# taz.de -- Olympiasieger im Eistanzen: Es hätte drei Mal Gold geben müssen
> Gleich drei Favoritenpaare gab es beim Eistanz-Wettbewerb. Am Ende gewann
> Frankreich mit einer Kür, die in die Eiskunstlaufgeschichte eingehen
> wird.
(IMG) Bild: Seit Mittwoch Olympiasieger im Eistanz: Laurence Fournier Beadry und Guillaume Cizeron für Frankreich
Wer die Eistanzkür am Mittwochabend im Fernsehen nicht gesehen hat, hat
etwas verpasst: Gleich drei Paare verzauberten das Publikum mit
künstlerischen Sensationen, die für die Ewigkeit geschaffen schienen und
landeten auf dem Treppchen. Eigentlich hätten die Preisrichter drei
Goldmedaillen vergeben müssen.
Aber der Reihe nach: Dritte nach dem Rhythmustanz, dem ersten Wettkampfteil
im Eistanzen, waren die Kanadier Piper Gilles und Paul Poirier, beide 34
Jahre alt und mehrfache Vizeweltmeister. Sie liefen mit ihrem Programm
„Vincent“ eine Hommage an den Maler Vincent van Gogh. Mit den fließenden
Bewegungen in ihren blau-gelben Kostümen versetzten sie das Publikum in
eines der Landschaftsbilder des großen Niederländers. Alles gelang. Die
Eistänzer vergossen Freudentränen und wussten, sie waren zum Ende ihrer
Karriere die Kür ihres Lebens gelaufen. War das noch zu steigern? Zwei
Favoritenpaare liefen noch nach ihnen.
Das waren zunächst die dreifachen Weltmeister aus den USA Madison
Chock/Evan Battes, mit 33 und 36 Jahren ebenfalls in ihrer wohl letzten
Wettkampfsaison. Das Ehepaar wollte seine erfolgreiche Karriere mit der
olympischen Goldmedaille krönen, der einzigen Medaille, die ihnen in ihrer
reichen Sammlung noch fehlte. Ihre Flamencokür gelang bis ins kleinste
Detail. Synchronität bis in die Fingerspitzen. Sie landeten fast sieben
Punkte vor ihren ewigen Konkurrenten aus Kanada. War das noch zu
übertreffen?
Die französischen Konkurrenten Laurence Fournier Beadry/Guillaume Cizeron
hatten nach dem Rhythmustanz nur hauchdünn vor den Amerikanern gelegen.
Beide laufen seit weniger als einem Jahr miteinander. Eine verdammt kurze
Zeit, wo beim Eistanzen die Paarharmonie oft erst nach Jahren reift. Ihre
Mitfavoriten laufen immerhin seit mehr als einem Jahrzehnt miteinander.
Doch Cizeron ist ein Ausnahmeläufer, einer der längst in die Geschichte
seiner Sportart eingegangen ist. Mit seiner ehemaligen Partnerin Gabriella
Papadakis hatte der heute 31-Jährige vor vier Jahren in Peking Olympiagold
geholt. Danach hatten sie ihre Wettkampfkarriere beendet. Seine
Ex-Partnerin tritt seitdem bei Eisshows mit einer ehemaligen Konkurrentin
als gleichgeschlechtiges Paar auf, was große Aufmerksamkeit generiert.
## Eiszauber aus Frankreich
Um Cizeron war es hingegen still geworden, bis er vor knapp einem Jahr sein
Comeback ankündigte. Seine neue Partnerin ist eine erfahrene Eistänzerin.
Die Frankokanadierin war zuvor für Kanada auf Weltklasseniveau gelaufen.
Bis 2024 ihr Partner aufgrund von Anschuldigungen einer ehemaligen
US-Eiskunstläuferin wegen schwerer sexualisierter Gewalt suspendiert wurde.
Damit schien auch die Karriere von Fournier Beaudry beendet zu sein. Dass
sie nur wenig später bei Olympia um die Medaillen mitlaufen würde, hätte
sie sich damals wohl nicht erträumt.
Was die Franzosen am Mittwoch nach Filmmusiken auf das Eis zauberten, kann
man nicht anders als ein Gesamtkunstwerk bezeichnen, das in die
Eislaufgeschichte eingehen wird. Ein kleiner Wackler von Cizeron bei einem
Twizzle tat dem keinen Abbruch. Mit fließenden Bewegungen wuchsen die
Elemente ineinander. In der Eishalle blieb wohl beim Beifall kaum jemand
auf seinem Platz sitzen. Das waren die neuen Olympiasieger.
Weniger Glück hatten die deutschen Eistanzmeister Jennifer Janse van
Rensburg (32) und Benjamin Steffan (29). Als 23. und damit letzte des
olympischen Feldes waren sie am Montag nach dem Kurzprogramm ausgeschieden
und durften am Mittwoch ihre wunderschöne Tango-Kür nicht zeigen. Grund war
ein Wackler von Steffan bei einem Twizzle. Für den Bruchteil einer Sekunde
nur war er bei dem schwierigen Element mit einem Bein weggeknickt und damit
aus der Drehbewegung gekommen. Das rügten die Preisrichter hart.
Die ausdrucksstarken mehrfachen deutschen Meister hatten sich damit ihren
Traum von einer Olympiateilnahme nur zur Hälfte erfüllt. Sie richten den
Blick auf die WM im März in Prag, wo sie ihre mit Ausnahme von Olympia sehr
starke Saison erfolgreich beenden wollen. „Wir haben noch etwas gut zu
machen. Die WM ist die Gelegenheit, das wieder auszubügeln“, sagt Janse van
Rensburg.
12 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Marina Mai
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