die Unterzeichner des Briefs hatten auch Jurypräsident Wim Wenders
kritisiert, der [3][bei einer Pressekonferenz] nach einer Positionierung
zum Nahostkonflikt befragt worden war. Der Regisseur („Perfect Days“,
„Paris, Texas“) sagte, die Jury könne sich nicht auf das Feld der Politik
begeben. Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten, sie
seien ein Gegengewicht zur Politik. Die indische Schriftstellerin Arundhati
Roy kritisierte das und sagte ihre Teilnahme ab.
Tuttle stellte sich hinter Wenders und sagte, es sei nur ein Ausschnitt aus
seinen Aussagen herausgegriffen worden, was sie traurig mache. „Denn dieser
Mensch zeigt seit 50 Jahren mit unglaublichen Filmen eine immense Empathie
für die Menschen. Er hat uns Menschen sehen lassen, die vielleicht sonst
unsichtbar geblieben wären. In seinen Werken steckt immer ein politisches
Element“, sagte sie.
19 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Der-Gaza-Krieg-in-der-Kultur/!6155609
(DIR) [2] /Abschluss-der-75-Berlinale/!6068358
(DIR) [3] /Berlinale-Absage-von-Arundhati-Roy/!6154789
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) Gaza
(DIR) Kino
(DIR) Tricia Tuttle
(DIR) Palästina-Proteste
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) Film
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Der Gaza-Krieg in der Kultur: Und wieder ein offener Brief
Über 80 Filmschaffende unterzeichnen einen offenen Brief an die Berlinale.
Der Vorwurf: Das Festival positioniere sich nicht ausreichend zu Gaza.
(DIR) 76. Berlinale beginnt: Aus Liebe zum Kino
Die am Donnerstag beginnende 76. Berlinale ist die zweite unter der Leitung
von Tricia Tuttle. Leichter scheint es das Filmfestival diesmal nicht zu
haben.
(DIR) Film „Perfect Days“ von Wim Wenders: Schattenspiel auf der Toilettenwand
Wim Wenders hat mit „Perfect Days“ einen trügerisch schlichten und schönen
Film gedreht. Sein Hauptdarsteller bleibt unerschütterlich ruhig.