# taz.de -- Olympische Wettkampfstätten: Ganz schön hässlich, dieses Mailand
       
       > Sichtbeton, Autobahnbrücken, seelenlose Messegelände. Die olympischen
       > Sportstätten sind alles andere als schön, selbst wenn man mit dem Rad
       > hinfährt.
       
 (IMG) Bild: Die Eishockeyarena Santa Giulia in Mailand wurde Anfang dieses Jahres erst eröffnet
       
       Mailand ist hässlich. Das denke ich mir jedes Mal, wenn mich die U-Bahn
       wieder in einem unansehnlichen Businessdistrikt ausspuckt, in dem sich eine
       olympische Anlage befindet. [1][Das Medienzentrum mag zwar für Freunde des
       Brutalismus eine Augenweide sein], aber wer ist das schon wirklich?
       
       In einer nicht minder heftigen Sichtbetonhölle finden die
       Eiskunstlaufwettbewerbe statt und die [2][Eisschnellläuferinnen] laufen am
       Ende eines Messegeländes, das so seelenlos ist, wie man es von einem
       Messegelände nicht anders erwartet.
       
       Das Erste, was ich beim Verlassen der Anlage sehe, ist eine wuchtige
       Autobahnbrücke. So eine führt auch an der Eiskunstlaufhalle vorbei. Beim
       Blick aus dem Medienzentrum fallen mir die Tre Torri ins Auge, drei nicht
       besonders originelle Bürotürme, wie sie in jeder herkömmlichen chinesischen
       Millionenstadt auch stehen könnten.
       
       Das kann doch nicht alles sein, was Mailand zu bieten hat, denke ich mir
       und beschließe, mir für meinen nächsten Ausflug zu einer Wettkampfstätte
       ein Fahrrad auszuleihen. Alle paar Hundert Meter gibt es Stationen eines
       städtischen Bike-Sharing-Anbieters. Es dauert keine zwei Minuten, bis ich
       eines dieser gelben Fahrräder mit den schönen, verchromten Gepäckkörben aus
       seinem Ständer befreit habe. Endlich lerne ich Mailand kennen, freue ich
       mich und mache mich auf den Weg zur [3][Eishockeyarena] Santa Giulia.
       
       ## Logistikzentren, Lebensmittelgroßmarkt, Fernfahrergaststätten
       
       Nun, allzu viel sehe ich nicht von Mailand. Der holprige und löchrige Belag
       der Straßen, durch die mich das Navi schickt, verlangt all meine
       Konzentration. Wenn ich Straßenbahnschienen überqueren muss, werde ich
       durchgeschüttelt wie ein Abfahrer auf der Stelvio.
       
       Als ich endlich auf einem Radweg fahren kann, liegt das Stadtzentrum schon
       hinter mir. Ich komme an Logistikzentren und dem Lebensmittelgroßmarkt
       vorbei. Zwei riesige Fernfahrergaststätten werben für sich, eine mit
       brasilianischen Grillspezialitäten, eine andere mit Münchner Bier.
       
       Als mir das Navi mitteilt, dass ich mein Ziel erreicht habe, stehe ich auf
       dem Gelände eines Gebrauchtwagenhändlers. Vor den Spielen hatte ich gehört,
       dass befürchtet wurde, die Halle könnte nicht rechtzeitig fertig werden.
       Dass man gar nicht begonnen hatte, sie zu bauen, das überraschte mich dann
       doch.
       
       Ich wechselte auf den Routenplaner eines anderen großen US-Techkonzerns,
       der mich nochmal anderthalb Kilometer weiterschickte. Was ich als Erstes
       sah, als ich an der Halle ankam? Eine gewaltige Autobahnbrücke. Mailand
       kann wirklich ganz schön hässlich sein.
       
       12 Feb 2026
       
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 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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