# taz.de -- Rubio in der Slowakei und Ungarn: Die USA auf Atom- und Anti-Putin-Kurs
       
       > US-Außenminister Rubio unternimmt einen Angriff auf die Kreml-Kasse:
       > Washington will Putin seine lukrativen Energiegeschäfte mit EU-Staaten
       > nehmen.
       
 (IMG) Bild: US-Außenminister Marco Rubio zu Besuch bei Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán
       
       Unterstützung hat ihren Preis: US-Außenminister Marco Rubio hat dem vor den
       Wahlen schwer angeschlagenen ungarischen Premierminister [1][Viktor Orbán]
       den Rücken gestärkt, verlangt dafür aber eine Hinwendung Ungarns zu
       amerikanischen Energieträgern. „Präsident Trump setzt sich zutiefst für
       Ihren Erfolg ein“, sagte Rubio bei seinem Besuch in Budapest am Montag auf
       einer gemeinsamen Pressekonferenz. Er ergänzte mit Blick auf den selbst
       ernannten [2][Trump-Freund]: „Denn Ihr Erfolg ist unser Erfolg.“
       
       Nach seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz hatte Rubio am
       Sonntag zunächst die Slowakei besucht, wo – wie in Ungarn – ein
       EU-kritischer und bislang Pro-Putin-Regierungschef herrscht. „Wir verlangen
       nicht, dass Europa ein Vasall der Vereinigten Staaten wird. Wir wollen Ihr
       Partner sein“, sagte Rubio in Bratislava.
       
       Der US-Außenminister betonte, die USA würden „nicht nur die Slowakei,
       sondern ganz Mitteleuropa zu einem zentralen Bestandteil unseres
       Engagements auf dem Kontinent und in der Welt machen“. Und wie mit dem
       slowakischen Premier [3][Robert Fico] schloss Rubio auch mit Orbán eine
       „Energiepartnerschaft“.
       
       Wie zuvor schon US-Vizepräsident J. D. Vance in Armenien, vereinbarte Rubio
       mit der Slowakei und Ungarn die Belieferung der dortigen Atomkraftwerke mit
       amerikanischen Brennstäben und Nukleartechnik. Sollten neue Atommeiler
       gebaut werden, dann künftig durch den US-Konzern Westinghouse statt den
       russischen Staatskonzern [4][Rosatom]. Diesen nutzte der Kreml – neben Öl-
       und Gaslieferungen – viele Jahre lang als Hebel, um Länder politisch in
       Abhängigkeit zu halten. Nur die Ukraine hatte sich bisher von Rosatom bei
       der Versorgung ihrer AKWs gelöst.
       
       ## Auch Erdgas aus den USA
       
       Bisher planten auch Ungarn und die Slowakei den Ausbau ihrer Nuklearanlagen
       mit Rosatom. Nun hoffe die Slowakei laut Fico, nächstes Jahr Verträge mit
       Westinghouse über den Bau eines neuen 1.200-Megawatt-Meilers bis 2040 zu
       unterzeichnen. Ähnliches soll nach dem Treffen Rubios mit Orbán mit Ungarn
       geschehen: „Infolgedessen zahlen die Ungarn weiterhin die niedrigsten
       Versorgungskosten in Europa“, kündigte der ungarische Außenminister Péter
       Szijjártó ein Abkommen mit Westinghouse an.
       
       Zugleich sollen Ungarn und die Slowakei statt Erdgas über Pipelines aus
       Russland künftig verflüssigtes Erdgas (LNG) aus den USA kaufen. Ob die
       beiden Länder dem nach dem Rubio-Besuch Folge leisten, wird zur Nagelprobe
       werden.
       
       Während der Anteil russischen Rohöls an den Gesamt-Ölimporten der EU von 26
       Prozent im Jahr 2021 auf 3 Prozent zurückging, steigerte Ungarn seinen
       Anteil um 61 Prozent auf 86 Prozent. Die Slowakei ist zu 100 Prozent vom
       russischen Rohöl abhängig.
       
