# taz.de -- AOC zu Besuch in Berlin: Erst Sicherheitskonferenz, dann Audimax
> Die progressive Hoffnung der USA hat drei Buchstaben: AOC. In Berlin
> sprach Alexandria Ocasio-Cortez nun über Trump, Gaza und eigene
> Ambitionen.
(IMG) Bild: Berlin, 15. Februar: Alexandria Ocasio-Cortez (r) sitzt neben Isabel Cademartori in der TU Berlin bei einer Veranstaltung
„Die New York Times hat vier Leute hergeschickt. Die meinen es ernst!“,
sagte die Frau an der Garderobe zu ihrem Kollegen. „Die Tickets waren nach
20 Minuten alle weg“, raunte eine Besucherin ihrer Begleitung zu. Und
selbst die Stimme Geraldine Rauchs, Präsidentin der Technischen Universität
Berlin, überschlug sich ein wenig, als sie den Star des Abends ankündigte:
Alexandria Ocasio-Cortez.
AOC – Ocasio-Cortez machte die eigenen Initialen gewissermaßen zur Marke –
ist US-Kongressabgeordnete, der progressive Lichtblick der Demokratischen
Partei und gerade in Deutschland. Angereist war sie für die [1][Münchner
Sicherheitskonferenz], nun ist sie für einige Tage in Berlin und an diesem
Sonntag zu Gast im Audimax der TU. Als einen „außergewöhnlichen Abend“
kündigte die Hochschule die Veranstaltung mit dem Titel „A Conversation
with Alexandria Ocasio-Cortez“ an.
Bevor dieses Gespräch allerdings beginnen konnte, mussten die rund 1.100
Anwesenden ein gut zehnminütiges Grußwort Franziska Giffeys über sich
ergehen lassen. Denn nachdem die SPD-Politikerin und Vize-Regierungschefin
Berlins mit vereinzelten Buhrufen empfangen worden war, legte sie einen, na
ja, seltsamen Auftritt hin: In wirren Sätzen und mit überzogenem Pathos
sprach sie von der Demokratie und über die DDR. Als sie dann einen
Berlinale-Bären an das Kleid von AOC heftete, konnte einem die
US-Politikerin fast leidtun – professionell lächelte AOC die Situation aber
nicht nur weg, sondern im Arm der Bürgermeisterin sogar in die Kameras.
## AOC monologisiert – im besten Sinne
Ein wenig Erleichterung war im Publikum aber dennoch zu verspüren, als
Isabel Cademartori dann tatsächlich mit einer gelungenen Pointe in die
eigentliche Veranstaltung startete: „Wie sehr freut es dich, dass Puerto
Rico den Super-Bowl gewonnen hat?“, fragte die SPD-Bundestagsabgeordnete
und spielte mit der Frage nicht nur auf die Half-Time-Show des
puerto-ricanischen Künstlers und Tump-Kritikers Bad Bunny, sondern auch auf
die Wurzeln AOCs an.
Dass auch im Anschluss kein Gespräch im klassischen Sinne stattfand, konnte
man Cademartori, die souverän und mit Witz, allerdings gänzlich unkritisch
moderierte, nicht zum Vorwurf machen. Vielmehr riss AOC das Geschehen an
sich, nahm die thematischen Häppchen, die ihr Cademartori servierte,
dankend an und monologisierte: im besten Sinne, argumentativ klar,
sprachlich präzise und pointiert. Den Blick richtetet die Demokratin dabei
zielstrebig ins Publikum, wandte sich der Moderatorin nur selten direkt zu
und gestikulierte mit erhobenen Zeigefingern.
Ein Thema nach dem anderen handelte AOC so ab: Sie sprach über [2][Marco
Rubios Rede in München], Donald Trumps politische Taktiken und die
US-Behörde ICE, der man informiert und mutig entgegentreten müsse. Über die
Epstein-Files, die regelbasierte Weltordnung und das transatlantische
Verhältnis, das auf gegenseitigem Respekt und internationalen Gesetzen
basieren solle. Auch auf Gaza kam die US-Abgeordnete immer wieder zu
sprechen: Es sei für junge Menschen schwer, weiterhin an die Demokratie zu
glauben, wenn es doch Demokratien seien, die die Augen vor der
schrecklichen Lage im Gazastreifen verschließen und mit Waffenlieferungen
gar verschlimmern würden, meinte AOC.
