# taz.de -- Probleme des Wintersports: Olympias feines Gespür für Schnee
> Sportarten stehen vor sehr unterschiedlichen Herausforderungen. Was aber
> alle nervt, ist dies: Schnee. Braucht’s den wirklich im Winter?
(IMG) Bild: Schnee stört, Laubbläser korrigieren das: Olympiahelfer an der Sprungschanze in Predazzo
Der Neuschnee gefällt mir eigentlich ganz gut. Ich habe keine größeren
Probleme mit den Langlaufskiern, die ich mir ausgeliehen habe,
vorwärtszukommen, obwohl von der gespurten Loipe bei Livigno angesichts der
Neuschneemassen keine Spur zu sehen ist. Bisweilen sinke ich fast bis zu
den Knien ein. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber muss ich mir
keine Gedanken machen. Den olympischen Leistungsskifahrern geht es da
anders.
Die Alpinen unten in Bormio haben unter dem [1][Neuschnee] gelitten wie die
Hunde. Es gibt wirklich nichts Schlimmeres für ein Skirennen als
Schneefall. Hunderte Helfer haben alles getan, um die frischen Flocken aus
der Strecke zu bekommen. Laubbläser sind hier meist das Mittel der Wahl.
Wäre ja auch wirklich schade um die brettharte Piste, die man über Wochen
mit Kunstschnee und Salzen präpariert hat. Aber auch die Unterlage, die zum
Vorschein kommt, wenn der Neuschnee beiseite geschafft ist, hat jeden Tag
andere Eigenschaften. Riesenslalomolympiasieger [2][Lucas Pinheiro
Braathen] etwa fand den Schnee auf dem Slalomhang zu trocken.
Trockenskifahren scheint seine Sache also nicht zu sein.
Slalomolympiasieger Loïc Meillard aus der Schweiz war überrascht, dass der
Schnee einfacher war als erwartet. Am Samstag war er nicht so zufrieden.
„Der Schnee war tot“, sagte er nach dem Riesenslalom, den er als Dritter
beendet hatte. Was das wohl bedeuten mag? Da hilft vielleicht der Norweger
Henrik Kristoffersen weiter. Der hatte gesagt, der Schnee habe nichts
zurückgegeben. Vielleicht kein Wunder, wenn er doch tot war.
Ich hoffe jedenfalls, dass der [3][Pulverschnee], den ich mit den Skiern
plattwalze, nicht lebt. Ich will ihm ja nicht wehtun. Jedenfalls bin ich
glücklich, dass ich auf echtem, gerade gefallenem Schnee unterwegs bin.
Zumindest oberflächlich betrachtet ist das so. Unter dem Pulver liegt
nämlich der Schnee des vergangenen Jahres. In Livigno gibt es ein riesiges
Schneedepot, in dem der Schnee des Winters bis zum folgenden Oktober
eingelagert wird.
Dann wird er auf die Loipen aufgetragen, damit die Spitzenlangläufer früh
in der Höhe, [4][Livigno] liegt 1.816 Meter über dem Meeresspiegel,
trainieren können. [5][Snowfarming] nennt man das auf Schneedeutsch. Da
wird ein riesiger Schneehaufen unter Sägespänen und einer Kunststoffplane,
die das Sonnenlicht reflektiert, begraben, sodass er den Sommer über nicht
taut.
Wie sich der dann wohl anfühlt, frage ich mich und stelle fest, dass man
auch als ambitionsloser Hobbylangläufer beim Höhentraining ziemlich viel
über Schnee nachdenken kann.
17 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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