# taz.de -- Konsequenzen aus Anschlag auf Stromnetz: Senat drängt auf Lockerung beim Datenschutz
> Schwarz-Rot will Betreibern von Stromnetzen mehr Videoüberwachung im
> öffentlichen Raum ermöglichen und dafür das Datenschutzgesetz lockern.
(IMG) Bild: Am Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal ereignet sich Anfang Januar der Anschlag auf das Stromnetz
Der schwarz-rote Senat hat knapp sechs Wochen nach dem Anschlag auf das
Stromnetz einen Gesetzentwurf zur Lockerung des Datenschutzgesetzes
angeschoben. Wie direkt nach [1][dem viertägigen Blackout im Berliner
Südwesten] angekündigt, soll das Gesetz die Videoüberwachung sensibler
Punkte im Stromnetz nicht länger einschränken. „Wir halten keinen
Datenschutz aufrecht, der Täter schützt“, sagte Regierungschef Kai Wegner
(CDU) am Dienstag nach der Senatssitzung vor Journalisten.
Die Attacke auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal am Kraftwerk
Lichterfelde hatte am frühen Morgen des 3. Januar dafür gesorgt, dass rund
45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung dastanden. Die Kabelbrücke, die an
einem grundsätzlich öffentlichen, aber wegen Bauarbeiten gesperrten Fußweg
liegt, war nicht überwacht. Das Stromnetz [2][verläuft laut Senat zu 99
Prozent unterirdisch]. Vom oberirdisch verbleibenden einem Prozent ist –
wie am Teltowkanal – diesen Angaben zufolge ein Viertel nicht überwacht
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte schon bei einem früheren
Anschlag im September auf das Stromnetz in Köpenick angeregt, das zu ändern
und dafür den Datenschutz – der einer Videoüberwachung im öffentlichen Raum
entgegensteht – etwas weiter hinten anzustellen.
Die Polizei hat diese Möglichkeit laut Innensenatorin Iris Spranger (SPD)
bereits durch das novellierte Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz.
„Videoüberwachung kann an allen vulnerablen Stellen gemacht werden“, sagte
Spranger bereits im Januar. Eine Änderung des Datenschutzgesetzes soll es
laut Wegner künftig auch Betreibern von Stromnetzen erlauben,
Videoüberwachung einzusetzen.
## Änderungen auch bei der Informationsfreiheit
Der Regierungschef drängte auch auf Änderungen im
Informationsfreiheitsgesetz. Schon SPD-Politikerin Giffey hatte es nach dem
Anschlag in Köpenick nicht für sinnig gehalten, sensible Informationen
öffentlich zugänglich zu lassen. Wegner folgte ihrer Argumentation:
„Sicherheit darf nicht durch Transparenzpflichten eingeschränkt sein.“
In Brandenburg hat sich die dortige Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge
bereits gegen einen solchen Kurs ausgesprochen. „Der Zugang zu
Informationen muss weiter die Regel bleiben, von der nur in tatsächlich
erforderlichem Maße abgewichen werden sollte“, [3][sagte Hartge Anfang
Februar dem Tagesspiegel.] „Die Informations- und Transparenzgesetze
berücksichtigen jedenfalls den Schutz der öffentlichen Sicherheit schon
jetzt in ausreichender Weise.“
Der vom Senat nun erstmals beratene Entwurf geht jetzt an den Rat der
Bürgermeister. In zwei Wochen will ihn die Landesregierung beschließen.
Bereits Mitte März könnte er Thema im Abgeordnetenhaus sein. „Wir stehen
hier unter Zeitdruck“, sagte Wegner. Er skizzierte die vom Senat
angestrebte Linie so: „Wer es mit Berlin nicht gut meint, den nehmen wir im
wahrsten Sinn des Wortes in den Blick.“
17 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berliner-Stromausfall/!6143442
(DIR) [2] /Blackout-im-Berliner-Suedwesten/!6143683
(DIR) [3] https://www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/schutz-kritischer-infrastruktur-datenschutzbeauftragte-warnt-vor-einschrankungen-bei-transparenzregeln-15213816.html
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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