# taz.de -- Trump und die Ukraine: Schlecht getarnter Erpressungsversuch
> Der US-Präsident droht der Ukraine mit dem Verlust von
> Sicherheitsgarantien, sollte das Land nicht zeitnah
> Präsidentschaftswahlen abhalten. Ein Irrsinn.
(IMG) Bild: Fällt Wolodymyr Selenskyj in den Rücken: Donald Trump
Man kann den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit so manchen
Attributen belegen: korrupt, machtversessen, autoritär. Oder wie es der
Kreml nicht nur den Russ*innen in Dauerschleife in ihre Hirne hämmert:
faschistoid. Doch eins ist er ganz sicher nicht: realitätsfremd und
suizidal (im politischen Sinne). Seit fast vier Jahren manövriert Selenskyj
sein Land durch einen brutalen Krieg, in dem Ukrainer*innen durch
russische Raketen und Drohnen sterben und [1][systematisch in den Kältetod
gebombt] werden. Just zu diesem Zeitpunkt zieht US-Präsident Donald Trump
wieder seine Karten aus der Tasche, die Selenskyj – so Trumps Lesart – nun
mal nicht habe.
Es geht um das Abhalten von Präsidentschaftswahlen und eines Referendums
über ein Friedensabkommen. Hatte Trump bislang den kommenden Juni in die
Tombola geworfen, ist jetzt schon von Mai die Rede. Dabei bedarf es eines
länglichen Konsultations- und Abstimmungsprozesses im Parlament, um neue
gesetzliche Grundlagen zu schaffen. Das ist beim besten Willen in der Kürze
der Zeit nicht zu schaffen. Abgesehen davon, dass nur zehn Prozent der
Ukrainer*innen Wahlen zum jetzigen Zeitpunkt unterstützen.
Noch absurder wird es, wenn Trump Kyjiw den Verlust von
US-Sicherheitsgarantien androht, sollte die Ukraine nicht so handeln, wie
er das fordert. Wovon redet der Mann? Konkrete belastbare Zusagen aus
Washington für Frieden und Sicherheit gibt es bisher nicht – genauso wenig
wie Anzeichen dafür, dass es bald zu einer Einigung über ein
Friedensabkommen kommen könnte. Dass [2][Moskau bereit ist, von seinen
Maximalforderungen] abzurücken, kann niemand ernsthaft glauben, der oder
die bei Verstand ist.
Was folgt daraus? Selenskyj ernst nehmen, der sich gegen Trumps Vorstoß
verwahrt. Und Trumps Ansage als das zu benennen, was sie ist: [3][ein
schlecht getarnter Erpressungsversuch der Ukraine] – wohlgemerkt des
Angegriffenen in diesem Krieg. Welche Konsequenzen zieht Europa daraus?
Vermutlich keine. Genau das ist ebenfalls ein Problem – wahrlich kein
geringes.
12 Feb 2026
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(DIR) Barbara Oertel
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