# taz.de -- USA im Südkaukasus: Donald Trump in Putins Vorgarten
       
       > Die USA schließen mit Armenien ein strategisch wichtiges Atom-Abkommen.
       > Der Kreml versucht, seinen Machtverlust zu verhindern.
       
 (IMG) Bild: JD Vance besuchte am Dienstag die armenische Völkermord-Gedenkstätte Zizernakaberd: geostrategischer Rückschlag für Russland
       
       Russland muss einen geostrategischen Rückschlag durch die USA hinnehmen.
       Und das auf einem Gebiet, das es seit dem Zerfall der Sowjetunion als
       seinen „Hinterhof“ ansieht. Armenien, bis vor Kurzem engster Verbündeter
       Moskaus im Südkaukasus, hat am Montag [1][bei einem Besuch von
       US-Vizepräsident JD Vance] eine Atomzusammenarbeit mit Washington
       vereinbart. Vance reiste am Dienstag ins benachbarte Aserbaidschan, um dort
       ähnliche strategische Abkommen zu unterzeichnen. Ergebnisse lagen bis
       Redaktionsschluss noch nicht vor.
       
       Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan nannte das Atom-Abkommen
       ein „neues Kapitel“ in den amerikanisch-armenischen Energiebeziehungen. Es
       gehe um eine Diversifizierung der Energiebilanz seines Landes. Bisher war
       Armenien vollständig von Russland abhängig.
       
       Das 1976 erbaute Kernkraftwerk Metsamor wird laut dem Atomdeal mit Vance
       künftig nicht mehr mit Brennstäben des staatlichen russischen Atomkonzerns
       Rosatom beliefert, sondern im Wert von 5 Milliarden Dollar von
       US-Konzernen, die die alten Reaktorblöcke künftig auch warten. Weitere 4
       Milliarden US-Dollar will Washington zusätzlich in den Ausbau der Atomkraft
       in Armenien stecken.
       
       Der Bau von Atomkraftwerken ist hochpolitisch, denn das Design der
       Reaktoren sorgt langfristig für eine Abhängigkeit des Käuferlandes vom
       Lieferstaat hinsichtlich der Versorgung mit nuklearen Brennelementen.
       Deshalb halten Energieexpert:innen gerade das Ringen Rosatoms um
       Aufträge – sogar weit unter Selbstkosten – in Ländern wie der Türkei,
       Ungarn, Kasachstan und Ägypten für geopolitisch getriebene
       Interessenpolitik.
       
       ## In die Quere
       
       „Rosatom ist ein wichtiges Einfluss-Instrument des Kremls“, sagte Stefan
       Meister, Russland- und Zentralasien-Experte der Deutschen Gesellschaft für
       Auswärtige Politik, der taz. Nun kommen die USA Russland in die Quere:
       [2][Paschinjan und der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew hatten im
       vergangenen August im Weißen Haus mit US-Präsident Donald Trump ein
       Friedensabkommen unterzeichnet]. Die Verträge mit beiden Ländern werden in
       den USA bereits als „Friedensdividende“ bezeichnet.
       
       „Armenien und Aserbaidschan sind geostrategisch wichtig für die Region, und
       die Trump-Administration macht eben auch dort einfach Business“, sagte
       Meister. Aber: „Damit tun die Amerikaner Dinge, die den Russen erheblich
       wehtun.“ Der Experte für Russlands außenpolitische Beziehungen rechnet
       damit, dass „Russland massiv Einfluss nehmen wird auf die Wahlen in
       Armenien Anfang Juni, um Paschinjan loszuwerden“ und Moskaus Einfluss in
       der Region zu erhalten.
       
       Bisher war es nur einem Land gelungen, die Versorgung der sowjetischen
       Reaktoren mit russischem Brennstoff auf Uran-Brennelemente des US-Konzerns
       Westinghouse umzustellen: der Ukraine.
       
       Wie dort ist auch in Armenien die Beendigung der Belieferung von
       Brennelementen durch Rosatom eine geopolitische Grundsatzentscheidung und
       Teil eines innenpolitischen Machtkampfes um die Ausrichtung des Landes. Am
       Vorabend des Besuchs von Vance in Jerewan trafen sich Vertreter von Rosatom
       in Moskau mit dem Vorsitzenden der Nationalversammlung Armeniens, Alen
       Simonjan.
       
       ## Moskauer Außenministerium warnt
       
       Sie boten eine „umfassende Zusammenarbeit“ im Bereich der Kernenergie an,
       berichten Nachrichtenagenturen. Das russische Außenministerium warnte, dass
       es „keine realistischen Alternativen“ für Armenien im Atomsektor zu einer
       weiteren Kooperation mit Rosatom gebe.
       
       Russland hatte Armenien lange im Kampf gegen Aserbaidschan um das Gebiet
       Bergkarabach unterstützt. Seit 2023 wird die Region vollständig von
       Aserbaidschan kontrolliert. Russland, das sich traditionell als
       militärische Schutzmacht von Jerewan sieht, hatte Armenien bei der Einnahme
       des Gebietes keine Unterstützung gewährt. Armenien bekommt mittlerweile
       auch militärische Drohnen aus den USA.
       
       10 Feb 2026
       
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 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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