# taz.de -- Münchner Sicherheitskonferenz: Standing Ovations der Unterwürfigen
       
       > Marco Rubio hat in München die Fans augenscheinlich auf seiner Seite. Die
       > Abhängigkeit von den USA stimmte sein Publikum gnädig.
       
 (IMG) Bild: Von Slowenien weiter nach Ungarn – US-Außenminister Marco Rubio
       
       Wer nicht genau hinhörte, konnte tatsächlich meinen, dass US-Außenminister
       Marco Rubio mit seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz Europa um
       Entschuldigung bittet: für die Attacken von Vizepräsident JD Vance im
       vergangenen Jahr; für die [1][Zollpolitik von US-Präsident] Donald Trump
       und für den Versuch, das Hoheitsgebiet eines anderen Nato-Mitglieds
       notfalls sogar mit Gewalt an sich zu reißen.
       
       Doch hinter der Liebeserklärung an Europa, in der Rubio von der langen
       gemeinsamen kulturellen Geschichte sprach und die Errungenschaften der
       westlichen Zivilisation hervorhob, versteckte sich eine düstere Botschaft:
       die Ablehnung aller globalen Strukturen hin zu einer Weltordnung, in der
       die Interessen der einzelnen Länder wieder ganz oben stehen. Und die
       Zustimmung zu einer Politik, die zu zwei Weltkriegen führte, die Millionen
       von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion benachteiligte.
       
       Von Sklaverei, der Vertreibung und Unterdrückung indigener Gruppen ganz zu
       schweigen. Es ist eine Zurückweisung der europäischen und amerikanischen
       Politik der vergangenen 80 Jahre. Rubio machte genau dort weiter, wo Vance
       im vergangenen Jahr aufgehört hatte. Er kritisierte die Politik westlicher
       Länder, die sich dank Massenmigration, Freihandelsabkommen und einem
       „Klimakult“ im Niedergang befänden, und er versprach eine bessere Welt, in
       der koloniale Ansichten für mehr Wohlstand und Frieden sorgen würden.
       
       Rubio lud Europa ein, an diesem von Trump geführten Wiederaufbau der
       Weltordnung teilzunehmen. Die Standing Ovations, mit dem im Saal auf diese
       Rede reagiert wurden, werfen daher einige Fragen auf.
       [2][Bundesaußenminister Johann Wadephul] lobte Rubio und bezeichnete die
       USA als echten Partner.
       
       Entweder haben Wadephul und andere die Rede nicht verstanden oder sie geben
       nach, weil gegenüber Russland und China ein Bestehen ohne die USA kaum
       denkbar ist. Washington sitzt schlichtweg am längeren Hebel, und mit Trump
       im Weißen Haus ist jede Scheu überwunden, Freund und Feind damit zu
       erpressen.
       
       Das [3][transatlantische Verhältnis] hat aktuell etwas von einer toxischen
       Beziehung. Ein bisschen Lob muss reichen, um frühere Entgleisungen in
       Vergessenheit geraten zu lassen. Im Gegensatz zu einer toxischen
       Liebesbeziehung trägt Europa allerdings selbst die Verantwortung an dieser
       Situation. Über Jahrzehnte hinweg hat man sich darauf verlassen, dass die
       USA uns stets zur Seite stehen wird. Die Abhängigkeit bleibt daher vorerst
       bestehen.
       
       15 Feb 2026
       
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