# taz.de -- Nerventest beim Eiskunstlauf: Fast ein Kunstwerk
> Das deutsche Eiskunstlaufpaar Minerva Hase und Nikita Volodin fallen in
> der Kür auf den Bronzerang zurück. Nervenstärke zeigt das japanische
> Paar.
(IMG) Bild: Voller Anmut: Minerva Hase und Nikita Volodin bleiben zumindest in den Medaillenrängen
Minerva Hase und Nikita Volodin haben am Montag in Mailand eine olympische
Bronzemedaille im Eiskunstlaufen gewonnen. [1][Die beiden 25-jährigen
Berliner Paarläufer] hatten nach ihrem fantastischen Kurzprogramm, bei dem
ihnen alles gelungen war und sie das Mailänder Publikum begeisterten, noch
an der Spitze des Feldes gelegen. Mit einem respektablen Abstand zur
Konkurrenz sogar.
Im olympischen Paarlaufwettbewerb hatte es keine klaren Favoriten gegeben.
Neben Hase/Volodin wurden den japanischen Weltmeistern Riku Miura/Ryuichi
Kihara, den in dieser Saison besonders starken italienischen Lokalmatadoren
Sara Conti/Niccolo Macii und den jungen georgischen Europameistern
Anastasiia Metelkina/Luka Berulava Chancen auf Gold zugetraut. Über den
Sieg, so viel stand von Beginn an fest, entscheiden Tagesform und Nerven.
Der Wettbewerb der Männer hatte gezeigt, dass auch bei Olympia
Überraschungen möglich sind. Hier scheiterten der [2][haushohe Favorit Ilia
Malinin] aus den USA und andere auf Medaillenplätzen gehandelte
Konkurrenten reihenweise an ihren Nerven oder auch an der schlechten
Eisqualität in Mailand. So kam der relativ unbekannte Kasache Mikhail
Shaidorov mit fehlerfreien Programmen unverhofft und auch zu seiner eigenen
Überraschung zum Olympiasieg.
Für das italienische Paar erwies es sich eher als Fluch denn als Segen, vor
heimischem Publikum zu laufen. Schon im Kurzprogramm hatten sich viele
Fehler eingeschlichen, dass sie mit Platz acht außer Reichweite der
Medaillen lagen. Auch in der Kür, wo sie eigentlich nichts mehr zu
verlieren hatten, beflügelte sie der Heimvorteil nicht, Elemente
misslangen. Anders die japanischen Weltmeister, die in dieser Saison auch
das wichtige Grand-Prix-Finale gewonnen hatten: Nach dem Kurzprogramm, wo
ihnen eine missglückte Hebung und die nicht wie gewohnt perfekte
Ausstrahlung viele Punkte kosteten, standen sie lediglich auf Platz 5. In
der Kür gelang hingegen alles: Kraftvolle, synchron ausgeführte
Dreifachsprünge, weite Würfe und perfekte Paarharmonie ließen ihr Programm
zu einem Gesamtkunstwerk reifen, das das Publikum mitriss.
Für die nach ihnen laufenden Paare hatten sie die Messlatte hoch gelegt.
Ihre georgischen Konkurrenten, die ebenfalls eine gute, wenn auch nicht
ausgereifte Leistung zeigten, ließen sie zehn Punkte hinter sich. Nach dem
Kurzprogramm hatten die Georgier noch mit großem Abstand vor den Japanern
auf Platz zwei gelegen.
## Beim Salchow gepatzt
Und die Deutschen? Anders als im Kurzprogramm war ihnen ihre Nervosität auf
dem Eis anzumerken. Als Minerva Hase einen eigentlich dreifach geplanten
Salchow nur mit einer Umdrehung sprang, war klar: Gold wird es nicht. Ihr
aus Russland stammender Partner Nikita Volodin, der für seine starken
Nerven bekannt ist, erwies sich im weiteren Verlauf des Programms als ihr
Halt. Die anderen Höchstschwierigkeiten gelangen, auch wenn das
anspruchsvolle Kürprogramm nicht zu dem Kunstwerk wurde, für welches es das
Potenzial hatte, und das die beiden bei anderen Gelegenheiten schon
präsentiert hatten. Am Ende wurde es Bronze hinter den Paaren aus Japan und
Georgien.
„Wir sind sehr glücklich und erleichtert, dass es für die Bronzemedaille
gereicht hat“, sagte Minerva Hase. „Es ist egal, welche Farbe die Medaille
hat. Wir sind sehr stolz, dass wir nach drei Jahren Zusammenlaufen bei
unseren ersten Olympischen Spielen eine Medaille mit nach Hause nehmen
dürfen.“
Ihre persönliche Olympia-Geschichte verlief zuvor weniger glücklich. In
Peking war sie mit ihrem ehemaligen, deutlich älteren Partner Nolan Seegert
am Start. Bei der Einreise wurde bei Seegert allerdings das Coronavirus
festgestellt. Er musste in Isolation auf sein Hotelzimmer, konnte nicht
trainieren. Am Ende trat er zwar an, ihm fehlte es aber sichtbar an Kraft.
Beide kamen nur auf Platz 16.
Das zweite deutsche Paar, [3][Annika Hocke/Robert Kunkel], konnte sich nach
zwei gelungenen und enorm ausdrucksstarken und innovativen Programmen über
Platz zehn freuen. Nach einer von Verletzungen geprägten Saison war das
nicht selbstverständlich.
Beide deutsche Paare haben sich noch nicht geäußert, ob sie nach der
olympischen Saison weiterlaufen. Sollten sie sich dagegen entscheiden,
klafft im deutschen Eiskunstlauf eine riesige Lücke. Denn die Juniorenpaare
sind eher schwach und im Einzellauf konnte sich weder eine Frau noch ein
Mann für die Olympischen Spielen qualifizieren. Ein wenig besser sieht es
im Eistanzen aus, aber internationale Medaillen wären auch dort eine
Überraschung.
17 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marina Mai
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