# taz.de -- Russische Eiskunstlaufschule: Das Biest ist wieder da
       
       > Bei den Winterspielen 2022 fiel die russische Eiskunstlauftrainerin
       > Tutberidse durch extreme Härte auf. In Mailand waltet sie wieder ihres
       > Amtes.
       
 (IMG) Bild: Unter strenger Beobachtung: Nika Egadse tanzt sein Programm nicht gerade nach den Vorstellungen von Trainerin Tutberidse (l.)
       
       Kamila Walijewa ist zurück auf dem Eis. Bei einem Wettbewerb in Moskau, bei
       dem allein Sprünge bewertet werden, schaffte sie es ins Halbfinale. Die
       Eiskunstläuferin, [1][deren Schicksal bei den Olympischen Spielen vor vier
       Jahren in Peking] die Sportwelt in Atem gehalten hatte, hat ihre
       Dopingsperre abgesessen und in Moskau wieder an einem Wettbewerb
       teilgenommen. Sie war 15, als vor den Spielen verbotene Substanzen in ihren
       Körper gefunden worden waren.
       
       Als das bekannt wurde, hatte sie gerade das bis heute vielleicht schönste
       Kurzprogramm aller Zeiten gezeigt. Während die einen sie als Dopingsünderin
       an den Pranger stellten, wurde sie in ihrer Heimat als die unschuldige
       Vertreterin der unbesiegbaren Eiskunstlaufschule gefeiert. Als sie in der
       Kür dann mehrere Male stürzte, flossen jede Menge Tränen auf den Rängen in
       der Pekinger Halle.
       
       Nur eine blieb eiskalt. [2][Eteri Tutberidse, ihre Trainerin,] war einfach
       nur sauer über die miese Vorstellung ihrer Elevin und kassierte dafür einen
       höchstolympischen Rüffel vom damaligen IOC-Präsidenten Thomas Bach, der sie
       als kalt bezeichnete. Walijewa wurde schließlich vier Jahre gesperrt.
       Seither ist viel passiert. Russland hat die Ukraine überfallen und
       malträtiert die Bevölkerung, nur eins hat sich nicht verändert.
       
       Eteri Tutberidse steht an der Bande und überwacht die Leistungen ihrer
       Schützlinge. Bei den Spielen in Mailand betreut sie den Georgier Nika
       Egadse. Weil der Europameister seine Vorstellungen im Teamwettbewerb doch
       ziemlich vermasselt hat, war jenes eiskalte Gesicht der
       russisch-georgischen Trainerin, das Thomas Bach vor vier Jahren so verstört
       hat, wiederzusehen.
       
       ## Die Haltung zur Ukraine wird man nie kennen
       
       Es ist nur eine dieser verrückten Geschichten, von denen es im Eiskunstlauf
       nur so wimmelt. Auch weil Tutberidse noch dazu die Trainerin der als
       neutrale Athletin startenden Russin Adelia Petrosian ist, würde man nur
       allzu gern wissen, was sie vom Überfall Russlands auf die Ukraine hält. Man
       wird es nie erfahren. Wie eine Unberührbare wandelt sie durch die Welt.
       Regelmäßig ist sie in den USA, um ihre Tochter Diana Davis zu besuchen, die
       sie 2003 in Las Vegas zur Welt gebracht hat. Davis, von der nicht wirklich
       bekannt ist, ob sie neben der russischen und der georgischen auch noch die
       US-Staatsbürgerschaft hat, ist auch gerade in Mailand. Sie startet mit
       ihrem Mann Gleb Smolkin für Georgien im Eistanz.
       
       Mit dem zusammen war sie auch schon mal russische Meisterin und erreichte
       für das Team des russischen Olympiakomitees bei den Spielen in Peking den
       14. Platz. [3][Als nach der Hochzeit von Davis und Smolkin spekuliert
       wurde,] die beiden, die damals in den USA trainierten, könnten für die
       Staaten starten, kam die Freigabe der Russen für das georgische Team. Am
       vergangenen Freitag war die Russin aus den USA dann gar Fahnenträgerin für
       ihre neue sportliche Heimat Georgien.
       
       Natürlich muss auch Smolkin in Mailand Fragen nach seiner Schwiegermutter
       beantworten, in deren Eiskunstlaufschule in Moskau seit Jahren Kinder zu
       Knochenbrüchen und Bulimie geschunden werden. Nein, sie gebe keine Tipps,
       sie sei einfach nur Dianas Mutter, sagt er dann immer. Er ist der Sprecher
       des Eistanzduos, da seine Frau seit ihrer Kindheit auf beiden Ohren
       hochgradig schwerhörig ist, was sie vor Kurzem über Instagram mitgeteilt
       hat. Auch so eine Geschichte.
       
       ## „Nicht meine Entscheidung“
       
       Und noch eine Geschichte. Glebs Vater verfolgt die Wettbewerbe übrigens von
       Russland aus. Er ist als Schauspieler und Showmaster ein wahrer Promi in
       seiner Heimat und hätte wohl nie gedacht, dass sein Sohn mal Georgier wird.
       
       Der jedenfalls hat nichts gegen die Anwesenheit seiner Schwiegermutter in
       Mailand. Der Chef der Weltantidopingagentur Wada, Witold Banka, fühlt sich
       im Gegensatz dazu nicht wohl beim Gedanken an die Anwesenheit der Trainerin
       einer Athletin, die man des Dopings überführt hat. „Aber das ist nicht
       meine Entscheidung“, sagte er bei einer Pressekonferenz vor Beginn der
       Spiele. Das sei auch keine Entscheidung des IOC, meinte dessen Sprecher
       Mark Adams, als er in Mailand darauf angesprochen wurde.
       
       Da gab es längst Bilder, die Tutberidse an der Bande der Eisfläche in
       Mailand zeigen. Beim Teamwettbewerb war sie ein absoluter Hingucker. Als
       sie im Finale des Teamwettbewerbs an der Bande aufgetaucht ist, zückten
       etliche Zuschauerinnen ihre Smartphones, um ein Bild von ihr zu machen. Im
       großen Emotionstheater Eiskunstlauf, bei dem auf und neben dem Eis nicht
       selten hemmungslos gekreischt und geheult wird, ist ihr eine Hauptrolle
       gewiss – die des Biests, das für die Schönheit ihres Sports arbeitet.
       
       10 Feb 2026
       
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 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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