# taz.de -- Rubio bei der Sicherheitskonferenz: Er fordert Gehorsam – mit sanfter Stimme
> Die USA würden die Werte des Westens verteidigen, meint US-Außenminister
> Rubio. Auch ohne Krawallauftritt formuliert er knallharte Machtansprüche.
(IMG) Bild: Er kommt als Eroberer wie Kolumbus: Marco Rubio in München
Es ist ein eigentümlicher Moment. Für seine Rede auf der Münchner
Sicherheitskonferenz erntet US-Außenminister Marco Rubio am Samstagmorgen
stehenden Applaus. „Herr Minister, ich weiß nicht, ob Sie das erleichterte
Seufzen hier in diesem Raum wahrgenommen haben, als wir Ihnen zugehört
haben“, sagt Konferenzleiter Wolfgang Ischinger im Anschluss zu ihm. Die
Ansprüche an den höchsten Repräsentanten der Trump-Administration in der
bayerischen Landeshauptstadt sind offenkundig niedrig.
Was die im Ballsaal des Bayerischen Hofes zahlreich versammelten
europäischen Regierungsvertreter:innen so erleichtert hat: Ein Eklat
wie im vergangenen Jahr, als US-Vizepräsident James David „JD“ Vance
[1][mit einer aggressiven rechten Kulturkampfrede für Verstörung gesorgt
hatte, ist ausgeblieben.] Aber das war auch nicht von Rubios’ Auftritt zu
erwarten gewesen. Dessen Tonlage ist eine andere. Er spricht nicht so
ungeschminkt harsch wie Vance, seine Zumutungen kommen freundlicher
verpackt daher. Doch in der Sache ist auch er ein knallharter Ideologe der
Neuen Rechten.
So klingt es vordergründig versöhnlich, wenn Rubio bekundet, die USA
wollten „keine Trennung, sondern eine alte Freundschaft wiederbeleben“. Ein
Ende der transatlantischen Ära sei „weder unser Ziel noch unser Wunsch“.
Stattdessen gehe es um „ein wiederbelebtes Bündnis“. Was sich Rubio
darunter vorstellt, ist allerdings etwas gänzlich [2][anderes als Friedrich
Merz, der bei der Konferenzeröffnung] am Freitag bekundete, „eine neue
transatlantische Partnerschaft begründen“ zu wollen. Während Merz den
Rückfall in Großmachtpolitik beklagte, beschwor Rubio diese. Und wenn er
mit sanfter Stimme von „Partnerschaft“ spricht, meint er Gefolgschaft.
Rubio propagiert die Vorherrschaft der „westlichen Zivilisation“, die die
USA in der Welt wiederherstellen wollten. „Wir sind bereit, wenn nötig,
dies alleine zu tun. Aber wir hoffen, dass wir dies gemeinsam mit Ihnen,
mit unseren Freunden hier in Europa, tun“, sagt Rubio. „Wir sollten die
Chancen und Möglichkeiten nutzen, um ein neues westliches Jahrhundert zu
schaffen.“ Die USA seien nicht daran interessiert, „Wächter des
kontrollierten Niedergangs des Westens“ zu sein.
## Rubio will „unsere großartige Zivilisation“ verteidigen.
Die enge Verbindung der USA zu Europa liegt für Rubio in einem ganz weiten
historischen Bogen begründet, angefangen von Christoph Kolumbus. „Unsere
Wurzeln liegen hier“, sagt er. „Wir werden immer ein Kind Europas bleiben.“
Das heißt für ihn: „Wir teilen die tiefsten Bindungen, die Nationen teilen
können, geschmiedet durch Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte, christlichen
Glaubens, Kultur, Tradition, Sprache, Abstammung und die Opfer, die unsere
Vorfahren gemeinsam für das Gemeinwohl erbracht haben.“ Das Wort
Kolonialismus nimmt er nicht in den Mund. Es gehe darum, „unsere großartige
Zivilisation“ zu verteidigen, „die jeden Grund hat, auf sich selbst und
ihre Geschichte stolz zu sein“.