Mit den Ungerechtigkeiten, die die Arbeiterklasse in den USA tagtäglich
erfahre, setzte AOC trotz der Bandbreite an Themen einen klaren
Schwerpunkt. Sie selbst wisse, wovon sie spreche: Die Erkrankung ihres
Vaters an Krebs und dessen früher Tod stürzten ihre Familie in eine
finanzielle Krise. AOC verließ die Universität, um als Kellnerin zu
arbeiten. Die Erkenntnis, die sie aus der eigenen Geschichte zog: Die
Politik interessiert sich nicht für Familien wie ihre. Das wolle sie nun
ändern.
## Präsidentin? Ein klares Dementi gibt es von AOC nicht
Auch als Cademartori den Elefanten im Raum – eine mögliche
Präsidentschaftskandidatur AOCs – ansprach, verwies die Amerikanerin auf
die Klassenfrage: Es gehe ihr nicht um die eigene Karriere, es gehe ihr um
„Geld in den Taschen der Arbeiter“. Ein klares Kandidaturdementi ist das
nicht. Zur Sicherheitskonferenz, so wird vermutet, reiste sie, um ihr
außenpolitisches Profil zu schärfen. Nicht nur deshalb wird die 36-Jährige
medial mittlerweile als mögliche Nachfolgerin Trumps gehandelt.
Dass AOC aber Probleme haben dürfte, sich parteiintern als Kandidatin
durchzusetzen, wird dabei mitunter außer Acht gelassen: Wie auch Zohran
Mamdani, der zu Beginn dieses Jahres als erster muslimischer Bürgermeister
New Yorks vereidigt wurde, zählt sie zum linken Flügel der Demokraten,
beide gehören den Demokratischen Sozialisten Amerikas an. Ob diese
Programmatik auch über die Grenzen New Yorks hinaus verfängt, in den
traditionell umkämpften Swing States überzeugen kann, ist fraglich. Große
Teile der US-Bevölkerung sähen in ihr eine radikale Kommunistin, stellte
AOC im Audimax selbst fest.
## Sie weicht aus, und überzeugt
Manch eine*r im Publikum hätte sich vermutlich sogar etwas mehr
Radikalität und Konsequenz von AOC gewünscht, wie in der abschließenden
Fragerunde deutlich wurde: Ein junger Mann warf der SPD vor, durch die
Waffenlieferungen der deutschen Regierung eine Mitschuld am israelischen
Völkermord in Gaza zu tragen. Die Veranstaltung sei nun der
sozialdemokratische Versuch, die Linke in Berlin kleinzuhalten. Mamdani und
Giffey, da gebe es keine Gemeinsamkeiten. Wie könne sich AOC mit der SPD
überhaupt gemeinsam auf eine Bühne setzen?
Die Frage glich einer Anklage, war aber durchaus berechtigt: Immerhin
sprach sich Giffey in der Vergangenheit gegen einen Mietendeckel und
Enteignungen aus [3][und ging lieber in eine Koalition mit der CDU, statt
Rot-Rot-Grün fortzusetzen]. Warum entschied sich AOC nicht eine für eine
öffentliche Veranstaltung mit der Linkspartei, die ihr programmatisch näher
liegen dürfte?
Sie träfe sich morgen mit Vertreter*innen der Linken, würde auch die
Rosa-Luxemburg-Stiftung noch besuchen, beschwichtigte AOC. Auf die Kritik
an der SPD ging sie nicht ein. Man müsse eben zusammenstehen, wissen, wer
der wahre Feind sei, sagte sie stattdessen und endete schließlich im
tobenden Applaus: „Wir dürfen die Rechten nicht gewinnen lassen.“
Einer Frage ausweichen und Jubel ernten: Es gibt schlechtere
Voraussetzungen, um es als Politikerin ganz nach oben zu schaffen. Genug
Charisma dafür, davon konnten sich im Audimax der TU an diesem Abend alle
Anwesenden überzeugen, hätte AOC.
16 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Bernauer
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