       [5][Aktuell verklagen die beiden EU-Mitglieder Brüssel] wegen des
       Ratsbeschlusses, ab 2027 alle russischen Gasimporte zu verbieten. Fico
       hatte das als „energetischen Selbstmord“ gegeißelt. Die beiden Regierungen
       behaupten, sie könnten wegen ihrer geografischen Lage russische
       Gaslieferungen nicht kappen. Indes hat die EU-Kommission darauf
       hingewiesen, dass andere Mitgliedstaaten, wie das auch nicht am Meer
       gelegene Tschechien, die Abkehr von russischen Energieträgern vollzogen
       haben. Außerdem könnten Ungarn und die Slowakei Mittel des
       RePowerEU-Programms für Investitionen für die Abkehr von Russland nutzen.
       
       Derweil wird in der russischen Presse panikartig verbreitet, dass Rubio mit
       Blankoverträgen nach Budapest und Bratislava gereist sei, in denen nur noch
       die Mengenangaben des zu importierenden US-Flüssiggases und die
       Unterschriften fehlten.
       
       ## 1,3 Milliarden Euro fließen in die Kreml-Kassen
       
       Ungarn und die Slowakei nehmen laut des finnischen [6][Centre for Research
       on Energy and Clean Air (Crea)] 35 Prozent der gesamten russischen
       Pipeline-Gasexporte ab. Zudem importieren beide Länder weiter russisches
       Öl. Auch im Dezember, in dem Russland mit fast 500 Millionen Euro täglich
       die niedrigsten Erlöse für fossile Energieträger seit dem Überfall auf die
       Ukraine am 24. Februar 2022 erzielt haben soll, war die EU laut Crea die
       viertgrößte Abnehmerin russischer Energie.
       
       Demnach fließen noch immer elf Prozent der russischen Exporte von Erdgas,
       LNG, Rohöl, Kohle und Ölprodukte nach Europa. Dadurch sollen allein im
       Dezember 1,3 Milliarden Euro in die Kreml-Kassen geflossen sein. Ungarn war
       demnach mit Öl- und Gaskäufen für 337 Millionen Euro allein im Dezember der
       viertgrößte Einzelkunde Moskaus. Allerdings machen LNG-Käufe Spaniens,
       Frankreichs und Belgiens mit 342 Millionen Euro im Dezember einen ähnlichen
       Betrag aus. Frankreich und Spanien hatten ihre Importe von Russen-LNG im
       Dezember sogar weiter erhöht.
       
       EU-Staaten als Öl- und GaskundInnen bleiben somit eine Lebensader für den
       Kreml, der ökonomisch und finanziell inzwischen massiv unter Druck steht.
       Nach jüngsten Berichten aus dem Kreml könnte das Haushaltsdefizit gegenüber
       den geplanten 1,6 Prozent auf 3,5 bis 4,4 Prozent des BIP steigen.
       
       Vor allem wegen drastisch sinkender Energieexporte: Moskaus
       Finanzministerium rechnet inzwischen mit einem weiteren 16-prozentigen
       Rückgang, nachdem 2025 die Exporterlöse merklich geschrumpft waren. Obwohl
       eine politische Enge zwischen Trump und Kremlherrscher Wladimir Putin
       wahrgenommen wird, haben vor allem die Sanktionsandrohungen Trumps gegen
       Indien wegen weiterer Ölkäufe aus Russland zu drastischen Einnahmeverlusten
       geführt.
       
       Am 12. April finden die Parlamentswahlen in Ungarn statt. Laut Umfragen
       liegt die rechtsnationalistische Fidesz-Partei des seit 2010 regierenden
       Orbán deutlich hinter der oppositionellen Tisza-Partei von Péter Magyar.
       
       16 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/slowakei-klage-importverbot-100.html
 (DIR) [6] https://energyandcleanair.org/december-2025-monthly-analysis-of-russian-fossil-fuel-exports-and-sanctions/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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