# taz.de -- Sicherheitskonferenz in München: Konferenz der Verunsicherten
> Das transatlantische Verhältnis ist seit Trumps zweitem Amtsantritt als
> US-Präsident zerrüttet. Da passt das Motto der diesjährigen MSC: „Unter
> Zerstörung“.
(IMG) Bild: Blick auf das schwer bewachte Hotel Bayrischer Hof, wo vom 13.02.-15.02.2026 die 62. Münchner Sicherheitskonferenz stattfindet
Die Lage ist konfus. Das Motto der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC)
scheint passend: [1][„Under Destruction“, also „Unter Zerstörung“.] Das
gilt für die Weltordnung im Allgemeinen, wie für das formal noch bestehende
Bündnissystem der Vereinigten Staaten mit seinen bisherigen europäischen
Partnern, die sich jenseits von Lippenbekenntnissen unfähig zu einer
gemeinsame Antwort zeigen.
Seit der Gründung der Nato 1949 galt die Sicherheit zunächst Westeuropas,
nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes 1991 auch zunehmend von
osteuropäischen Ländern als transatlantische Aufgabe.
Als „Internationale Wehrkunde-Begegnung“ in der Hoch-Zeit des Kalten
Krieges 1963 gestartet, war dabei die Münchner Sicherheitskonferenz nicht
zuletzt ein Forum der Selbstvergewisserung über die enge Beziehung zwischen
den USA und ihren Verbündeten in Europa. Das jedoch funktioniert nicht mehr
seit dem Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps. Das Event im
Bayerischen Hof ist zu einer Verunsichertenkonferenz geworden. Denn von der
viel gepriesenen westlichen Wertegemeinschaft ist nur noch eine notdürftig
aufrechterhaltene Fassade übrig geblieben.
Systematisch zerstören der autokratische Kleptokrat und seine
Kombattant:innen das Bild der USA als Schutzmacht der „freien Welt“.
Wer glaubt denn noch ernsthaft daran, dass die derzeitige US-Administration
[2][im Fall der Fälle ihrer Beistandspflicht] nach Artikel 5 des
Nato-Vertrages nachkommen würde? Stattdessen versucht sie, durch die offene
Unterstützung extrem rechter Gruppierungen in Europa die europäischen
Demokratien von Innen anzugreifen.
## Ein genereller Destruktionskurs
Das geschieht nicht einmal mehr camoufliert, wie US-Vizepräsident James
David [3][„JD“ Vance mit seiner Kulturkampfrede auf der MSC im vergangenen
Jah]r und seinem Treffen mit AfD-Chefin Alice Weidel in einem Münchner
Hotel eindringlich wie beklemmend demonstriert hat. Wenn US-Außenminister
Marco Rubio in diesem Jahr einen nicht ganz so lautstarken und provokativen
Auftritt hinlegt, sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich am
generellen Destruktionskurs nichts geändert hat.
Nicht nur das Russland Putins, auch die USA Trumps sind für die Demokratien
in Europa eine Bedrohung. Und das gilt, wie die Grönland-Krise gezeigt hat,
sogar auf militärischer Ebene. Ob der Konflikt tatsächlich entschärft ist
oder Trumps territoriale Ambitionen nur vertagt sind, dürfte sich erst noch
zeigen. Der russische Präsident allein würde schon reichen, aber es ist
eben auch der US-amerikanische Präsident, der mit einer „Abrissbirne“
zertrümmert, „was zu einer stabilen internationalen Ordnung eigentlich
gehören würde“, wie es MSC-Konferenzleiter Wolfgang Ischinger formuliert
hat. Kein Wunder, dass sich Putin und Trump so gut verstehen.
Doch was folgt daraus? Bundeskanzler Friedrich Merz setzt auf eine
Doppelstrategie. Um einerseits die Abhängigkeit von den USA zu verringern,
will er eine deutliche militärische Stärkung Europas und vor allem
Deutschlands. Andererseits hält es Merz für nicht realistisch, sich
vollständig militärisch von Washington abzukoppeln. Deswegen zielt er nur
darauf ab, mit Milliardeninvestitionen in die Verteidigung den europäischen
Teil der Nato zu stärken. Aber was nützt das, wenn der militärische
Oberbefehlshaber der Nato ein US-General von Trumps Gnaden ist?
Auf Trumps erratische Politik gibt es bislang keine gemeinsame europäische
Antwort. Der frühere niederländische Ministerpräsident und heutige
Nato-Generalsekretär Mark Rutte versucht es mit demonstrativer
Unterwürfigkeit, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mit
Maulheldentum, für das er sich von Trump öffentlich verspotten lassen muss.
Merz changiert irgendwo dazwischen. Hilflos wirkt das allesamt.
Eine zentrale Frage auf der Münchner Sicherheitskonferenz sei die nach
Europas Fähigkeit, „sich selbst künftig stärker mit eigenen Kräften
durchzusetzen, die eigenen Interessen zu vertreten und mit einer Stimme zu
sprechen“, so MSC-Leiter Ischinger. An einer kollektiven Antwort fehlt es
jedoch – zu unterschiedlich sind die jeweiligen nationalen Interessen und
Befindlichkeiten. So wird auch eine europäische Armee aufgrund nationaler
Souveränitätsvorbehalte bloße Fiktion bleiben.
Mit der Aussicht darauf, dass demnächst die beiden europäischen Atommächte
möglicherweise rechtsautoritär regiert werden – in Großbritannien könnte
[4][Nigel Farage] Premierminister werden, in Frankreich könnte die
Präsidentschaft an [5][Marine Le Pen] oder Jordan Bardella gehen –,
erscheint das eher beruhigend. So bleibt Europa – salopp formuliert – eine
Befehlsgewalt durch rechte Kräfte erspart. Insgesamt düstere Zeiten.
13 Feb 2026
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