# taz.de -- Ex-Nato-Gesandte über Europa und USA: „Dieser Moment fühlt sich historisch an“
       
       > Der Bruch in den transatlantischen Beziehungen ist nicht mehr zu kitten,
       > sagt Joe Bidens Ex-Nato-Gesandte Julianne Smith. Europa muss nun auf
       > eigenen Beinen stehen.
       
 (IMG) Bild: Tschüß, altes Europa. US-Außenminister bei der Abreise von der Sicherheitskonferenz auf dem Flughafen München
       
       taz: Frau Smith, was bedeutet der [1][Kurs der Trump-Regierung] für die
       transatlantischen Beziehungen? Kann eine andere US-Regierung den Bruch in
       Zukunft wieder reparieren? 
       
       Juliane Smith: Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir zum Status quo
       zurückkehren. Das heißt aber nicht, dass die transatlantischen Beziehungen
       beendet sind. Ganz im Gegenteil, beide Seiten haben ein starkes Interesse
       daran, weiterhin in einer Reihe wirtschaftlicher, politischer und
       sicherheitspolitischer Fragen zusammenzuarbeiten. Dennoch scheint es
       derzeit ein erhebliches Vertrauensdefizit zwischen den USA und Europa zu
       geben.
       
       taz: Was hat dazu geführt?
       
       Smith: Zum einen [2][der Grönland-Zwischenfall], bei dem der US-Präsident
       andeutete, er könne das Hoheitsgebiet eines anderen Nato-Verbündeten
       notfalls mit Gewalt einnehmen. Zum anderen die plötzliche Einstellung der
       Geheimdienst- und Sicherheitsunterstützung für die Ukraine durch die USA im
       März vorigen Jahres. Nur wenige Tage später wurde die
       Geheimdienstzusammenarbeit wieder aufgenommen, aber die USA unterstützen
       nicht mehr die Sicherheit der Ukraine.
       
       Diese Vorfälle haben der Beziehung erheblichen Schaden zugefügt, und zwar
       unabhängig von den politischen Entwicklungen der kommenden Jahre. Ich
       denke, wir werden auf eine veränderte Beziehung blicken, die sich anders
       definieren wird. In mancher Hinsicht müssen wir uns für die Zukunft neu
       aufstellen.
       
       taz: Sie sprechen den [3][russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine] an.
       Waren Sie überrascht, dass Außenminister Rubio den Krieg in seiner Rede gar
       nicht erwähnt hatte?
       
       Smith: Dass der US-Außenminister nach München reist und die Ukraine in
       diesem Moment – kurz vor dem vierten Jahrestag des Kriegsbeginns – nicht
       erwähnt, erscheint fast unvorstellbar. Der Ukrainekrieg hat nicht nur
       Europa und die USA, sondern auch andere Länder weltweit zusammengebracht.
       Australien, Japan und Südkorea haben ebenfalls zur Unterstützung der
       Ukraine beigetragen. Der Krieg hat den sogenannten Westen und andere
       Partner in diesem gemeinsamen Projekt zusammengeführt, um die Ukraine bei
       der Verteidigung ihres souveränen Territoriums gegen die russische
       Aggression zu unterstützen.
       
       Es ist bemerkenswert, dass der US-Außenminister dieses gemeinsame Projekt
       in einer wichtigen Grundsatzrede vor Hunderten von europäischen
       Sicherheitsexperten mit keinem Wort erwähnt. Ja, ich denke, viele von uns
       im Publikum empfanden dieses Fehlen als sehr auffällig.
       
       taz: Was ist Ihnen bei der Münchner Sicherheitskonferenz noch ins Auge
       gestochen?
       
       Smith: Die Europäer treiben ihre Investitionen in die eigene Verteidigung
       deutlich voran. Es gab eine Reihe sehr interessanter Sitzungen. Wir haben
       viele europäische Start-ups aus dem Verteidigungsbereich auf der Konferenz
       gesehen. Das war eine neue Entwicklung: Zahlreiche europäische
       Großunternehmen der Verteidigungsindustrie waren anwesend und sprachen über
       ihre Investitionen, die Innovationen im Sicherheitsbereich und die
       Technologien, die sie bereits in der Ukraine und anderswo testen.
       
       Es ist eine sehr spannende Zeit für uns, die wir uns mit den Kernfragen der
       Verteidigung und Sicherheit befassen, die das Herzstück der
       transatlantischen Beziehungen bilden. Dieser Moment fühlt sich historisch
       an. Ich denke, die Amerikaner sollten beruhigt sein, dass Europa diese
       wichtigen Beiträge zu ihrer Verteidigung leistet.
       
       15 Feb 2026
       
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