# taz.de -- Oldenburg gönnt sich ein Stadion: Erstklassiger Bau für viertklassige Kicker
> Oldenburgs Stadtrat sagt Ja zum Bau eines Fußballstadions. Schon vor dem
> Spatenstich liegen die Kosten über dem Budget. Und Genehmigungen fehlen
> noch.
(IMG) Bild: Knapp 400 Fans des VfB Oldenburg: Jubel über die Entscheidung des Stadtrats, ein Stadion zu bauen
Um kurz nach 21 Uhr brechen die knapp 400 Fans des VfB Oldenburg in Jubel
und Freudengesänge aus. „Oh, wie ist das schön“, hallt es durch den Saal.
Die Fans in blauen Trikots und mit Schildern und Bannern in den Händen
bejubeln nicht etwa einen Sieg ihres Vereins, es ist das Ende der
vierstündigen Debatte über den Stadionbau im Oldenburger Stadtrat am
Montag. Vor dem Publikum in der Aula der Cäcilienschule, dem größten Saal
der Stadt, hat der Rat soeben mehrheitlich für die Vergabe des Auftrags zum
Bau eines neuen Fußballstadions gestimmt.
Vorausgegangen war eine hitzige Debatte zwischen den Befürwortern von CDU,
SPD, BSW, FDP, Volt und AfD und den Gegnern von den Grünen und der Gruppe
„Für Oldenburg“. Dabei ging es neben der Grundsatzfrage, [1][ob Oldenburg
ein reines Fußballstadion braucht], vor allem um die Finanzierung des 57,3
Millionen Euro schweren Auftrags aus Steuergeldern.
Profifußballstadion für Oldenburg „angemessen“
Die Befürworter brachten nochmals ihre Argumente der seit Jahren laufenden
Debatte vor. Das Stadion müsse gebaut werden, da das bisher vom VfB
Oldenburg genutzte Marschwegstadion im Falle eines Aufstiegs des
Viertligisten nicht den Drittliga-Anforderungen des DFB, wie beispielsweise
einer Rasenheizung, genügt. Daneben sei ein Profifußballstadion für eine
Stadt wie Oldenburg „angemessen“ und werde sich positiv auf die Wirtschaft
auswirken.
Momentan spielt der VfB Oldenburg 17 Heimspiele pro Saison. Auch den Rest
des Jahres solle das neue Stadion genutzt werden. Ulf Prange (SPD) betont:
„Es ist nicht nur ein Austragungsort für Fußballspiele.“ Das Stadion werde
ein „dritter Ort“ sein, der Menschen zusammenbringe und Gemeinschaft
schaffe. Wie das konkret aussehen soll, kann während der Debatte jedoch
keines der Ratsmitglieder beantworten.
Die anwesenden VfB-Fans beklatschen während der Sitzung jede Äußerung zur
Unterstützung des Stadionbaus. Selbst der einzige AfD-Stadtrat, Andreas
Paul, erhält lautstark Beifall, was den sonstigen Außenseiter sichtlich
überrascht hat.
Die [2][Gegner des Stadionbaus] kritisieren die Finanzierung aus
Steuergeldern. Das Geld solle sinnvoller eingesetzt werden. Rita Schilling
(Grüne) verweist unter anderem auf marode Schulsporthallen in der Stadt.
Ein Profifußballstadion sei nicht Teil der Daseinsvorsorge und von dem
Stadion würden vor allem die Investoren des VfB profitieren, so die Grüne.
Stadion spaltet Stadt
Das Stadionthema spaltet die Stadt seit Jahren. Im Februar war das
Ratsbündnis von Grünen und SPD vor dem Hintergrund der angespannten
Haushaltslage [3][an der Frage der Finanzierung des Stadions zerbrochen].
Nun liegen die Kosten schon vor Baubeginn 1,9 Millionen Euro über dem
ursprünglich festgesetzten Budget. Zusammen mit Inbetriebnahme- und
Nebenkosten wird das Stadion mindestens 61,9 Millionen Euro kosten. Daneben
fehlen trotz des Beschlusses weiterhin die nötigen Genehmigungen.
Nicht nur die Kommunalaufsicht muss der Finanzierung noch zustimmen. Da
Oldenburg mit dem Bau des Stadions in den Markt eingreift, prüft die
Europäische Kommission in einem sogenannten Notifizierungsverfahren, ob
diese Investitionsbeihilfe überhaupt zulässig ist. Im Rahmen dieses
Verfahrens hatte die Stadt mit Puffer sogar 75,5 Millionen Euro Kosten
gemeldet. Die Entscheidung der Europäischen Kommission steht noch aus.
Die [4][Initiative „Kein Stadionbau“ hält den Beschluss ohne Genehmigung
der Europäischen Kommission für rechtswidrig]. Im Stadtrat hält
Finanzdezernentin Julia Figura dagegen, dass lediglich der Vertrag
geschlossen werde, die tatsächliche Gewährung der Beihilfe aber noch nicht
erfolge. Für den Fall, dass die Stadt die nötigen Genehmigungen nicht
erhalte, werde der Vertrag aufgelöst und der Unternehmer erhalte eine
Abfindung.
Fertigstellung des Stadions 2029 geplant
Auch den Bebauungsplan kritisiert die Initiative und bereitet eine Klage
vor. Das neue Stadion soll in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof entstehen
und mit Businessclub, Eventlounge und Logen eine Kapazität von 10.000
Plätzen haben. Das sind weniger als die 12.000 Plätze im Marschwegstadion.
Laut Branchenportalen kamen in der vergangenen Saison im Durchschnitt
jedoch ohnehin nur 3.700 Zuschauer zu den Heimspielen des VfB Oldenburg.
Die Stadt hat unmittelbar nach dem Beschluss den Baubeginn für nächstes
Jahr und die Fertigstellung spätestens Anfang 2029 verkündet.
2 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Oberbuergermeister-hilft-Fussballverein/!6000072
(DIR) [2] /Oldenburg-streitet-um-ein-neues-Stadion/!6133192
(DIR) [3] /Haushaltsstreit-in-Oldenburg/!6154361
(DIR) [4] https://www.keinstadionbau.de/zuschussbedarf-schoent-betriebsbeihilfe
## AUTOREN
(DIR) Aljoscha Hoepfner
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