# taz.de -- Olympia-Rauswurf für Ukrainer: Einfach nur zum Heulen
> Der ukrainischen Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch wird disqualifiziert,
> weil er mit dem Helm Sportlern gedenken will, die im Krieg getötet
> wurden.
(IMG) Bild: Wladyslaw Heraskewytsch mit dem Helm des Anstoßes
Tränen rannen der höchsten Funktionärin des Weltsports über die Backen. Das
Gespräch mit dem ukrainischen Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch sei sehr
emotional gewesen, erklärte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry in einem
Interview mit dem ZDF. „Leider haben wir keine Lösung gefunden.“
[1][Heraskewytsch] hatte darauf bestanden, seinen Helm, der mit 20 Fotos
von Sportlerinnen und Sportlern versehen ist, die im Angriffskrieg von
Russland ihr Leben lassen mussten, im Olympia-Rennen an diesem Tag tragen
zu dürfen. [2][Das IOC disqualifizierte ihn deshalb für den Wettbewerb. ]
Anfang der Woche war er schon zum Training mit diesem besonders designten
Kopfschutz erschienen und wurde von einem Funktionär des Internationalen
Olympischen Komitees darauf hingewiesen, dass dies nicht erlaubt sei. Ein
offizieller Antrag des Ukrainers beim IOC, diesen doch tragen zu dürfen,
wurde abgeschmettert.
Die wurde mit der Regel 40 der IOC-Charta begründet, nach der das „Field of
Play“, das Spielfeld, frei von jeglichen kommerziellen oder persönlichen
Botschaften bleiben muss.
Damit kam geschickterweise nicht die Regel 50.2 zur Anwendung, die jegliche
„politische, religiöse oder rassistische Propaganda“ an olympischen
Wettkampfstätten untersagt. Heraskewytsch hatte nämlich erklärt: „Ich
glaube weiterhin, dass der Helm keine Regeln verletzt, weil er keine
politische Propaganda beinhaltet.“ Eine politische Debatte wollte das IOC
aber vermeiden. Sein Angebot, Heraskewytsch könne doch alternativ ein
schwarzes Armband verwenden, hatte dieser abgelehnt.
„Ich habe versucht, mit ihm und seinem Vater als Athletin zu sprechen,
nicht als Präsidentin. Wir haben diese Regeln, um zu versuchen, fair zu
sein und den Athleten beides zu ermöglichen: ihre Meinung zu sagen und aber
auch sicher zu sein“, berichtete Coventry. Sie erinnerte daran, im Jahr
2020 als Vorsitzende der Athletenkommission maßgeblich an der
Spezifizierung und Lockerung der IOC-Regel beteiligt gewesen zu sein.
Dies sei eine Zeit gewesen, in der man beim IOC zu verstehen begonnen
hätte, „dass Athleten weltweit starke Meinungen zu vielen verschiedenen
Themen haben“. Nur habe es von Athletenseite auch den Wunsch gegeben,
bestimmte Bereiche von solchen Meinungsäußerungen freizuhalten, die
Wettkampfstätten und das Podium. In Medienrunden (Mixed Zone und
Pressekonferenzen) oder auf Social Media wiederum ist es den Athletinnen
und Athleten erlaubt, politische Meinungen auch während der Spiele zu
äußern.
## Respekt ist erlaubt
Doch was genau ist an den Wettkampfstätten nun erlaubt und was nicht? Wie
kompliziert die Beantwortung dieser Frage ist, illustriert das Beispiel der
deutschen Eisschnellläuferin Josephine Schlörb. Sie war sich vor den
Winterspielen ob ihrer Wettkampfschuhe unsicher, ob sie sich auf der Seite
des Erlaubten oder des Verbotenen bewegte. Auf ihren Kufenschuhen waren
Botschaften wie „Hass ist keine Meinung“, „Frauenrechte sind
Menschenrechte“ und „Diskriminierung ist ein Verbrechen“ zu lesen.
Das IOC prüfte die Botschaften auf ihre politische Substanz und sprach ein
Verbot aus. Dass Schlörb die Botschaften daraufhin unkenntlich machte,
genügte indes nicht. Das IOC beanstandete, die überklebten Botschaften
könnten Nachfragen provozieren und verbot auch diese. Daraufhin legte
Schlörb Schuhe vor, auf denen das Wort „Respekt“ in verschiedenen Farben
und Sprachen zu lesen war. Das war dem IOC dann unpolitisch genug.
Interessant war auch vor den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2021
[3][die Debatte um den Kniefall vor dem Anpfiff,] mit dem einige
Frauenfußballnationalteams schon einige Zeit zuvor ein Zeichen gegen
Rassismus setzten. Das IOC ließ dies auf der Grundlage seiner
liberalisierten Regel zu, verbot allerdings anfangs seinen Mitarbeitern,
Bilder davon auf den eigenen Social-Media-Kanälen zu posten. Nach massivem
Protest wurde diese Anweisung wieder zurückgenommen.
Im Fall von Wladyslaw Heraskewytsch hatte das IOC am Donnerstagmorgen auch
dessen Akkreditierung für die Winterspiele aberkannt. Mittags traf dann die
Meldung ein, die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen
Komitees habe auf Antrag von IOC-Chefin Kirsty Coventry den Entzug der
Zugangsberechtigung zurückgenommen. Die Rückgabe der Akkreditierung, so
ließ das IOC wissen, sei eine Ausnahme nach einer „sehr respektvollen
Unterhaltung“ zwischen Heraskewytsch und Coventry.
Diese Geste soll wohl zeigen, wie sehr diese Geschichte der IOC-Präsidenten
zu Herzen gegangen ist.
12 Feb 2026
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## AUTOREN
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