# taz.de -- Konsequenzen aus Anschlag auf Stromnetz: Vorsichtiger Aufschlag für den Katastrophenschutz
       
       > Das Maßnahmenpaket des Senats entpuppt sich als Bündel bekannter
       > Maßnahmen. Ein neues Gremium soll Berlins Infrastruktur krisenfest machen
       
 (IMG) Bild: Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal beim Kraftwerk Lichterfelde sorgte Anfang Januar für vier Tage Stromausfall
       
       „Maßnahmenpaket zur Nachbereitung der Großschadenslage“ war die schon
       vorbereitete Mitteilung überschrieben, die am Dienstagmittag im Presseraum
       des Roten Rathauses auslag. Doch was nach einer umfassenden schnellen
       Reaktion auf den Brandanschlag und den folgenden Stromausfall Anfang Januar
       klang, räumte Regierungschef Kai Wegner (CDU) schon in seinem ersten Satz
       ab. Es sei am Vormittag in der Senatssitzung nicht um ein Paket gegangen,
       sondern um „Vorschläge, die wir diskutieren in einem ersten Aufschlag“.
       
       Das klang nicht bloß nach Zurückrudern, sondern auch in der Wortwahl
       unglücklich. Denn wegen zwischenzeitlichen Tennisspiels während des
       Blackouts ist Wegner weiter in der Kritik. In dieser Lage Tennisvokabular
       zu verwenden und von „erstem Aufschlag“ zu sprechen, wenn er einen Entwurf
       oder eine Vorschlagssammlung meint, wäre besser zu vermeiden.
       
       Was der Regierungschef präsentierte, war in guten Teilen schon in seiner
       Regierungserklärung vor fast zwei Wochen zu hören: fünf Handlungsfelder,
       die vom Schutz der Infrastruktur über einen verstärkten Katastrophenschutz
       und mehr Befugnisse für den Verfassungsschutz über die Finanzierung des
       Ganzen reichen.
       
       Wirklich neu sind vorrangig die Namen der vier Mitglieder eines
       Beratungskreises, der „externe Expertise“ einbringen soll, also
       Sachverstand von außerhalb der Verwaltung. Ihm sollen angehören der
       ehemalige Bundeswehrgeneral Uwe Nerger, die Ende 2025 bei der Deutschen
       Bahn ausgeschiedene Ex-BVG-Chefin Sigrid Nikutta, Charité-Chef Heyo Kroemer
       – und der in Krisenbewältigung schon von mehreren Senaten eingesetzte
       Albrecht Broemme. Der frühere Berliner Feuerwehrchef und Ex-Präsident des
       Technischen Hilfswerks half bereits beim Aufbau eines Coronakrankenhauses,
       leitete Impfzentren und war bis Ende 2025 Flüchtlingskoordinator.
       
       Von dieser Gruppe erwartet Regierungschef Wegner bis Ende Mai einen
       Bericht, der die kritische Infrastruktur inklusive Verkehrsnetz und
       Gesundheitsversorgung analysiert. Das soll es möglich machen, noch vor der
       Abgeordnetenhauswahl am 20. September Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Bei
       aller Aufarbeitung war für Wegner schon am Dienstag klar, was vom Senat
       schon mehrfach zu hören war: „Das Krisenmanagement hat funktioniert.“
       
       Die Arbeit der Gruppe um Broemme steht für ihn nicht in Konkurrenz zu einer
       Arbeitsgruppe „Resilienz“ der Koalitionsfraktionen von CDU und SPD im
       Parlament. Wegner sieht darin vielmehr eine Ergänzung, gerade wenn es um
       rechtliche Anpassungen oder Haushaltsfragen geht. An den Sitzungen dieser
       AG nimmt nach eigenen Angaben auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) teil.
       
       Spranger sprach sich dafür aus, von Bundestag und Bundesregierung mehr Geld
       für die Aufgaben einzufordern, die das Land Berlin als Bundeshauptstadt
       übernimmt. Die vorliegende Vereinbarung dazu brauche „schnellste
       Überarbeitung“. Berlin ist nach ihren Worten aber auch beim
       Katastrophenschutz unterausgestattet und erhalte von der Bundesebene nur
       die Hälfte der eigentlich dem Land zustehenden Spezialfahrzeuge. „Berlin
       ist über Jahre benachteiligt worden“, sagte Spranger, „das werden wir nicht
       länger hinnehmen.“
       
       Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte dem schwarz-roten Senat schon
       am Vormittag vorgeworfen, zu spät zu reagieren. Sie verwiesen darauf,
       spätestens seit dem Anschlag auf das Stromnetz in Köpenick im September an
       einer „Strategie für eine krisenfeste Hauptstadt“ zu arbeiten. Einig sind
       sich die Grünen allerdings mit Wegner, dass Berlin, gerade als
       Bundeshauptstadt, weiter gefährdet ist. „Wir müssen davon ausgehen, dass
       Anschläge kommen können“, sagte Co-Fraktionschef Werner Graf und drängte
       auf Tempo. Denn: „Berlin ist auf den Ernstfall nicht vorbereitet.“
       
       27 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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