Das bedeutet Rubio auch: „Wir wollen nicht unter der Vorgabe leben, dass
unsere Lebensweise nur eine unter vielen ist.“ Der Idee des
Multilateralismus, also der gleichberechtigten Zusammenarbeit von Staaten,
erteilt er daher auch eine Absage. Von den „Abstraktionen des Völkerrechts“
hält er ebenso wenig wie überhaupt von internationalen Regeln: „Wir dürfen
die globale Ordnung nicht länger über die nationalen Interessen unserer
Länder stellen.“ Entsprechend haben internationale Organisationen wie die
UNO für ihn keine größere Bedeutung mehr. Schließlich ließe sich nicht
ignorieren, dass die UNO im Gegensatz zu Trump „heute bei den drängendsten
Fragen, mit denen wir konfrontiert sind, keine Antworten hat und praktisch
keine Rolle gespielt hat“.
Wie Vance im vergangenen Jahr, beschreibt auch Rubio „Massenmigration“ als
zentrales Problem, das „den Fortbestand unserer Kultur und die Zukunft
unserer Völker in Gefahr gebracht hat“. Da verkörpert er ganz das Weltbild
der „Make America Great Again“-Bewegung, des MAGA-Teils der
republikanischen Partei. Das gilt auch für seine schroffe Ablehnung des
„Klimakults“. Eine verantwortungsvolle Klimapolitik, die auf die Abkehr von
fossilen Brennstoffen setzt, hält Rubio für grundlegend falsch, weil sie
den eigenen wirtschaftlichen Interessen schadet.
## China bricht eine Lanze für den Multilateralismus
Es ist der chinesische Außenminister, der nach der Rede von Rubio ein
Plädoyer für das internationale Recht hält. „Alle müssen die gleichen
Rechte haben, so können sie ihren Platz in der Weltordnung finden“, sagt
Wang Yi. In deutlicher Abgrenzung zur US-Politik brach er eine Lanze für
die Vereinten Nationen, die zwar in der jetzigen Form nicht perfekt, aber
immer noch das beste Instrument seien, das es auf der Welt gebe. „Wir haben
nicht das Recht, es zu zerstören“, warnte er. „Ohne die UNO würden wir
zurückkommen zu einem Recht des Stärkeren, wo die Stärkeren die Schwachen
besiegen und bestimmen“, warnt er. Der Multilateralismus solle immer
gefördert und gestärkt werden.
„Wir möchten verhindern, dass die Welt in eine weitere Teilung
hineinrutscht“, sagt Wang Yi. In dem nach seiner Rede folgenden Gespräch
mit Konferenzleiter Ischinger lässt er keinen Zweifel daran, dass das für
ihn gemäß der chinesischen Staatsdoktrin auch für China und Taiwan gilt –
ganz gleich, ob es auf der Insel ganz anders gesehen wird. Hier zeigt sich
das andere Gesicht von Chinas Chefdiplomaten.
Äußerungen der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi über eine
„Regelung“ der Taiwan-Frage im Sinne einer Unabhängigkeit verurteilt Wang
Yi scharf. „Das ist für uns existenzbedrohend“, sagt der chinesische
Außenminister. Japan wirft er vor, weiterhin Kriegsverbrecher aus dem
Zweiten Weltkrieg zu ehren und gegen China Stimmung zu machen. „Die
Geschichte könnte sich wiederholen, und diesmal könnte es noch verheerender
werden“, raunt Wang Yi über die angespannte Lage in der Region.
Die Botschaft, die er setzen will, verpackt er in zwei Szenarien: Entweder
China werde respektiert und man arbeite mit dem Land auf Augenhöhe und
unter dem Verständnis der gegenseitigen Interessen zusammen. Oder man
versuche, sich von China abzukoppeln und etwa Taiwan von China zu trennen.
Das würde für einen Konflikt sorgen, für den man bereit sei. Das sagt Wang
Yi mit Blick auf die chinesisch-amerikanischen Beziehungen, doch er meint
es für die gesamte Welt.
Auf die Frage von Ischinger, was China tun könne, um den Krieg in der
Ukraine zu beenden, spielt Wang Yi den Ball zurück in Richtung Europa.
Die EU sei diplomatisch untätig gewesen – und das, obwohl es um einen Krieg
in Europa gehe. Dieses Problem sei schon auf der Sicherheitskonferenz vor
einem Jahr besprochen worden, doch auch seitdem seien
Verhandlungsbemühungen im Wesentlichen von den USA ausgegangen. „Europa
sollte nicht auf der Speisekarte stehen, Europa sollte mit am Tisch
sitzen“, sagt er. Ein in dieser Hinsicht starkes Europa sei auch der Wunsch
Chinas.
14 Feb 2026
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