# taz.de -- Debütfilm „Ich verstehe Ihren Unmut“: Sie scheint mit ihrer Arbeitsweste verwachsen
       
       > „Ich verstehe Ihren Unmut“ ist sozialrealistische Immersion par
       > excellence, die schwer zu ertragen ist. Dies ist als Kompliment zu
       > verstehen.
       
 (IMG) Bild: Heike (Sabine Thalau) in „Ich verstehe Ihren Unmut“
       
       Die Kamera von Louis Dickhaut und Frederik Seeberger klebt an Heike (Sabine
       Thalau, die als Objektleiterin in einer Reinigungsfirma arbeitet). Die
       Endfünfzigerin steht unter Dauerstrom, fährt von Objekt zu Objekt, darunter
       Einkaufszentrum und Kindergarten. Heike hetzt treppauf und -ab, ermahnt
       Mitarbeiter:innen, darunter viele mit Migrationsgeschichte, zu ordentlicher
       Arbeit. Sie füllt Kanister mit Reinigungsmittel, stopft schmutzige
       Putzlappen in blaue Säcke und streitet sich während den Autofahrten mit
       unzufriedenen Kund:innen am Handy oder im Büro mit dem Chef.
       
       „Wir putzen nicht, wir reinigen“, sagt sie einmal und wirbt damit um
       Anerkennung für den Knochenjob.
       
       Es ist ein ungeschönter und zugleich humanistischer Blick, den Kilian
       Armando Friedrich in seinem gemeinsam mit Tünde Sautier und Daniel Kunz
       geschriebenen Debütspielfilm auf Menschen im Niedriglohnsektor wirft. Ein
       Thema, das den Regisseur bereits in seinem [1][mit Tizian Stromp Zargari
       realisierten mittellangen Dokumentarfilm „Atomnomaden“] beschäftigte. Vor
       rauchenden Schloten entwarf er das Porträt französischer Arbeitsnomaden,
       die unter prekären Verhältnissen in Atomkraftwerken arbeiten – eine Film
       gewordene Dystopie, die den deutschen Kurzfilmpreis in der Kategorie
       mittellanger Film gewann.
       
       Auch in „Ich verstehe Ihren Unmut“ werden Menschen sichtbar, auf die unsere
       Gesellschaft nicht verzichten kann, die aber dennoch kaum gesehen und von
       harten Arbeitsbedingungen und finanzieller Unterversorgung geschlaucht
       werden. Es ist nach Filmen wie Petra Volpes „Heldin“ ein weiteres
       Arbeitsplatzdrama mit hohem Puls.
       
       ## Kurz vor dem Kollaps
       
       Heike, von Sabine Thalau in ihrer ersten Rolle überhaupt sehr authentisch
       gespielt, versucht den Laden und die Kolleg:innen zusammenzuhalten und
       begibt sich dafür auch in halbillegale Gefilde. Nachdem sie einen nicht
       offiziell angemeldeten Arbeiter eines Subunternehmers abwerben will, muss
       sie einen Mitarbeiter ihrer Firma loswerden, damit der Subunternehmer die
       Zusammenarbeit nicht einstellt. Damit und mit dem Verkauf gepanschter
       Reinigungskanister riskiert sie ihren Job und die Freundschaft zu Kollegin
       Taja (Nada Kosturin).
       
       Wird die Frau mit der kleinen eckigen Brille dabei mitspielen? Eine Frage,
       die man sich bei ihrem Pensum unweigerlich stellt. Bis auf wenige Momente,
       etwa auf einer unerwarteten Feier mit ihrem Mitbewohner, ist sie regelrecht
       mit ihrer Arbeitsweste mit dem Firmenlogo verwachsen. Als Heike den
       Schalter auf Reset stellen und einen kollaborativ gedachten Neuanfang wagen
       will, rät die Beraterin im Arbeitsamt von „Experimenten“ in ihrem Alter ab.
       „Ich würde ihnen jetzt raten, einfach weiter zu funktionieren.“
       
       Einfach weiter funktionieren: die notwendige Perversion eines Systems am
       Anschlag. Die ganze Absurdität von Friedrich Merz' Mär von den faulen
       Deutschen manifestiert sich in diesem Film.
       
       19 Feb 2026
       
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